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The Outpost – Überleben ist alles

The Outpost - Überleben ist alles - Filmplakat
© 2020 Telepool

First things first: Lass uns mal ein paar Dinge grundlegend klassifizieren, damit es hier zu keinen dümmlichen Diskussionen kommt.

Es gab mal eine Zeit (meine Kindheit), da waren auf der Leinwand Freiheiten vorhanden, die es im regulären Leben niemals gegeben hätte: Dass kleine Kinder z.B. großen Kriegsaktionen zuschauen dürfen (Nachrichten) oder dass man Menschen in Stücke säbelt (Horrorfilme), oder dass man dumme Ideen mit einem seriösen Touch als künstlerischen Erfolg auf die Leinwand bringt und es öffentlich gewürdigt und mit Preisen übersät wird … Damals war es noch ein niemals Wahrheit werdender Traum, darüber nachzudenken, dass man „großartige Monsterreihen“ mal gegeneinander antreten lässt.

„Uhhhh geil, Predator kämpft gegen Alien – was ist das für eine filmische Ehre und was für ein Meilenstein in der Geschichte… wuuuuhhh“

Inzwischen ist alles passiert. Die „shocking moments“, wenn man nach einem Film Marke „unbelievable“ dann „basierend auf wahren Begebenheiten“ gelesen hat, sind längst Geschichte und ziehen heute niemanden mehr hinter dem Sofa vor den Bildschirm.

Durch die immense Vielfalt und das schiere Überangebot an Filmmaterial und „Geschichten“, die im Verlaufe der Jahre wieder und wieder runtergerattert werden, fing man auch ganz unverblümt und unbemerkt an, sich mit den Dingen einfach abzufinden. War es damals noch gravierend, wenn die Dorfschänke die Öffnungszeiten um 30 Minuten anpasste, würde ein Journalist, der heute solch einen Artikel verfassen würde, wegen Belanglosigkeit wahrscheinlich auf die Straße gesetzt werden.

Natürlich hat man inzwischen auch alle möglichen Schandtaten von „Neeeeeeeeein, das ist die Regieeeeeeeerung, die würde doch NIEEEEEEEEEEMALS sowas zulassen, immerhin werden die von Hunderten von Leuten gesehen, das ist Quatsch, was du da erzählst“ aus allen möglichen Perspektiven auserzählt und mit eindringlichen Movies glaubhaft und zur Genüge dargestellt, so dass auch da ein gewisser Interessensabflau an der Tagesordnung ist, getreu dem Motto: „Nee, das ist zwar exakt die selbe Story wie der andere Film da, AAAAABER der Typ heißt Mave und nicht Conrad!!!!!!111“

Als Kind hab ich immer den Standpunkt vertreten: Lasst auf der Leinwand passieren, was immer ihr möchtet – genau das ist eure Spielwiese, bei der niemand irgendeinen Schaden erleidet, sondern alles fiktiv, alles machbar und selbst die absurdesten Fantasien und Gedankenausflüchte kann man dort völlig schadenfrei ausleben.

Wer also gern mal einen Menschen zerstückeln will: Rein in die Movies, anschauen, wie sie der Reihe nach wie die Fliegen niedergemetzelt werden, dann wieder rausgehen, brav seine Limo austrinken und ab ins Bett.

Passt – und funktioniert perfekt.

Inzwischen … ja, inzwischen sind wir im Kollektiv bei so ziemlich jeder Abnormität aus dem Alltag eines ganzen unüberschaubaren Planeten mit Livestream dabei und daher übersättigt von „Millionen von Leichen“ und die üblichen Mahnmähler von Kriegsfilmen verfehlen inzwischen vollständig ihre Wirkung.

Unter politischen, ethischen oder belehrenden Aspekten also inzwischen ein völlig nutzloses Genre, das keinerlei Mehrwert im bildungstechnischen Sinne mehr aufweist, und dennoch kein Griff ins Klo.

Tatsächlich ist The Outpost – Überleben ist alles super ehrlich mit seinem Publikum – und das fängt schon beim Plakat an: Es ist drin, was drauf steht, es wird geliefert, was erwartet wird und die Zuschauer werden bereits nach einer Sekunde auf das Genre vorbereitet, was dafür sorgt, dass hier wirklich nur die Leute rein gehen, die genau so etwas sehen wollen.

Warum mein kranzlanger „Vorspann“ dazu?

Weil hier nämlich dann die „Wertung“ keine Rolle mehr spielt. Man muss diesen Film nicht mehr unter political correctness oder ethischen Standpunkten bewerten und sich dann darüber aufregen, wie heroisch patriotisch diese „meist ausgezeichneten Soldaten“ doch ihren unglaublichen Kampf für das Wohle der Menschheit geleis….. – nein: Es geht um etwas völlig anderes.

Inzwischen ist mir persönlich (der dieses Genre defacto ziemlich liebt) diese schnulzige Moralapostel-Komponente bei solchen Streifen nämlich auch in Galle und Leber übergelaufen und stimmt mich säuerlich, weil so etwas in heutiger Zeit einfach nicht mehr sein muss.

Damals hat man Kriegsfilme gesehen mit Jahreszahlen wie 1979 – und dachte sich (als deppertes Kind): Mei, die haben’s halt nicht besser gewusst, aber nun ist man ja schlauer und würde so etwas Wahnsinniges nie wieder Wirklichkeit werden lassen. Passt – Film, andere Zeit – abgehakt.

Inzwischen lesen wir andere Jahreszahlen, die eben nicht aus düsterer Vergangenheit mit Schrammen am Mittelalter markiert sind, sondern 2009 oder höher ausfallen, und denkt sich: Ähm… Was ist kaputt bei denen, die so etwas beginnen und durchziehen?

Yo, genau das sind die Bilder des Krieges, der euch in den Medien als abendfüllende Unterhaltung mit tageschau-Logo verpackt serviert wurde – und das ist hässlicher Scheiß, den man auch im Nachgang nicht zwingend huldigen muss – wir hätten andere Optionen…. AAAAABER wollten an dieser Stelle ja nicht diskutieren.

Wieso also der Film?

Weil Freunde dieses Genres einfach ne geile Schlacht sehen wollen. Weil man ins Kino geht, um es ordentlich rummsen zu hören, um zu testen, was die alten Bassboxen im hinteren Eck noch alles so drauf haben und zu spüren, dass irgendwie alles eskaliert, bis am Schluss dann alles in Rauch und Flammen aufgeht und man vorher möglichst lange etwas von diesem irrsinnigen Schauspiel genießen konnte.

Und genau das bringt dann die Frage auf: Was ist euch Soldaten das wert? Euer Leben für so einen …. Bullshit … zu riskieren, nur damit wir Idioten hinterher im Kino sitzen und uns von euren toten Kameraden unterhalten lassen können? Muss man dafür heute noch Krieg spielen?

Der Effekt des vernichtenden Schauspiels funktioniert hervorragend, zieht mächtig an, sorgt für selten Langeweile und rummst ordentlich und durch die Bank weg, so dass Freunde dessen tatsächlich auf ihre Kosten kommen.

Der „Moraleffekt“ wird am Schluss jedoch auch geholt – und in meinen Augen völlig übertrieben. Natürlich ist es ganz nett, die wahren, echten Personen vor die Kamera zu holen und ihre echten Gesichter zu zeigen, auch in Kriegsfilmen ist dies eine hohe Würdigung, die durchaus auch funktionieren kann (Stichwort: Clint Eastwood). Hier wird’s jedoch vollständig übertrieben und immer wieder noch einer oben drauf gesetzt, dass man als Zuschauer – ohne oben besagten Anspruch – auf einmal das Gefühl hat, man will einem doch verkaufen, wie geil die Army ist und dass es sich lohnt, dort einzutreten, weil all der Schmerz und die zerbrochenen Seelen am Schluss keine deutliche Sprache sprechen.

Das Ding funktioniert in Amerika, dort haben sie einfach eine völlig andere Grundeinstellung zu solchen Dingen und sind damit im Alltag völlig anders verankert (dort wird der Film auch hoch gelobt und gefeiert), stößt hierzulande aber wieder auf völliges Unverständnis und macht im Prinzip den „Gaudi“ von vorher dann vollständig kaputt.

Und über all diese Dinge muss man mit einem mega dicken Fell hinwegsehen, dann hat man einen großartigen Film, der gut unterhält, der eine wahre Geschichte erzählt (die in Wahrheit eines der größten Fiaskos in der Geschichte der amerikanischen Kriegsführung ist) und der damit extrem mies umgeht, wenn’s um die Aufarbeitung der Geschehnisse geht, um der Sache doch wieder etwas Ernsthaftigkeit abzugewinnen.

Da diese Tatsache wiederum aber diejenigen kaum stören dürfte, die sich aufgrund des Plakats für den Film entscheiden, siegt hier wieder die unverdrossene Ehrlichkeit der Gesamtpackung: Das Konzept geht auf und die Zuschauer des Films dürften zufrieden wieder von dannen ziehen.

Auf dass alle in unserer Realität damit aufhören, solche Kriege weiterhin existieren zu lassen.

Es kracht, es pfeift, es scheppert und unterhält auf einem Niveau, bei dem man nicht werten darf, und bastelt sich am Ende ein paar Fallstricke, indem man doch noch versucht, ernsthaft zu werden – in dieser Kombination nicht wirklich gelungen. Als Genrefilm für Liebhaber von „Guns and Ammo“ allerdings wahnsinnig gutes Fressen, das solche Triebe ausgiebig und perfekt befriedigt.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Kann man getrost komplett aussitzen, da passiert noch so viel, dass der Text quasi völlig in Vergessenheit gerät.

Kinostart: 17. September 2020

Original Title: The Outpost
Length: 123 Min.
Rated: FSK 16

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Prime Video: (folgt in Kürze)
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Mulan

Mulan - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Mulan zählt zu den Phänomenen, mit denen so viele ihre Kindheit verbracht haben, und Disney arbeitet nicht erst seit gestern daran, all die Klassiker mit menschlichen Darstellern neu zu beleben und in dieses Jahrhundert zu überführen.

So auch mit Mulan, der inzwischen seinen langfristigen Corona-Arrest hinter sich hat und als große Hoffnung auf den Neustart galt … und ihn versemmelte. Dabei war die Vorarbeit so dermaßen grandios, dass sogar ich als großer Disney-Kritiker mit offenem Mund am Boden kniete und den Herren und Damen meinen Respekt zollen musste: Ja, alle bisher erschienenen Teaser und Trailer sind super großartig und erzeugen jedesmal Gänsehaut auf dem ganzen Körper, wenn sie in einem der immer noch fast leeren Kinosäle den Neuanfang ankündigten.

So viele haben sich drauf verlassen, dass Tenet den Beginn macht, als die immer wieder abgesprungen sind, lag die Hoffnung auf Mulan und zu dem Zeitpunkt, als ich diesen Text hier schrieb, hatte ich noch nicht einmal mehr die Hoffnung, dass dieses Werk überhaupt je in einem großen Saal gezeigt werden würde (und die Vorbestellung zu Tenet längst in der Tasche).

Immerhin kann sich Disney mit seinem großartig gestarteten und klug inszenierten eigenen VoD-Portal immer elegant aus der Affäre ziehen, ohne sein Gesicht zu verlieren – getreu dem Motto: „Schaut her, was wir euch für großartigen Content im Vergleich zu anderen bieten… extra für das Portal designt und kreiert.“

Dabei gehört ein Werk wie dieses auf die Leinwände und sonst nirgendwo hin.

Und letztendlich ist es noch schlimmer gekommen, als ich gedacht hätte: Man hat den Leinwänden den Release versagt und ihn direkt zu Disney+ geschoben, aber nicht etwa so, dass die Abonnenten dieses vergleichsweise teuren Portals ihn dann einfach schauen können: Nein, man benötigt zu dem bestehenden Disney+ Abo zusätzlich nocheinmal Geld … und zwar saftige 21,99 €, um einen VIP Access zu erkaufen, der es dann erst ermöglicht, den Film tatsächlich abspielen zu können.

Was genau verdienen die Kinos daran? Genau: 0,00 €! Disney als Familienunternehmen, das traditionelle Werte vertritt und für ein gutes Leben plädiert? Am Arsch… wir lassen die kleinen Kinos einfach verrecken, wenn wir uns dann überteuert noch viel mehr Geld zu 100% in die eigenen Taschen stopfen können. Das ist laut deren Ansicht nun die „beste Option“, den Film zu releasen, und es reut mich, sagen zu müssen, dass ich einer der wenigen bin, die ihn jemals auf der Leinwand gesehen haben. Ich hätte es jedem einzelnen von euch gegönnt!

Aber zurück zum Plot: Über die Geschichte und etwaige Veränderungen brauchen wir nicht reden, die kommen immer wieder auf, seitdem irgendwer den großartigen Gedanken hatte, Grimms Märchenstunde neu zu interpretieren und den Zuschauern neuartigen Inhalt aus alten Geschichten zu backen.

Genauso wenig möchte ich an dieser Stelle über Animation vs. Humans diskutieren: Ich denke, das trägt nicht zur Debatte bei. Mulan zählt nämlich tatsächlich zu den Werken, die man sehr wohl im Kino gesehen haben darf, denn die Re-Interpretation kann sich sehr wohl sehen lassen und wurde ordentlich gemeistert.

Man spart weder an feinfühligen, asiatischen Nuancen, noch an Action und Bombast und lässt hier niemanden wirklich auf der Strecke. Das altbekannte „Jeden in der Familie zufrieden stellen“ funktioniert auch jetzt noch und liefert hier wirklich Unterhaltung, die jedoch von der großen Leinwand lebt.

Also bockt auf, was immer ihr findet, reißt die Leinwände in die Breite, donnert die Boxen hoch und lasst das Spektakel über euch ergehen: Enttäuscht zu werden fühlt sich in der Tat ganz anders an…….. Achnee, geht ja nicht, denn Disney möchte euch das ja lieber gerne vorenthalten. Ach scheiße verdammt… ähm … ja … also … äh …. keine Ahnung.

Gelungener Sprung in die menschliche Realität: Die Geschichte überzeugt nach wie vor und durch die unfassbaren Gelder und Talente im Hintergrund lässt auch die Umsetzung niemand im Stich: Lohnt sich, in einem Kino zu sehen: Und das möchte Disney euch gerne ersparen, denn etwas mehr Geld in den eigenen Taschen ist vieeel besser als ein zufriedenes Publikum!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Die ersten Momente kann man ruhig noch mitnehmen, danach folgt die übliche Blackroll.

Kinostart: 4. September 2020 exklusiv auf Disney+ mit VIP Access für zusätzliche 21,99 € … und ab 4. Dezember 2020 gibts ihn dann inklusive des „normalen“ Disney+ zu sehen.

Original Title: Mulan
Length: 115 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze) 


Und der Zukunft zugewandt

Und der Zukunft zugewandt - Filmplakat
© 2019 Neue Visionen Filmverleih GmbH

Ist das eigentlich jemand inzwischen aufgefallen? Die Öffnung der Grenzen innerhalb der Bundesrepublik Deutschlands feiert demnächst 30jähriges Jubiläum und im Zuge dessen kommen immer mehr Dokus und Filme auf die Leinwand, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen und die historisch einmaligen Ereignisse erneut dokumentieren.

Was ich von dieser geschichtlich immer wiedergekäuten Dauerbeschallung im Fernsehen halte, wisst ihr: Ich glaube, es ist noch kein Tag vergangen, an dem mal keine Hitler-Doku im Fernsehen ausgestrahlt wurde – und noch keine Stunde irgendeines Tages, an dem man sich nicht auf die ein oder andere Weise mit diesem Thema beschäftigt hätte.

Dass diese zumeist absolut schlecht gemacht sind und man als „cooler Jugendlicher“ kaum Lust hat, sich so ernsthaft damit auseinanderzusetzen, versteht sich da fast schon von selbst.

Und jetzt kommt Und der Zukunft zugewandt – schon der Titel mit den richtigen Assoziationen: Vergangenheitsbewältung und -aufarbeiten im großartigen Stil, das eben nichts mit den historisch ausgelutschten Aussagen zu tun hat, sondern „neue“ Vorfälle ans Licht bringt, die das Problem im Kern beleuchten: Ein System, dass damals als „perfekt“ angepriesen wurde, unter dem eine Vielzahl an Menschen gelitten haben, was auch bis zum heutigen Tag immer noch nicht in Gänze von vielen verarbeitet wurde.

Und hier leistet das Werk Großartiges: Die Geschichte ist tatsächlich passiert und wurde im Rahmen einer Polizeiruf 112-Aufzeichnung dem jetzigen Regisseur zugetragen, der davon dann nicht abließ und die Story erzählen wollte.

Und glaubt mir: Es ist spannend und zeugt von Integrität menschlich-ethischen Verhaltens, die auch kein System brechen kann … und wenn es erst Jahrzehnte dauert, bis so etwas ans Tageslicht kommt.

Und noch ein spannender Fakt: Die Dame, die das alles betrifft, hat im Film sogar eine eigene Rolle bekommen, auch wenn sie sich nicht selbst spielen kann, da die Vorfälle ja ein paar Jahre zurückliegen.

So muss in meinen Augen historische und gesellschaftliche Aufarbeitung aussehen: Themen ans Tageslicht zu bringen, deren wahrer Kern unbestreitbar ist und die Aufklärung in die Runde werfen, die für alle verständlich und vor allem auch spannend inszeniert wird, damit auch die jüngeren Generationen, die diese Ära nicht miterlebt haben, Interesse daran haben, sich damit auseinanderzusetzen.

Das schafft Wissen, was wiederum dafür sorgen kann, dass derartige Aktionen nicht nochmal gestartet werden, auch wenn politisch gesehen derzeit alles danach aussieht.

Und da weder Schulen, noch einige Medien, noch Politiker oder andere öffentliche Personen großartiges Interesse daran haben, hier im großen Stil derartige Wissensbildung vorzunehmen, darf wieder einmal Kino als grandiose Plattform dafür herhalten, um flächendeckend dafür zu sorgen, dass auch neue Generationen über alte Fehler unterrichtet werden und die Zusammenhänge nun easy verstehen können.

Dann sind es auf einmal nicht mehr nur irgendwelche Satzfetzen, die jeder schonmal irgendwo gehört hat, deren Zusammenhang oder Tragweite aber keiner so richtig versteht, der sich nicht näher mit der Materie auseinandergesetzt hat. Dann sind es nicht mehr Mutmaßungen, die einfach da waren, weil jeder immer so reagiert bei dem Thema, ohne zu wissen, warum.

Dann ist es ein Vorfall, der überdeutlich schildert, was an der ganzen Sache dran – und gravierend falsch war, was auf einmal andere logische Konsequenzen im Kopf schafft und ein völlig neues Bild auf die deutsche Geschichte richtet.

Damit schafft man Fakenews aus der Welt, damit schafft man irrationale Behauptungen aus der Welt, damit sorgt man dafür, dass die Menschen ihren eigenen Kopf benutzen und anfangen, nachzudenken.

Damit hätten neuartige Geschwüre geistiger Umnachtung keine Chance mehr, in diesem Land so zu gedeihen, wie sie es derzeit tun.

Also: Geht bitte rein! Und nehmt so viele Leute mit, wie ihr finden könnt.

Pflicht! Dieser Film leistet Aufarbeitung historischer Wunden und erklärt ein missratenes System auf extrem spannende Weise, die auch heutigen Generationen völlig easy verdeutlicht, warum eine solche politische Hierarchie nie wieder entstehen darf! Großartig!

Nachspann: ⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 05. September 2019

Original Title: Und der Zukunft zugewandt
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12


Tolkien

Tolkien - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Über diesen Namen braucht man eigentlich kein weiteres Wort verschwenden: Entweder man kennt ihn und weiß sofort, womit man all das zu verbinden hat, oder man fragt erst einmal: „Hä? Wer ist das?“

Genau das haben die Schöpfer dieses Movies wohl auch bereits gewusst und sich darum gedacht: „Och, grenzen wir die Unwissenden einfach mal komplett aus und machen etwas nur für die absolut verrückten Fans.“

Möchte man den Film nun auf „Neutralitätsbasis“ bewerten, gelangt man schnell an seine Grenzen, weil hier eben wieder zu viel universitäres Gelaber ist, mit dem kein Mensch was anfangen kann, weil die Szenen dazwischen nicht richtig wissen, wohin sie wollen und weil keiner am Ende weiß, was das alles sollte.

Und dann sind die Fans am Start. Tolllkiiiiiieeeeeeennnnnnn … Herr der Ringe … Ahhhhh!

Interessanterweise haben mir sehr viele davon abgeraten (ja, ab!), die Bücher zu lesen, sind aber die absolut vernarrten Fans der Filme und können sie auswendig mitbeten. Tolkien selbst kümmert sich einmal mehr nicht um seine Werke, sondern um den Schöpfer persönlich und möchte irgendwas erzählen, das am Ende aber wiederum nicht so wirklich rauskommt.

Was dafür umso präsenter ist: Der Soundtrack! Guys and Girls? Gänsehaut! Aber so richtig!

Immer dann, wenn man sich dazu entscheidet, Gedanken-Touren zu unternehmen und die Fantasie ein wenig schweifen zu lassen, man wieder ins „Filmische“ reinkommt und eben nicht die kalte, harte, tote Uni-Materie am Leben (welches Leben?) erhalten will: Dann scheppert‘s wieder und man spürt sofort: Hier ist was ganz großes am Start, das man unbedingt im Kino sehen muss!

Leider hören eben jene Szenen jedesmal immer viel zu schnell auf … all das (und ihr dürftet inzwischen gemerkt haben, dass ich mich nicht dazu zähle) interessiert die Fanatiker aber reichlich wenig, denn die kommen hier voll auf ihre Kosten und bezeichnen das Ding schon jetzt als „Film des Jahres“.

Ob gut oder schlecht, wird hier nicht diskutiert: Vielmehr zählt „ob Fan oder nicht“ – erstere kommen nämlich tatsächlich hart auf ihre Kosten, letztere bekommen einen grandiosen Soundtrack geliefert, Kino spendiert die Boxen dazu oder man nennt eine gute Heimkinoanlage sein eigen – dann braucht man den Film dazu nicht zwingend, aber ein gut gefülltes Musik-Abo und jede Menge Zeit… Bei mir ist er seit Erscheinen noch nie aus der Top 10 der meistgehörten Scheiben rausgerutscht 😉

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, hier folgen keine weiteren Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 20. Juni 2019

Original Title: Tolkien
Length: 111 Min.
Rated: FSK 12