Tag: Kumail Nanjiani

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Anhand dieses Titels können wir zwei gravierende Merkmale des Filmbusiness festhalten:

  1. Etwas, das bereits einmal da gewesen ist, wird in Zukunft nicht zwingend besser
  2. Robert Downey Jr.s Charme unterliegt nahezu jeder.

Ja, mit ihm zu werben, ist ein genialer Geniestreich, denn das war auch der Grund, weshalb ich auf diesen Film heiß war: Ich wollte einfach nur wissen, wie sich dieser Mann in der neuen Rolle macht. So ziemlich jeder dürfte ihn als Tony Stark in der Avengers-Filmreihe kennen, eine Rolle, die ihm zeitlebens auf die Stirn getackert zu sein scheint. Brillanter kann man kaum werden.

Dr. Dolittle verbinde ich zuallererst mit Eddie Murphy, dessen übertriebenem Humor ich auch nicht sonderlich aufgeschlossen gegenüber bin, weswegen ich mich in der Vergangenheit mit diesem Film-„Franchise“ auch ziemlich wenig beschäftigt habe.

Und das, was ich befürchtet hatte, trat genau so ein: Man kann Downey eine professionelle Schauspielerei nicht aberkennen, jedoch stirbt um ihn herum alles andere durch zwar optisch gut gemachtes Aussehen, aber inhaltlich gleichbleibendes „Niveau“, das viel weniger spannend und unspektakulär daherkommt. Irgendwie driftet man fast wieder in Richtung Murphy: Durchgeknallt, absonderlich, merkwürdig – und damit kommt eben im Mainstream kaum jemand zurecht.

Für Kids mag’s zwar abenteuerlich sein, den 104sten Animated-Animal-Movie auf einer Leinwand zu bestaunen, und auch die Geräusch- und Soundkulisse kann sich an gewissen Stellen durchaus sehen lassen, jedoch hat man kaum etwas verpasst, wenn man den Film nicht gesehen hat: Der Twist ist belanglos und es reut einen fast schon, dass so viel enorme Rechenleistung und digitale Arbeit in so einen Plot-Langweiler gesteckt wurde.

182 Mio. US$ Einnahmen (Stand: Februar 2020) ist zwar ein kapitalistischer Grund, solch einen Film überhaupt zu drehen und ebenfalls ein schlagkräftiges Argument, dass gegen folgenden Wunsch spricht: Lasst bereits erzählte Geschichten doch einfach sie selbst sein und kümmert euch in der Zukunft um eigene Ideen: Damit tätet ihr den Zuschauern zumindest einen riesigen Gefallen.

Hier steckt viel CGI und teilweise bombastischer Sound drin, der das jüngere Publikum durchaus zu unterhalten weiß, allerdings zündet der Film in meinen Augen eher gar nicht und trägt mit viel Bekanntem und erzählerischer Langeweile auf. Schade eigentlich, denn der Hauptdarsteller ist zu so viel mehr fähig, wie wir alle bereits wissen.

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Es kommt nochmal eine kleine Zwischensequenz, also rennt nicht direkt raus, sondern wartet ein wenig ab. Es lohnt sich 🙂

Kinostart: 30. Januar 2020

Original Title: Dolittle
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6


Stuber – 5 Sterne Undercover

Stuber - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Dass Dave Bautista einen an der Waffel hat und diesen Humor prächtig auf der Filmbühne zum besten geben kann, wissen wir dank Guardians of the Galaxy, womit er sich zumindest bei mir im Hirn eingebrannt und geprägt hat.

In Stuber schließt er sich mit Kumail Nanjiani zusammen und unterhält das Publikum in einer Komödie, die es einem unglaublich schwer macht, nicht zu lachen.

Der Humor ist durchgeknallt und fordert einen zeitweilig etwas, läuft aber immer wieder zu Höchstformen auf und sorgt für jede Menge Spaßgewalt in den Sälen, just wie man es von Twentieth Century Fox gewohnt ist: Filme können sie.

Was mir an diesem Werk gefällt, ist die unbeschwerte Leichtigkeit, mit der man das Thema angepackt und aus ihm wirklich lustiges Entertainment rausgekitzelt hat. Nirgendwo spürt man die Gequältheit, die so manchem Gagschreiber oft den Schlaf zu rauben scheint, sondern es sprudelt und fließt, dass sich die Balken nur so biegen.

Dass dabei auch mal Blut fließt und es hier und da gewaltdurchsetzter zugeht, stört insofern nicht weiter, die FSK hat hier ausnahmsweise mal keinen Fehler mit der 12 gemacht, auch wenn – aus dem Kontext gerissen – so manch harter Moment dabei ist, den man biedermeierhaft im Internet zensieren könnte: Das gehört dazu und wird im Film auch von den Kids richtig interpretiert und macht ihren Aussagen nach „richtig Spaß“.

Im Rahmen der Comedy-Offensive, der man sich derzeit scheinbar unterworfen hat, zählt dieser Film zu den „must sees“ und sollte am besten in Gemeinschaft gerne von euch im Kino zelebriert werden: Für einen wunderbaren Abend mit viel guter Laune ist damit gesorgt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 22. August 2019

Original Title: Stuber
Length: 92 Min.
Rated: FSK 12


Men in Black: International (3D)

Men In Black: International - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Die schwierige 4

Es ist das Jahr der vierten Teile – so zumindest hat es den Anschein, wenn man sich das Kinojahr 2019 so anschaut. Und das bedeutet im Fachjargon: Viel aufgewärmter Mist, viele unbrauchbare Remixe, viel vereinheitlichter Quatsch, den sonst eigentlich niemand braucht.

Ihr habt sicherlich schon jede Menge Müll über den neuen Men in Black: International gelesen und seid dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine unglaubliche Falle getappt: Die eingedeutschte Landessprache-Version dieses Films.

OV – Original Version or die!

Dass ich gelegentlich einen gewissen Hass gegen die deutsche Sprachvariante habe, die uns in Filmen immer wieder präsentiert wird, ist inzwischen ja weithin bekannt. Men In Black: International bricht hier aber einen Rekord: Der schlechteste Synchro-Film, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Und das ist nach Black Panther eine echte Meisterleistung!

Um mal von vorne anzufangen: Dieser Film wurde mir im Rahmen der Pressevorführung in OV vorgeführt und ich habe mich sichtlich amüsiert und war begeistert von dem Respawn, den man damit in dieser Reihe angetreten ist: Eine großartige Emma Thompson (schreibt sie aufs Cover!), großartige Sprüche, hochkarätige Witze, ein echtes Spektakel, und zwar verbaler, und nicht – wie erwartet – grafischer Natur.

Genau das hat MIB in meinen Augen wertvoll gemacht: Man hat eben nicht das Action-Kampf-CGI-Schlachtgewitter losgetreten und voll auf grafische Effekte gesetzt, sondern Inhalte produziert und sie wunderbar humorvoll auf die Leinwand gepackt und damit die Erwartungen im Trailer sichtlich übertroffen. Und ja, ich hatte echt mega Bock auf das kommende Universum, das dieser Titel hoffentlich trotzdem antreten wird.

Und dann bin ich mit Freunden in die deutsche Variante davon. Mega-Fehler!

Normalerweise ist es ja so: Englisch ist eine sehr prägnante Sprache. Kurz. Präzise. Kommt schnell auf den Punkt. Bling Blong – Satzende.

Und das deutsche Pendant dazu sieht so aus: „Blablabla-Laber-Rhabarber-BlablaunverständlichlangeWorte. Ende des Satzes. Bürokratische Bemerkung.“

Heißt: Im Deutschen braucht man 3x so lange, bis man eine englische Pointe wirklich auf den Punkt gebracht hat – einfach nur aus „Sprachgründen“. Und wenn jetzt im englischen Original schon die ganze Zeit gesabbelt wird, bis man umfällt und man vor sprudelnden Worten manchmal schon nicht mehr weiß, wohin, was ist dann erst in der deutschen Variante los? Bildpausen, damit man mit Labern hinterher kommt?

Genau das hätte man machen müssen. Hat man aber nicht. Stattdessen hat die Klasse 4B die Aufgabe bekommen, im Schuldiktataufsatz diesen Film zu übersetzen. Und die haben viel nicht gewusst, teilweise keine Lust gehabt und darum nur rund 30% des Textes überhaupt abgearbeitet und dazu noch von jeglichem Wortwitz und sämtlichen Pointen befreit.

Statt „Oh mein Gott, wohin soll ich mit den Phrasen, ich hab keine Zeit“ kriegt man im Deutschen Wortpausen!!! Und so dermaßen schlechte, sinn- und inhaltlose Aussagen, dass man sich die gesamte Zeit gerne selbst facepalmen möchte und hofft, dass einem irgendeine flauschige Katze dabei hilft, damit’s am Vorderstirnlappen nicht so abartig schmerzt.

Ganz ehrlich? Fuck You, Germany, wenn so etwas dabei rauskommt.

Ja, Synchronisation ist schwer. Man muss quasi den Film wieder drehen. Voicecast, Stimmen herausfinden, entscheiden, ob sie zum Inhalt passen, den Inhalt verstehen, ihn neu interpretieren und für das aktuelle Land neu umsetzen. Man arbeitet quasi als „Fake-Regisseur“ und dreht dabei den Film nochmal neu. Mit dem Unterschied: Man hat extreme Auflagen: Die des Original-Regisseurs.

Und wenn’s dann schon am Voicecast scheitert, ist das Projekt von vornherein verloren.

Und das ist bei der Synchronisation dieses Films passiert. Und zwar so schlagkräftig, dass es mir als Cineasten mörderisch weh tut und ich überlege, ob ich schon rein aus Protest jetzt ein volles Jahr lang nur noch in OV gehen sollte…

Hier wurden eben diesmal nicht nur die Jokes runter gebuttert und durch schlechte Übersetzungen entfernt, sondern der Film seiner kompletten Seele vollständig beraubt.

Ein Dialog mag schlecht sein, wenn man Mr. Fitzelchen mit einer saukomischen Stimme und der passenden Süßhaftigkeit sich jedoch über irgendetwas beömmeln sieht, ist das unterhaltsam.

Und wenn irgendeine Büro-Trulla anschließend zwei Minuten vor Dienstschluss in ihrem Büro hockt und diesen Part lebhaft übersetzen soll – und die schon um 8 Uhr morgens keinen Bock auf ihre Arbeit hatte und dann mit einer derart lahmen Stimme den langweiligen und humorbefreiten Part deutscher … was eigentlich? … runterquasseln soll … dann – äh … wird das nix.

Und du hockst im Kino und denkst dir: Spinn ich eigentlich jetzt? So verkacken kann man’s doch eigentlich gar nicht? Und dann sieht man schon die ganzen Phrasen vor sich: „Ja, die Amis … komisches Volk … die finden sowas dummes wieder toll … ja, spinnen eh alle“ … und dabei waren es die Deutschen, die diesen Scheiß zu verantworten haben und eine eigentlich großartige Leistung der Amis vollkommen konsequenzlos zerstört haben … unfassbar!

Und darum gilt:

Ich gelobe hiermit feierlich: Diesen Film schaue ich einzig und ausschließlich, ohne Ausnahme und diskussionsfrei mitsamt all meinen Freunden, Familie und Co. in der einzig wahren und anstandslosen Variante: OV! Alles andere ist Körperverletzung und zerstört, was die Macher im Ursprung hier aufgebaut haben. Wer das nicht wahr haben will, sollte besser einfach nicht reingehen und auf die Heimkinoveröffentlichung warten: Hier kann man dann szenenweise umswitchen und sich selbst davon überzeugen, dass die deutsche Variante das einzige Manko ist: Vollständiger Mist!

Dolby Vision™
Bekannt geil, tiefschwarz, großartige Bilder, klare Optik – war den Besuch definitiv wert.

Dolby Atmos™
Ein Grund, trotzdem ins Kino zu gehen – genau wie das 3D. Hier wurde optisch und akustisch wenigstens nichts verbockt. Lag wohl daran, dass der Synchro-„Meister“ hier nicht mitsprechen durfte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, es lohnt sich nicht mehr.

Kinostart: 13. Juni 2019

Original Title: Men In Black: International
Length: 115 Min.
Rated: FSK 12