Tag: Lawine

Downhill

Downhill - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Will Ferrell ist für mich ein zweischneidiges Schwert: Entweder sind die Filme mit ihm hammergeil oder eher unlustig und irgendwie seltsam … und meist eher letzteres.

Downhill verbinde ich nun erstmal mit sportlichen Aktivitäten und dachte mir: Entweder wird‘s irgendwas in Richtung Rennen, Wettbewerb oder Sportfilm, oder: Es geht in Richtung Horror, was ich mir bei Ferrell dann aber eher wieder weniger vorstellen kann.

Wer genau hinsieht, der liest den Untertitel: “Ein etwas anderer Katastrophenfilm“, was es im Nachhinein dann exakt auf den Punkt bringt: Hier ist nämlich alles komplett anders… bis hin zum Katastrophen-Typus, der in eine Richtung geht, die nun wirklich absolut überhaupt keiner an dieser Stelle erwarten würde.

Nach Ferrellscher Manier wird auch hier wieder an Comedy-Einlagen nicht gespart und man hat definitiv seine witzigen Momente, schlittert allerdings – wie das in den Bergen so oft der Fall ist – in Gänze doch ein wenig am Ziel vorbei respektive weiß einfach nicht, wohin das alles führen soll.

Mir fehlt da ein wenig der rote Faden. Das Streben nach irgendwas, worauf man hinaus möchte, eine Tendenz oder etwas, worauf man hinarbeitet und es dann am Schluss auflösen möchte: Das ist zwar irgendwie da, aber irgendwie auch nicht. Was mich wieder zurück zum Anfang führt: Irgendwie ist der Film witzig, irgendwie aber auch nicht.

Und diese Halblebigkeit stört. Man ist zwar nicht enttäuscht, dass man den Titel gesehen hat, aber definitiv verstört, warum das jetzt nun alles gedreht wurde.

Hier kommen dann wieder meine kapitalismuskritischen Augenblicke ins Spiel: Es ist natürlich eine Huldigung an das „schöne Österreich“ und wie geil hier alles aussieht und wie toll man – auch als Ami – hier doch Filme drehen kann und Kohle in die Regionen bringen.

Unter diesem Gesichtspunkt könnte man durchaus ein wenig Aggressionen aufbauen, denn das offensive Bewerben dieser Region ist allzeit gegenwärtig und war mir stellenweise fast schon ein wenig zu viel – aber ich kann das als jemand, der in solch einer Gegend lebt und wohnt, kaum objektiv einschätzen, vielleicht geht es anderen an dieser Stelle ja anders.

Wenn man das Gros der Filme von Will Ferrell kennt, kann man relativ gut abschätzen, was hier geliefert wird: Es ist nicht dumm-lustig, sondern hat ein gewisses Niveau, plätschert aber mit einer gewissen Orientierungslosigkeit dahin und darum betören eher die landschaftlichen Augenblicke und Naturphänomene. Als ein Film, der offensichtlich eine ganz andere Intention hegt, ist dies natürlich suboptimal und sorgt für gewisse Verwirrung beim Verlassen des Saals.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Es folgen noch einige Outtakes, danach ist Schluss.

Kinostart: 20. August 2020

Original Title: Downhill
Length: 87 Min.
Rated: FSK 6


Abgerissen

Abgerissen - Blu-ray Packshot
© 2019 Capelight Pictures

Ich liebe Weltuntergangsstimmung, ich mag Katastrophenfilme und ich spiele unendlich gerne im Areal von Angst, Unvorhergesehenheit und horröser Zerstörung. Im Film.

Umso befriedigender, wenn diese Filme dann auch noch unglaublich nah am Realismus entlang schrammen, dann wird der Nervenkitzel auf der Leinwand erst recht richtig geil.

Abgerissen kommt aus Russland – und wir wissen spätestens seit Hardcore Henry, dass die Russen diesbezüglich ziemlich krassen Scheiß drauf haben. Umso mehr verwundert mich die selige Ruhe, mit der man hier in die Geschichte eintaucht: Kein forsches Vordringen in charakteristische Persönlichkeiten, kein großes Aufhalten mit In-Szene-bringen, keine Stimmungsbarrieren, die man der Reihe nach umstößt, um den Zuschauer so richtig fett ins Geschehen zu treiben – nichts.

Viel mehr das Ansinnen, alles möglichst unspektakulär über die Bühne zu bringen. Das Cover weckte in mir den Wunsch, irgendwas in Richtung Open Water geliefert zu bekommen, nur eben in den Bergen mit sehr viel Tiefe und anderen Urängsten, denen der Mensch sich immer wieder zu stellen hat. Als jemand, der zeitweilig fast täglich Seilbahnen „beritten“ hat, kenne ich mich in diesem Metier auch ein wenig aus und weiß um so manches Hintergrundwissen, das man im Laufe der Jahre halt einfach mit aufschnappt. Gerade deshalb hatte ich mich unfassbar auf ein wenig Grusel innerhalb dieses Spektrums gefreut – und umso größer war die Enttäuschung.

Die Situation punktet anfangs zwar mit sehr viel Natürlichkeit und gut gemachter Unaufgeregtheit, mündet dann aber sehr schnell in solch kruder Absurdität, die den Zuschauer teilweise sehr fordert. Kein Mensch würde an gewissen Stellen so reagieren, wie dies die Protagonisten im Film tun – schon allein im Affekt oder aus reiner Unwissenheit würde nahezu jeder gegenteilig agieren. Und je weiter die Laufzeit tickt, umso schlimmer wird es, bis man sich am Schluss teilweise nur noch an den Kopf fasst. Sehr viel schlimmer an den Haaren herbeigezogen kann der Plot gar nicht sein, der jedwede Möglichkeit für Spannung und Überlebensdrang mit Füßen tritt und stellenweise binnen Sekunden komplett in sich zusammenkrachen lässt.

Schön wäre gewesen, wenn dies mit dem Material in der Geschichte und nicht den Emotionen der Menschen vor dem Bildschirm passiert wäre. So bleibt dies einfach nur ein Film, der eine einzige Vorahnung bestens erfüllt: Dass das nur ein billiges B-Movie ist mit dem Hang zu echtem Trash.

Sollte man Spannung und Nervenkitzel erwarten, wird man hier leider enttäuscht: Die Kulisse ist zwar atemberaubend und auch die Grundidee lässt auf mehr hoffen, der Hang zum Surrealismus zerstört aber jeglichen Filmspaß und hinterlässt einen eher mit Kopfschütteln statt mit Gänsehaut auf dem Rücken. Schade, daraus hätte man viel mehr machen können.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Anfänglich noch mit Bildern unterlegt, enthält dieser keine weiteren Szenen. Abwarten ist also unnötig.

Streaming auf Amazon Prime: 29. November 2019

Original Title: Отрыв
Length: 85 Min.
Rated: FSK 16