Tag: leben

The Photograph

The Photograph - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Was fällt mir als Fotograf und Ästhet sofort ins Auge? Dass das Plakat ein Negativ ist – also die Dinger, auf denen früher unsere Fotos „zwischengespeichert“ wurden, bevor man sie zum Entwickeln brachte. Namen der Schauspieler, die berühmten „Schnittpunkte“ etc. – alles da. Die Plakat-Macher haben also den Filmtitel gehabt und daraus etwas brauchbares gestaltet, was sich deren Meinung nach an „Fotografie“ orientiert.

The Photograph macht als Titel ja auch eigentlich den Anschein, als ob es in dem Film möglicherweise um Fotografie gehen könnte … also jemand, der oder die sich mit Kameras irgendwo rumbewegt und etwas fotografiert, oder sich mit dem Thema auseinandersetzt … oder irgendwas … mit Negativ, Bild, Abzug, aufhängen, Kunst oder dergleichen.

Dass es in dem Film eigentlich gar nicht um Fotografie geht (Titel: The Photograph, Plakat: Foto-Negativ, Filminhalt: was völlig anderes – macht Sinn!) konnte ja keiner ahnen. Wer sich ein wenig in Kritiken verfängt, findet auch hier und da das Wörtchen „Smooth Jazz“, und das führt mich zu einer elitären Eliten-Elite, die sich für so etwas interessieren könnte … und tatsächlich finden sich dafür auch wahnsinnig viele Anzeichen im Film wider.

a) die Protagonisten müssen rein überhaupt nichts tun, um irgendwie ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie sind einfach. „Ich bin, also existiere ich. Stößchen.“ – Klingt nach elitärer Bewegung. Cool.

b) Wenn man genügend Geld hat, sich um existenzielle Dinge einen Scheißdreck scheren muss und zu viel Zeit und Unfug im Schädel hat, dann kommt man ganz schnell in diese Langeweile-Areale, in denen auf einmal völlig andere Dinge wichtig sind: Wer fickt mit wem, wer ist wieder wo mit wem ausgegangen, wer verkehrt mit wem, wer verdient wo wann wieviel Geld … auf Deutsch: tratschen. Auch davon finden wir unfassbar viel in diesem Film wieder.

c) Die Ästhetik. Im Ernst: Schaut euch allein mal den Trailer an und seht dabei genau hin: Das Trägerchen von ihr ist farblich exakt auf das Oberteil von ihm abgestimmt, eine Sekunde später sitzen sie im Restaurant und sind völlig anders gekleidet (macht keinen Sinn, weil es wirklich nur ein harter Schnitt war, aber in solch elitären Kreisen wechselt man natüüüüüürlich die Garderobe vorher), und zwar genau so, dass es auf die Hintergründe und die Pflanzen auf dem Fensterbrett im Bokeh im Restaurant passt – und die Grundierung der Flasche Wein sich exakt in dem Schatten ihrer Ohrringe widerspiegelt…

Ja, der Film trieft vor Ästhetik und jede einzelne fucking Szene ist PERFEKT optisch abgestimmt und ästhetisch so dermaßen ausgewogen, dass es scheppert.

Leider hat man deswegen kaum Zeit gehabt, sich irgendwie um den Plot oder irgendwelche „Vorwärtsbewegungen“ erzählerischer Komponenten zu kümmern, weswegen das Gros der menschlichen Gesellschaft (alles Idioten, dieser Pöbel!) sich mehr oder weniger angewidert und gelangweilt durch diese Scheiße kämpft und selbst meine langjährigen und hartgesottenen Kinofans das Weite suchen, während ich mich brav bis zum Abspann da durch quäle und die Ziffernblätter meiner Apple Watch interessanter finde, als das, was da auf der Leinwand vor sich geht, denn: Dort bewegt sich wenigstens was.

Im Ernst: Es können doch nur solche elitären Vollpfosten sein, die so dermaßen viel Zeit übrig haben, um sich diesen „Ist-Zustand“ über anderthalb Stunden reindröhnen zu können, allen anderen ist die Zeit etwas zu schade dafür.

Und die Plakat- und Titelverarsche obendrein noch ein Kick ins Schienbein.

Naja, irgendwen wird’s freuen. Mich (und eine Menge anderer Leute) definitiv nicht.

Ein Film für elitären Ästhetik-Überschwang, der sich so weit von „Normal“ und „Mensch“ entfernt hat, dass es allen anderen einfach nur weh tut, diesen Film zu sehen. Wenn’s ne Top 5 der schlechtesten Filme dieses Jahres gibt: Dieser hat den Hauptgewinn eingefahren. Sorry – geht gar nicht.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: The Photograph
Length: 107 Min.
Rated: FSK 0

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: (folgt in Kürze)
DVD: (folgt in Kürze)

Soundtrack: https://amzn.to/3m7I85y


But Beautiful (inkl. Gewinnspiel)

But Beautiful - Filmplakat
© 2020 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem die DVD von But Beautiful verlost wird.

Es gibt derzeit gerade keine Branche, die so unter den Einschränkungen leidet, wie „Kunst und Kultur“. Die Menschen ringen ums Überleben in ihren Köpfen und vernachlässigen alles, was ihrer Meinung nach nicht zwingend zum „Atmen und am Leben bleiben“ notwendig ist.

Leuten wie mir fällt dies extrem auf: Mir fehlt der geistige Anspruch, mir fehlt die designerische Liebe, mir fehlt der tägliche, kulturelle Kick. Derzeit ist alles anders und man kann sich nicht mehr in eines der gemütlichen kleinen Kinos zurückziehen und in Ruhe eine anspruchsvolle Dokumentation ansehen.

Wenn‘s nach Erwin Wagenhofer geht, ist dies ja gar keine Dokumentation, sondern einfach ein Feature Film … für mich ist es eine erquickliche Perle, die die artistische Trockenheit in diesen Tagen mit sprudelndem Quell erfrischender Wohltat beseelt und dem Zuschauer etwas wundervolles näher bringt.

Wer möglicherweise seine vorherigen Werke kennt (We Feed the World, Let‘s Make Money oder Alphabet), der mag sich jetzt denken: „Großer Gott, nicht schon wieder so ein depressives Anprangerungswerk, bei dem üble Missstände offengelegt werden“. – Ich kann euch beruhigen: Genau das Gegenteil ist der Fall: Wagenhofer hat beschlossen, positiv zu sein und sich deshalb in langjähriger Recherche nach Geschichten und Menschen umgesehen, die er in einer absolut beruhigenden, seelenschmeichelnden und wohltuenden Weise in diesem Werk zusammenflicht und dem Zuschauer damit die Kunst auf dem goldenen Tablett nach Hause serviert.

Ich selbst wünsche mir oft dieses Gefühl, welches der Film vermittelt, die einkehrende Ruhe, die eben nicht der Zwangsquarantäne und -tatenlosigkeit entspricht, die viele momentan empfinden.

But Beautiful führt euch genau dort hin und gib euch die Möglichkeit, es in „fertiger Montur“ zu genießen und entführt euch an die Orte, zu Momenten zu den Menschen, die diesen harmonischen Frieden bereits leben und ein Stück davon weitergeben.

Ein Film, den man viele Male sehen und dabei immer wieder neue Schönheiten entdecken und auf sich wirken lassen kann.

Gewinnspiel

But Beautiful - DVD Packshot
DVD Packshot
© 2020 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Und weil ich derzeit niemanden von euch ins Kino schicken kann, drehen wir auch hier einmal den Spieß um: Es mag einige geben, die den Film bereits gesehen haben, denn der ursprüngliche Kinostart war am 14. November 2019 – und gestern feierte das Werk seine Heimkinopremiere und ist ab sofort auf DVD bzw. VoD zu haben.

Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG war deshalb so spendabel und hat mir eine niegelnagelneue DVD des Films But Beautiful zur Verfügung gestellt, die ich euch hiermit weiterverlosen möchte.

Die enthält neben dem Film in Originalfassung (Deutsch, Englisch & Hindi mit Untertiteln) zudem noch eine Fassung für Hörgeschädigte und liefert ca. 30 Minuten weitere Einblicke in die kommenden Filme aus dem Haus Pandora.

Die DVD besitzt außerdem ein Wendecover, so dass kein störendes, unschönes FSK-Logo auf der Front in der Vitrine zu sehen ist.

Schreibt bis zum Samstag, den 25. April 2020 unter diesen Beitrag, worauf ihr euch am meisten freut, wenn die Ausgangssperren wieder gelockert sind und das „normale Leben“ weitergehen kann.

Was ist das erste, das ihr dann tun werdet? Worauf fiebert ihr hin? Worauf freut ihr euch?

Unter allen Kommentaren, die bis zum besagten Zeitpunkt eingehen, wird anschließend die Gewinnerin bzw. der Gewinner ausgelost und von mir via E-Mail benachrichtigt. Gebt bitte diesbezüglich eine gültige E-Mail an, damit ich euch im Gewinnfall erreichen und nach der Adresse fragen kann.

Nun wünsch ich euch viel Glück, natürlich weiterhin viel Gesundheit und bleibt in all dem weiterhin gelassen.

Eine emotionale Perle, die reichhaltig Kultur nach Hause spült und einen tiefsitzenden Frieden vermittelt – pure Schönheit und Eleganz, Vorwärtsstreben und ein durch und durch von Gesundheit und Lebensfreude durchzogener Blick in eine perspektivische Zukunft.

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Abwarten, nach dem Endscroll folgen noch weitere Aufnahmen und Szenen.

Heim-Kinostart: 17. April 2020

Original Title: But Beautiful
Length: 116 Min.
Rated: FSK 0


O Beautiful Night

O Beautiful Night - Filmplakat
© 2019 NFP marketing & distribution

Ich bin ein Nachtmensch. War ich schon immer. Bereits als Baby. Sonnenlicht? Schlafenszeit. Kein Wunder, dass ich heute immer wieder in die Kinos abdrifte >> dort ist Nachtbetrieb angesagt. Ich liebe die Nacht. Schon als Kind hat es mich begeistert, nachts durch die Straßen zu tigern. Nachts gehört die Stadt dir allein. Und selbst „Metropolen“ wie München oder Berlin sind nachts erträglich. Zum einen das Wetter (im Sommer lässt es sich nachts einfach absolut leben im Vergleich zum Tag) und zum anderen die Bevölkerungsdichte, die nachts ungemein geringer ist als tagsüber.

Wer in München mal vom Marienplatz zum Stachus wandern möchte, ohne einer Menschenseele zu begegnen: Nachts ist eure Tageszeit dafür. Ergo müsste gerade ich jemand sein, der bei einer Huldigung an die dunkle Seite des Tages eigentlich auf dem Boden knien und lauthals „danke“ sagen müsste.

Tu ich aber nicht.

Ja, aufgrund dieser Vorgeschichte waren meine Erwartungen an diesen Film immens. Und auch das Poster-Design ist ansprechend und wer es wagt, ein paar Sätze aus dem Plot zu verinnerlichen, bekommt auch recht schnell Lust auf den Film: Der wiederum enttäuscht auf ganzer Ebene.

Weder sind die Figuren gut gecastet (Sorry, aber ich fühl mich als Kinogänger hier fast schon leicht verarscht, denn Fernsehen einschalten ist eine Sache, Ticket lösen und ins Kino und dafür vorher noch weite Anreisen auf sich nehmen, eine andere – und wenn man dann bloß Fernsehkost vor die Füße kriegt … ?) noch ist im Plot irgendwas, das weitere Hinweise darauf zulässt, dass hier wirklich für den Big Screen gearbeitet wurde.

Leute, wir sind hier im Kino und nicht irgendwo in einer billigen TV-Butze, die man mit jedem möglichen Scheiß voll dröhnen kann und dann erwarten, dass alle Welt einen abfeiert. So läuft‘s nicht. Im Kino herrschen Ansprüche, die dürft ihr höchstens mit weniger Geist unterbieten, müsst dafür dann aber umso mehr optische und akkustische Anreize bieten, damit man die Mühe tatsächlich auf sich nimmt.

Fernsehen hingegen ist „Wegwerfware“, die bei den meisten sowieso nicht bewusst konsumiert wird – und dafür ist der Plot dann fast schon zu gut – aber eben so übel klischee-deutsch, dass einem schlecht davon wird.

Völlig unterschätzt meiner Meinung nach wird hier das künstlerische Design, mit dem man den Streifen vollgepackt hat. Diese ganzen Anspielungen, auf die man stoßen kann, wenn man sich nicht von den miesen Dialogen oder dem schlechten Twist ablenken lässt, sind tatsächlich wieder einen Blick in den Film wert – aber gebt bitte wenig bis gar kein Geld dafür aus …

Bereits zur Kinotour hat man in vielen Städten bereits extra angefertigte Schwarz-Weiß-Fassungen des Films angeboten, in der die Farbenpracht dann wieder verloren geht und die dem Film anscheinend dann noch das gewisse Extra stehlen … ich hab mich mit der Farbvariante rumgeschlagen und war eben so absolut nicht hin und weg.

Mal ein schlechtes Beispiel dafür, was arte auch sein kann: Miese Twists, schlechter Cast, stumpfe Dialoge und aus allen Ecken und Enden schreit es „Ich bin nur fürs Fernsehen produziert und gehöre einfach nicht auf eine Leinwand.“

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Lohnt sich nicht abzuwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 20. Juni 2019

Original Title: O Beautiful Night
Length: 89 Min.
Rated: FSK 12