Tag: Liebe

Hello Again – Ein Tag für immer

© 2020 Warner Bros. Ent.

Es gibt in der Filmwelt solche ikonischen Momente, die unvergessen bleiben werden, die einmal da waren und bei denen alle Nachäffer, Huldiger, Parodisten und Hommagen niemals in Frage stellen würden, wer das Original geliefert hat. Es ist jeweils ein Kniefall vor dem Moment. Etwas, das jeder kennt und das niemals – auch über Generationen hinweg – in Vergessenheit geraten wird.

Die „Ich bin der König der Welt“-Szene bei Titanic z.B., oder die Hebefigur aus Dirty Dancing, oder aber auch verbale Äußerungen wie „I’ll be back“ von Arnold Schwarzenegger aus den Terminator-Filmen. „Ich bin dein Vater.“ – merkt ihr?

Diese Dinge gehören dem Original.

Nun haben wir einen Film, der sich an einem Genre orientiert, das für sich – und zwar in seiner vollkommenen Gänze – ein ikonischer Moment ist: Und täglich grüßt das Murmeltier. Da gibt es keine speziellen Szenen, oder Aussprüche, oder Dinge, die man einzeln herausnehmen und woanders einpflanzen kann, sondern die Zusammenstellung der einzelnen Plotstränge aneinandergereiht ist selbst der „ikonische Moment“, weswegen man entweder den kompletten Film kopieren kann … oder eben etwas völlig anderes macht.

Hello Again – Ein Tag für immer lässt schon im Titel einiges vermuten… und wer beim Trailer richtig aufpasst, spürt auch sehr schnell, dass es sich hier um einen Zeitschleifenfilm – also um Und täglich grüßt das Murmeltier handelt… und da dies ein „ikonischer Moment“ ist, kriegt man das aus dem Schädel beim Schauen auch nicht raus. Niemand denkt bei der Hebefigur NICHT an Dirty Dancing.

Dieser aufgedrückte, unweigerliche Vergleich schraubt die Erwartungen immens hoch und so etwas geht meist in die Hose.

Muss ich weiter reden? 😉

Meine Generation ist geprägt von Bill Murrays legendärem Auftritt in diesem Film … wir haben ihn unzählige Male gesehen, geliebt, wieder geschaut … und schon im Trailer des „Remakes“ spürt man: Daran kommt die Schauspielerei definitiv nicht ran. Hier ist wieder viel zu viel „eingedeutscht“ worden … und man verhaspelt sich an der kruden Macherei der Filmförderungen, die – wie die Lobbyisten im fernen Amerika bei der Gesetzgebung – auch hierzulande den Autoren und Regisseuren so lange reinreden, bis alles einheitlicher Mist ist, den man dann abliefert.

Dass es im Film um eine Hochzeit geht, verrät das Plakat bereits. Dass es die „traurigste Hochzeit überhaupt“ ist, die ich je in der Filmgeschichte gesehen habe, verrate ich euch jetzt. Die Farben irgendwie trist und kaputt, die Kulisse so la la, alles irgendwie ohne Seele und ohne Herzblut … einfach armselig. So etwas stimmt einen natürlich wahnsinnig traurig und liefert keinen guten Nährboden für einen fantastischen Film, sondern schrammt eher permanent an der Grenze zum Flop.

Dass dies aus plottechnischen Gründen gewollt ist, mag nun als plausible Ausrede herhalten können, jedoch wissen wir anhand des Originals, dass das auch besser geht.

Jemand muss rausfinden, was er zu tun hat, um aus der Schleife wieder zu entkommen? Hier werden allerlei Einfälle durchprobiert, die den Vielsehern im Kino eigentlich von Anfang an klar sind, weil man sich die Auflösung schon nach 10 Minuten zusammenreimen könnte und es im Endeffekt auch genau so passiert („Laaaaangweilig!“).

Eine gute Sache hat der Film: Die Auswahl der Musikstücke. Hier hat man echt Einfallsreichtum und Vielfalt bewiesen und immer neue Varianten herbeigeholt, die den ganzen Film über bestens unterhalten und auch so ziemlich jeden Musikgeschmack abdecken dürften. Genau das fühlte sich aber auch oft aus dem Zusammenhang gerissen an, da die Melodien so weit entfernt von dem Alter der jeweiligen Protagonisten entfernt waren, dass es fast schon unglaubwürdig erschien, dass eine solche Person tatsächlich diese Musik hören würde.

Sei’s drum: Der Versuch zählt.

Und eine Sache ist auch noch spannend: Es gibt Menschen, die den Murmeltier-Film tatsächlich nicht kennen. Und ich habe welche von ihnen gefunden. Die haben Hello Again gesehen und fanden ihn super gelungen, weil er eine große Bandbreite an Emotionen und Möglichkeiten abdeckt und es ihrer Meinung nach um „multiple Universen“ geht… dazu fallen mir aber unglaublich viele Hinweise und Argumente ein, die das widerlegen.

An dieser Stelle schick ich euch dann einfach ins Kino, denn gespoilert wird immer noch nicht – und dann können wir uns gern drüber unterhalten. Am besten, wenn ihr beide kennt: Das Original … und diesen Film hier.

Eine deutsche Kopie von Und täglich grüßt das Murmeltier mit grandioser Musikauswahl, trauriger Kulisse und einem Plot, der sich nach 10 Minuten selbst enträtselt. Menschen, die selten ins Kino gehen, haben daran gewiss Freude.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Bringt noch einige Szenen am Anfang, danach ist Schluss.

Kinostart: 17. September 2020

Original Title: Hello Again – Ein Tag für immer
Length: 92 Min.
Rated: FSK 6

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Prime Video: (folgt in Kürze)
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Kase-san and Morning Glories

Screenshot Kase-san and Morning Glories
© 2020 Kazé

Dass sich die Filme hierzulande in Sachen kulturellen Eigenschaften nahezu alle gleichen, ist ja kein Geheimnis. Auch wenn es von Land zu Land kleine Unterschiede gibt: Im Großen und Ganzen bewegt man sich mit geringen Abweichungen auf dem selben Level. Und dabei ist es auch egal, ob man über den großen Teich schaut oder sich im europäischen Raum bewegt: Ja, die einen können bessere Plots, die anderen besseres CGI, von der Art der Herstellungsweise benutzen aber alle irgendwo die selben Mittel.

Auf unserer Erde gibt es da eine riesige Ausnahme: Japan. Die Filme dieses Landes sind ein Genre, das so weit weg allem Europäischen oder Amerikanischen ist, dass ein Vergleich nahezu ausgeschlossen ist.

Auch über die Filme hinaus lassen sich die Animes nicht auf anderes Kulturgut ein: Auch in gezeichneten Werken kann man sich nicht mit „Comics“ hierzulande messen, sondern hat mit Manga eben auch einen unverkennbaren Stil geschaffen. Und nicht nur das: Um die Sache vollkommen abzurunden, finden sich auch in den Tonspuren keine vergleichbaren Elemente mehr, sondern selbst die japanische Musik ist etwas völlig eigenständiges.

Dass dann in den Plots oftmals noch völlig schrille Ideen und diverse Verrücktheiten angenommen und umgesetzt werden, entfernt selbst die Inhalte noch von allem, was wir hierzulande als „normal“ bezeichnen würden.

Umso mehr Spaß macht es mir, mich immer wieder mal in diese völlig fremde Kultur niederzulassen und einen Anime im Kino zu bestaunen, weil’s eben etwas völlig anderes ist.

Kase-san and Morning Glories wurde kürzlich im Rahmen einer Girls Love Anime Night in den Kinos gezeigt.

Wer an dieser Stelle an romantische Schnulzenopern denkt, liegt völlig falsch: Mit dem üblichen Anime-Biss und japanischer Ausgefuchstheit bezieht man einmal mehr Stellung und kümmert sich um gleichgeschlechtliche Liebe. Und das in so einer wunderbaren und liebevollen Atmosphäre, dass man sich auch als Kerl darin wunderbar aufgehoben fühlt.

Sehr zu empfehlen (bei Animes übrigens grundsätzlich) ist es, die Streifen im Original mit Untertiteln anzusehen, denn auch die Sprechweise von japanischer Filmkost geht weit über das hinaus, was sich z.B. Deutsche in der Öffentlichkeit trauen würden.

Insofern hatte man hier die Chance, sich einen Abend lang mit dem Thema Girls Love auf sehr gemütliche und unterhaltsame Weise auseinanderzusetzen.

Animes haben generell einen unfassbar anziehenden Charme und beleben die inneren Gefühle eines Menschen auf einzigartige Art und Weise – hier mit einem soliden Titel über Girls Love, mit der bekannten Witzigkeit und umfassend berührenden Elementen.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Grundsätzlich: Bei Animes immer hocken bleiben. Die hören selten beim „Schluss“ auf.

Kinostart: 25. August 2020
Heimkino-Start: 1. Oktober 2020

Original Title: Asagao to Kase-san
Length: 58 Min.
Rated: FSK 0

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After Truth

After Truth - Filmplakat
© 2020 Constantin Film Verleih GmbH

Nachdem bei After Passion die Jugend jubilierte, die Fangemeinde weinte und die Presse sich in Grund und Boden schämte, hatte ich versprochen, mir das Buch zu organisieren und es zu lesen, weil tatsächlich sehr viele Stimmen laut wurden, die gesagt haben: Schade, der erste Teil wurde verkackt, das Buch ist sooooo gut.

Und tatsächlich: Ich kann’s bestätigen. Nach 70 Seiten hab ich das erste Mal aufgehört zu lesen, als ich es mir gekauft hatte … und es war mir eine helle Freude, durch die Story zu wandeln, weil Anna Todd tatsächlich das Talent hat, die Dinge zu erfassen, zu benennen und auf einen Punkt zu bringen.

Man könnte sagen: Entweder schaust du dir ein paar dutzend Liebesfilme an und beschäftigst dich eine Weile damit, was die Jugend in diesem Alter umtreibt, oder du liest das Buch und hast alles in Summe vorhanden. Sehnsüchte, Entdeckungen, Er- und Selbstfindung, die heißblütige, völlig nicht-von-dieser-Welt-hafte Vergötterung seines Schwarms, das Leben inside und outside von Konservativismus und so viele andere Themen, die einem im Leben begegnen können, wurden hier aufgegriffen und solide bearbeitet. Dass dabei der Blickwinkel der Teenager niemals verlassen wird, mag manch einen, der es im Leben inzwischen schon „weiter gebracht“ hat, möglicherweise stören, genau das liefert aber Authentizität und sorgt für eine allseits gegenwärtige Glaubhaftigkeit, die die Stärke und „Wucht“ dieser Liebe auszeichnet und unterstreicht.

Nun haben wir nicht nur das allseits bekannte Buch-Film-Problem, sondern tatsächlich eine Barriere, bei der ich sogar soweit gehen und sagen würde: Das ist einfach nicht verfilmbar.

Aufgefallen ist mir das u.a. daran, dass ich anfangs den Film sogar mehrfach im Kino angeschaut habe, um zu probieren, ob es anschließend eine andere Auswirkung auf einen hat und man den Film (wenn man Plot und Twists bereits kennt) doch anders betrachten kann und kam nicht darüber weg, dass der eben einfach „schlecht“ ist.

Eben so viel Angst hatte ich, das Buch aufzuschlagen und mein Versprechen einzuhalten, denn das ist nicht nur nicht meine Literatur, sondern interessiert mich auch persönlich nicht im Geringsten, genau deshalb hab ich es damals auch öffentlich versprochen, um es wirklich durchzuziehen.

Und das Buch hatte mich irgendwie direkt und ich hab grundsätzlich keinerlei Schwierigkeiten damit gehabt, die Story in meinem Kopf völlig neu entstehen zu lassen und seltsamerweise musste ich mich dafür auch nicht an die Bilder der Personen im Film klammern oder irgendwelche Szenen dazu reproduzieren, sondern das Ding lebte völlig losgelöst durch sich selbst und war bis zum Ende hin einfach stimmig.

Genau das zeigt, dass der Film quasi nicht als „Buchverfilmung“ taugt, sondern ein träger Abklatsch eines Versuchs davon ist, der meiner Meinung nach nicht von Erfolg gekrönt sein kann, weil man die seelischen Gefühlswelten niemals in der Form in einen Film kriegt, dass es den Ansprüchen gerecht wird, die Todd in ihren Büchern befriedigt.

Ich würde hier sogar auch einen Unterschied machen und die Bücher vom Genre leicht distanzieren, weil das, was dort aufgeschrieben wurde, tatsächlich weit weg von Kitsch und Romantik, Liebe und Sissi-Blumen-Tralala ist und eben genau jene Probleme aufgreift, die Jugendliche in dem Alter beschäftigen und die für sie wahrhaftig und existent sind.

Nachdem ich nun das erste Buch durch habe, waren meine Erwartungen beim kommenden Film After Truth natürlich unterirdisch: Nun kommt zu dem systemischen Versagen noch das „der zweite Teil“-Phänomen dazu, was es zusätzlich nach hinten kippt und eigentlich nur als Totalschrott enden kann.

Und als der Trailer das Licht der Welt erblickte und über die Leinwände huschte, dachte ich wieder: „Oh Gott… naja, man kann’s nicht verhindern“… meine Erfahrung in dem Film war aber eine völlig andere.

After Truth überrascht nun damit, dass man augenscheinlich weiß, dass die Verfilmung nicht so funktioniert, wie das Buch in alle Ecken und Winkel hinein leuchtet und ist quasi nur eine Ansammlung von „Triggern“, die die Leser der Werke angedeutet sehen lassen, welchen Part man jetzt im Kopf dazu einfügen muss.

Zum ersten Mal überhaupt würde ich empfehlen: Lest After Passion und schaut danach After Truth und verknüpft beide Welten miteinander, denn diesmal funktioniert das. Der zweite Teil hat eine immense Lust in mir wiedererweckt, den zweiten Teil ebenfalls als Buch zu ordern und an einem gemütlichen Schmöker-Abend zu verinnerlichen. Als Kenner der geschriebenen Werke merkt man nämlich, wie die Filmemacher versuchen, immer wieder in die Tiefe der Story abzutauchen und ihnen die Kunstform „Film“ dabei im Weg steht.

Nun kann man die Schuld auf den Cast schieben, auf ein schlechtes Drehbuch oder einfach auf die labilen Zustände, oder darauf, dass der Film zeitlich gesehen eigentlich viel zu kurz ist, um auf alle Einzelheiten und Details aus dem Buch eingehen zu können, also werden extrem viele tragreiche Momente und Elemente manchmal z.B. nur mit einem Blick oder einer einzigen kurzen Kamera-Sekunde abgefrühstückt. Aber man spürt deutlich, dass die Macher eben versucht haben, so viel wie möglich mit zu nehmen und zumindest den Lesern ein Triggerfeuerwerk schenken, die dann tatsächlich wieder übelst Bock kriegen, die Bücher dazu in die Hand zu nehmen und (nochmal) zu lesen.

Insofern ist der Film eine gelungene Unterhaltung, für die man an dieser Stelle tatsächlich kurioserweise einmal Hintergrundwissen braucht: Und zwar in Form des geschriebenen Wortes, denn auch der erste Teil macht euch im Vorfeld dazu nicht zwingend glücklicher.

An Vergleiche a la Fifty Shades of Grey für Pubis möchte ich mich an dieser Stelle auch nicht wagen, auch wenn gewiss einige Parallelen erkennbar sind, die man aus Jugendfilmreihen dieser Art öfters kennt (Twilight-Reihe z.B.). Diese Form des Konkurrenzkampfs hat der Film nicht nötig und es wäre auch keine Bereicherung, im Vergleich zu ermüden.

Tatsächlich entwickelt der Streifen durchaus seine Momente, taucht in das (geschriebene) Epos sachte ein und bringt es in genau der gleichen (miesen) Manier wie bei Fifty Shades auf die Leinwand, nur dass das hier irgendwie ein bisschen mehr Spaß macht.

Vorstellungen wie Ladies Night, BRAVO Preview oder ein gemeinsamer Filmabend mit der Clique (und Abstand im Saal) sind hier definitiv die absolut richtigen Varianten, um den Film zu genießen und das beste da raus zu holen.

Dieser Film struggelt an seiner Unverfilmbarkeit und macht durch das Gewitterfeuer an Triggern für die Leserschaft der Bücher unglaubliche Lust auf die geschriebenen Werke: Die ragen nämlich mit einer großartigen Welt aus dem Geschwulst der Liebesromane heraus und greifen die alltäglichen Situationen von Teenies hervorragend auf und verarbeiten sie zu einer wunderbaren Lösung. Die Filme können dies „technisch“ niemals bewältigen, liefern aber eine gute Variante, um das Buch irgendwie „zum Leben zu erwecken“. In der Clique definitiv sehenswert.

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Nicht gleich wegrennen, es kommt im Mittelteil nochmal eine kleine Szene.

Kinostart: 03. September 2020

Original Title: After We Collided
Length: 106 Min.
Rated: FSK 12

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Porträt einer jungen Frau in Flammen

© 2020 Alamodefilm

Hinweis in eigener Sache:

Corona hat uns in Teilen in unsere Wohnzimmer verbannt und dazu verdammt, den Leinwänden für die Dauer des Lockdowns den Rücken zuzukehren. Das hat dazu geführt, dass einige Titel nicht mehr im Kino angesehen werden konnten bzw. sorgt aktuell immer noch dafür, dass vieles das Licht der Leinwand gar nicht erst erblickt.

Außerdem ist es seit jeher Gang und Gebe, die Filme nach einem gewissen Zeitraum auch online auf VoD-Portalen sowie auf Blu-ray und DVD anzubieten. Da habt ihr ab sofort die Möglichkeit, .kinoticket-blog.de aktiv zu unterstützen, indem ihr eure Käufe über die jeweiligen Links am Ende jedes Beitrags tätigt. Dadurch helft ihr dabei, dieses Blog am Leben zu erhalten, da ich als Amazon-Partner an qualifizierten Verkäufen verdiene.

Es wäre toll, wenn ihr diese Chance in Zukunft häufig nutzt, denn damit ist im Endeffekt allen geholfen. Vielen Dank schon mal an dieser Stelle.

Und nun zum Film: Der ging bereits vor dem wirtschaftlichen Kollaps auf die Leinwände und wurde von mir nicht mehr rechtzeitig rezensiert, da ich mich zu diesem Zeitpunkt bereits in meiner Krankenphase befunden und keine Kritiken veröffentlicht habe. Da er momentan aber z.B. über Amazon Prime Video abrufbar ist, dachte ich, arbeiten wir nun die Warteliste ein wenig ab.

Wer sich nicht zu viel Spannung aus dem relativ unaufgeregten Plot herausnehmen möchte, sollte einen Bogen um den Trailer machen, der andererseits aber wiederum sehr gut das Wesen dieses Films zum Besten gibt. Nicht umsonst ist Porträt einer jungen Frau in Flammen ein gefeierter Insider bei Arthouse-Fans und bekommt zu Recht genügend Aufmerksamkeit zugespielt.

Noémie Merlant und Adèle Haenel vertiefen sich hier in die verflochtenen Entdeckungen des gegenspielerischen Charakters, wobei sich die beiden immer mehr aneinander annähern und dabei die tiefen Tiefen menschlicher Empfindungen entdecken und auf eine sehr stilvolle und ambient-lastige Weise zelebrieren.

Man spürt sehr deutlich, welche schöpferische Kraft hier der Kunst zugesprochen wird und feiert diese Form der Weltwahrnehmung durch sensationell ausgestaltete Kameraeinstellungen und sehr gesichtsbezogene Darstellung. Dabei steht kaum im Weg, dass die Abhandlungen bereits einige Jahrhunderte in der Vergangenheit liegen, denn das schafft Platz, um sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können und ermöglicht dem Zuschauer, die Szenerie frei von politischen und modernen Einflüssen zu genießen.

Die prekäre Schärfe und kantige Art, die von beiden hierbei auf die Leinwand gebracht wird, ist zu Recht preisverdächtig und wurde in Cannes bereits in Form des besten Drehbuchs ausgezeichnet.

Hier zeigt sich einmal mehr, dass es doch möglich ist, ein sensationelles Drehbuch zu verfassen, eine Gabe, die ich in unserem Land noch schmerzlich vermisse.

Definitiv mitnehmen, wahrlich prachtvolle Inszenierung einer unglaublichen Annäherung in einem Metier, das wohl keiner aus seinem Alltag kennen dürfte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Oktober 2019

Original Title: Portrait de la jeune fille en feu
Length: 122 Min.
Rated: FSK 12

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Bluray: https://amzn.to/2Zje2Cj
DVD: https://amzn.to/35eNaav


Master Cheng in Pohjanjoki

Master Cheng in Pohjanjoki - Filmplakat
© 2020 MFA+ FilmDistribution

Was ist das Problem mit unaussprechlichen Filmtiteln? Die Mundpropaganda versagt.

Sagt einfach Master Cheng – dann sollten alle Bescheid wissen. Aber: Geht rein… dann wisst ihr nämlich selbst, warum dieser Streifen empfehlenswert ist.

Man nimmt sich nicht mal einfach nur Zeit, um die ganze Krankheit unserer Ära und der Welt für ein Weilchen zu vergessen, sondern serviert mit viel Liebe, Drama und natürlicher Schönheit ein Leben jenseits von Tod und Verderben. Master Cheng in Pohjanjoki zählt zu den Werken, bei denen man sich gemütlich zurück ins klimatisierte Kino verziehen, die Füße hochlegen, ein eiskaltes Getränk genießen und die Show verlustieren kann: Man findet definitiv zurück zu seiner inneren Gemütsruhe und seelischen Ausgeglichenheit und hat das Gefühl, dass alles wieder gut wird.

Dass dabei in so vielen unterschiedlichen Gefühlslagen geschwärmt, gelobt, geliebt und zelebriert wird, eröffnet für den Zuschauer ein Bad voller positiver Gefühle. Man merkt so oft, wie zielgerichtet die Macher hier auf die pure Romantik und emotionale Verliebtheit zurückgegriffen haben, denn manchmal braucht es gar keinen Plot, sondern allein die Bildeinstellungen und Natureindrücke reichen, damit es einem in diesen Momenten einfach nur gut geht.

Untermalt ist diese ausgelassene Gemütlichkeit von dem filigranen finnischen Charme, den man schon aus so manch anderem Streifen kennt, der hier aber so unterschwellig und fundiert auftritt, dass nicht das Gefühl von verkrampftem Humorzwang aufkommt, sondern man hat echte Glücksgefühle bei der Sache und kann sich voll in die Story abgleiten lassen.

Und wenn ihr danach Hunger habt: Wie wär‘s mit asiatisch? 😉

Mit sehr viel Liebe, Romantik und natürlicher Schönheit umhüllt man die Seele des Zuschauers und sorgt für ein ausgeglichenes, seelisches Gleichgewicht – ein Film, den man sich definitiv nicht entgehen lassen sollte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 30. Juli 2020

Original Title: Mestari Cheng
Length: 114 Min.
Rated: FSK 6


I Still Believe

© 2020 StudioCanal

Und kaum, dass man für Religion ein paar positive Worte übrig hatte, kommen wir auch schon wieder zu den Schattenseiten dieses Daseins: Christliches Gedankengut und Handlungsweisen.

Um mal eins klarzustellen: Ich habe nichts dagegen, wenn Menschen ihre Religion ausüben und für sich in Anspruch nehmen, es als Hilfe, Stütze, Lebensinhalt oder was weiß ich hernehmen, so lange damit andere nicht gefährdet oder beeinflusst werden und es in einem ethischen und moralisch vertretbaren Rahmen vonstatten geht … und der ist höchst eng bemessen.

I Still Believe legt sich als Werk vollständig in diese christliche Wiege und macht auch keinen Hehl darum, was für Außenstehende dazu führt, dass man sich nicht zwingend dem Glauben zugewandt sieht, sondern eher argwöhnische Gefühle hegt, weil man als „Normalo“ eben nicht versteht, warum gewisse Handlungen oder Einstellungen so vollzogen werden.

Das schreckt in erster Linie halt erstmal ab, was – im Sinne der Christlichkeit – ja eigentlich genau das Gegenteil dessen ist, das man erreichen möchte, und schürt weiter das Unbehagen, das ich im Verlauf meiner Lebenskarriere mit diesem „Glauben“ gemacht habe.

Und diese Momente waren bereits im Trailer zu sehen und haben mir schon von vornherein gezeigt: Du kriegst wieder etwas zum Verreißen.

Und dann erschien John Debney auf der Bildfläche und mein Verriss liegt auf einmal im Grab…

Ja, ich hatte Gänsehaut, fast schon unfreiwillig. Der Plot ist so arg, kitschig, vorhersehbar, triefend, natüüüüüüürlich müssen sie, und natüüüüüüüürlich hat er usw. – es ist von Anfang an logisch, was passieren wird, es ist vorhersehbar und erzählerisch lahmarschig, aber die Musik ist dermaßen gut inszeniert, dass ich hier leider keinen Verriss bringen kann.

Auch die Schauspieler – K. J. Apa in allen Ehren – dringen nicht in der Form zu mir durch, wie sie sollten, sondern wirken gekünstelt und unecht, eben genau die Erfahrungen, die ich kirchlicherseits kenne und von denen ich seitdem möglichst viel Abstand nehme. Dieses „erbärmliche Lächeln“, der „unerschütterliche Glaube“, das weltfremde, irrationale Schönreden von Katastrophen, das Sich-selbst-belügen, dass in diesen Kreisen so herrlich dramatisch präsent ist, durchzieht auch diesen Film.

Und John Debney, einer der großen Soundtrack-Majestäten, der genau weiß, was er zu tun hat und der dieses Werk auf eine kultivierte Ebene hievt, von der man eigentlich nur träumen kann … und Gänsehaut kriegt. Immer wieder.

Also geht rein, zieht euch die Musik durchs Gemüt … und vergesst dabei den Plot.

Soundtrack und Score sind erhaben, Erzählung, Glaube und Plot unterste Würde – und beides gemeinsam keine Ahnung… ruft Gänsehaut hervor und gruselt gleichermaßen. Geht trotzdem rein.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Wer in einen musikalischen Film geht, sollte auch immer bis zum Schluss sitzen bleiben, Szenen folgen jedoch keine weiter.

Kinostart: 13. August 2020

Original Title: I Still Believe
Length: 115 Min.
Rated: FSK 6


Der Göttliche Andere

Der goettliche Andere - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Wenn es um Religion geht, findet man hier oft die Wurzel allen emotionalen Übels der Menschheit: In der Geschichte wurden Kriege geführt wegen Göttern, an die die einen glauben und anderen Göttern, an die die anderen glauben und bis heute schlagen sich die Menschen gegenseitig das Fleisch von den Knochen, nur weil ihre Ansichten in punkto Glaube unterschiedlich sind.

Es gibt wenig Dinge, bei denen Emotionen so hochkochen und bei denen so viele Individuen definitiv eine Meinung haben. Bei manchen ist es die tiefe, seelische Hingabe und Liebe, weil ihnen die Religion und ihre spirituellen Wesen in dunklen Zeiten im Leben zur Seite standen und dabei geholfen haben, selbst mit sich klar zu kommen, bei anderen ist es Hass und Verachtung, weil ihnen die Kirche schändliches angetan und sie ihrer Seelen beraubt hat und ihre Würde mit Füßen getreten … jeder hat so seine Gründe, warum dafür oder warum dagegen.

Aufmerksame Leser meines Blogs wissen, dass ich den konventionellen Glaubensrichtungen auch sehr kritisch gegenüber stehe und von Religion wenig wissen möchte, weil mir das, was die Menschen im Laufe der Jahrtausende daraus gemacht haben, widerstrebt. Ganz zu schweigen von den ganzen fanatischen Sektierern, die brandgefährlich andere Leben in Gefahr bringen und ihren Gegnern und Geflüchteten das Dasein zur Hölle.

Es ist also nicht verwunderlich, dass – wenn das Thema Religion auf die Leinwand kommt – ebenfalls die Gemüter hochkochen und ich feiere es immer ein wenig, wenn bei einem Movie z.B. die alteingesessenen Herrschaften der katholischen Kirche auf einmal in ihren knarzenden Stühlen hochkochen und munter drauf losprusten, wie man sich so etwas wohl erlauben könne.

Gleichermaßen ist das Thema Religion im Kino damit Zündfeuer für komödiantischen Stoff allererster Wahl, auch wenn man dabei dann sehr behutsam vorgehen muss, damit es wirklich lustig bleibt.

Der Göttliche Andere ist wieder so ein Titel, bei dem ich beim Trailer zwar ein wenig meine Zweifel hatte, denn die dort vorgestellte Idee ist cool, es kam allerdings nicht durch, ob die einen ganzen Film über genügend Standhaftigkeit vorweisen könnte, um ihn auch vollständig tragen zu können.

Grundsätzlich: Geht mit diesen niedrigen Erwartungen rein, dann kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Der Typ ist wesentlich sympathischer, als es am Anfang den Eindruck macht, das Potpourri an Humoreinlagen kann sich definitiv sehen lassen, und auch, wenn man sich hier etwas zu häufig an den immer gleichen Running Gags bedient, schafft man es trotzdem, ein gewisses Niveau zu halten und den Zuschauer damit zu unterhalten.

Der größte Pluspunkt in meinen Augen ist, dass das Werk sich zu keiner Sekunde selbst ernst nimmt und damit endlich wieder mal eine völlig eigene Realität erschafft, der man liebend gerne das Attribut „ist nur ein Film“ zuschreiben kann, innerhalb derer dann aber wieder alles nach selbst aufgestellten Regeln funktioniert.

Das erzeugt eine Aura von Authentizität und Glaubwürdigkeit und hinterlässt beim Zuschauer am Schluss tatsächlich ein aufgehobenes, freudiges Gefühl von Glück und Zufriedenheit. Und wenn das das Thema Religion zustande bringt, dann ist der Kauf eines Kinotickets damit doch schon längst gerechtfertigt, oder etwa nicht? 😉

Spaßig, unterhaltsam, mit sich selbst im Reinen und zu keiner Zeit sich selbst zu ernst nehmend: Dieser Film erzeugt eine muntere, lustige Stimmung und darf (mit niedrigen Erwartungen beginnend) gerne als blühende Nachmittags-/Abendunterhaltung hergenommen werden.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, es folgen keine weiteren Szenen.

Kinostart: 13. August 2020

Original Title: Der Göttliche Andere
Length: 91 Min.
Rated: FSK 6


Die schönsten Jahre eines Lebens

Die schönsten Jahre eines Lebens - Filmplakat
© 2020 Wild Bunch

Betrachtet mal einen Augenblick lang das Plakat und fragt euch, wie ihr diesen beiden Persönlichkeiten gegenüber empfinden würdet. Und dann hört auf euer Bauchgefühl und entscheidet, ob ihr damit zum Zielpublikum gehört oder nicht.

Genau dieses gesetztere Alter, die Ruhe und Gelassenheit, das bewusste Stehenbleiben oder „Nicht mehr bewegen“ ist Inhalt dieses Streifens, der sich damit an die Personen richtet, die sich vielmehr in Gedanken und im Kopf bewegen und nicht mehr zwingend körperlich.

Aus dieser gesetzteren Ebene heraus entfacht man dann eine Reise durch die Vergangenheit, die mit vielen Elementen konfrontiert wird, mit denen man sich zu diesem Zeitpunkt durchaus auseinandersetzen muss und lässt hier einen ruhigen, wohligen und „einschläfernden“ Rhythmus erklingen, der keineswegs negativ aufzufassen ist, sondern einen eher sanft in den Schlaf wiegt und zur Ruhe bringt.

Diesbezüglich können auch „Nicht-Angesprochene“ diesen Film für sich nutzen, um einfach wieder mal runter zu kommen und mal für eine kurze Zeit wieder Luft zu holen und durchzuatmen. Der Puls bleibt vehement unten, der Film ist deshalb jedoch nicht langweilig oder -atmig, sondern „schreckt einfach nur keine Hühner im Stall auf, sondern lässt sich Zeit, um den Sonnenuntergang wirklich zu beobachten“.

Für das ältere Publikum, für Romantiker und jene, die genug von der Lautstärke da draußen haben – und für all jene, die einfach mal wieder entspannen und völlig zur Ruhe kommen wollen: Wer schlecht schlafen kann, wird hier wieder auf die Strecke gebracht und innerlich wie äußerlich vollkommen runtergefahren und sanft in etwas Wunderschönes begleitet.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Wartet mit einem wunderbaren Sundowner auf, also geht nicht gleich raus, sondern genießt die Ruhe und Besinnlichkeit.

Kinostart: 2. Juli 2020

Original Title: Les Plus belles années d’une vie
Length: 90 Min.
Rated: FSK 6


Narziss und Goldmund

Narziss & Goldmund - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Was tun, wenn sich Kino gegen das Urheberrecht wendet und den Wünschen eines Autors vehement widerspricht? Als Kinofan sollte ich diese Einstellung eigentlich begrüßen, als Kunstliebhaber und Wertschätzer ethischer Prinzipien läuft hier aber einiges schief.

Hermann Hesse hat nie ein Geheimnis darum gemacht, dass er niemals wollte, dass seine Werke verfilmt werden und bereits in den 70er Jahren ist man diesem Wunsch schon nicht nachgekommen und hat seine zum Teil als unverfilmbar geltenden Werke auf die Leinwand gebracht.

Ich kann es gewissermaßen nachvollziehen, denn vieles, was ein Autor machen kann, stößt in Bild- und Ausgestaltungsform sehr schnell an Grenzen, denen unsere Realität nun einmal unterworfen ist. Hier wahrlich die richtigen Stilmittel, Ausarbeitungsmethoden und optischen sowie akustischen Umsetzungen zu finden, die exakt den Wünschen des Autors und Urhebers entsprechen, ist nahezu ausgeschlossen. Es ist immer ein Kompromiss, der sehr leicht nach hinten losgehen kann.

Was man jetzt also davon halten kann, dass mit Narziss und Goldmund ein weiteres Hesse-Werk die Leinwand bespielt, darf jeder mit sich selbst ausmachen. Dass es zumindest in deutschen Landen verfilmt wurde und somit aus dem Geburtsland Hesses stammt, mag hier nur ein kleiner Trost sein, die Deutschen können deswegen nicht zwingend besser Kino machen wie bisher.

Unterteilt ist dieser Film mehr oder weniger in zwei Phasen, wobei ich bereits mit der ersten schon gravierende Schwierigkeiten hatte: Irgendwie absolut nicht mein Ding, nicht meine Zeit, nicht meine Umsetzung und die Schauspieler mir persönlich mega unsympathisch.

Danach greift die Boy-Masche, aber auch hier merkt man sehr schnell, dass Authentizität und Realismus nicht die gewünschten Kriterien waren … und zu dem Zeitpunkt hab ich dann auch die Wunschvorstellungen von Hesse abgekoppelt und es als „eigenständigen Film“ betrachtet, der dann durchaus seine sympathischen Momente entwickelt, jedoch mit historischen Lücken und unzähligen Fehlern glänzt – sofern man für so etwas ein Auge hat.

Wer sich daran nicht stört, dem wird optisch viel geboten, auch der historisch-kritisierte Look hat etwas für sich: Man muss eben immer mit dem Deal klar kommen, dass dafür die Echtheit der Zeitgeschichte eingebüßt wird, dann kann man mit dem Rest durchaus seinen Spaß haben.

Man sollte Hesse nicht verfilmen, dann kommt man auch mit diesem Streifen klar: Durch seine eigene Weise entwickelt er im Verlauf durchaus charmante Momente und bietet auf jeden Fall optisch einiges zum Besten. Historische Korrektheit oder glaubwürdige Umsetzungen darf man aber keinesfalls erwarten.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 12. März 2020
Heimkino-Start: 17. September 2020

Original Title: Narziss und Goldmund
Length: 118 Min.
Rated: FSK 12


Undine

Undine - Filmplakat
© 2020 Piffl Medien GmbH

Christian Petzold und Franz Rogowski gehören zusammen wie Leonardo DiCaprio und Martin Scorsese – mit dem Unterschied, dass erstgenannte einheimische Filmschaffende sind, die – genau, wie bei Scorsese auch – einen ganz eigenen Filmgeschmack liefern und sich dabei konsequent treu bleiben.

Filme mit Rogowski muss man mögen, seine spezielle Art mag nicht jedem angenehm erscheinen. Er selbst spielt oft den etwas unnahbaren, ruhigen, gesellschaftlich-defensiven Charakter in seiner ganz eigenen Welt, die – nach einigem Betrachten – für den Zuschauer ihre ganz eigenen, kleinen Schönheiten zu offenbaren und damit durchaus zu punkten weiß.

Das war in LUX – Krieger des Lichts so, das war in Transit so, das war in In den Gängen so – und da macht nun auch Undine keinen Unterschied.

Genau das erhebt sich bei dem aktuellen Werk Petzolds zu seinem möglicherweise größten Problem auf: Die Vergleichbarkeit mit seinen früheren Werken, insbesondere Transit. Schreibt man ein paar Namen, Momente, Orte und andere Kleinigkeiten um, erhält man das dramaturgische Pendant zu seinem einstmals gefeierten Werk.

Der Märchen-Charakter, den Petzold mit seiner Erzählung der Geschichte entlocken will, möchte nicht so recht aufkeimen, auch wenn die an Berlin angelehnte Darstellung einer Großstadt durchaus verlockend neu erscheint.

Als Zuschauer läuft man aber vielmehr mit der Sinnfrage dem Ausgang entgegen, die der Film an sich nicht so richtig beantworten möchte. Das dramaturgische Trara, das Wiener Opernball-Feeling von anderen Märchen dieser Art bleibt hier völlig aus und macht dem kalten, betonhaften, stumpfen Klang einer fast schon dystopischen Welt Platz, die wiederum überhaupt nicht romantisch und damit von Märchen so weit entfernt ist wie kaum etwas.

Trotz allem punkten beide Hauptdarsteller – sowohl Rogowski als auch Paula Beer – wieder durch ihr überzeugendes Schauspiel, wenngleich sich eine dritte Koryphäe unbemerkt ins Bild schleicht: Die Geschichte der Stadt Berlin, die man hier ganz nebenbei ziemlich gut in Szene gesetzt hat und die Hauptstadt damit in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt.

Damit gehört der Film für mich zu den absoluten Nischenfilmen, für die man sich bewusst entscheiden muss, um sie zu mögen. Die breite Masse dürfte damit ganz sicher ihre Schwierigkeiten haben.

Erinnert zu stark an Transit und verfitzt sich ein bisschen bei dem Versuch, das Märchenhafte zu erschaffen. Dennoch überzeugen die Hauptdarsteller durch ihr Können und auch die Stadt Berlin erlebt hier würdige Huldigungen. Nischenkino.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hat keine weiterführenden Szenen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 02. Juli 2020

Original Title: Undine
Length: 89 Min.
Rated: FSK 12