Der goettliche Andere - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Wenn es um Religion geht, findet man hier oft die Wurzel allen emotionalen Übels der Menschheit: In der Geschichte wurden Kriege geführt wegen Göttern, an die die einen glauben und anderen Göttern, an die die anderen glauben und bis heute schlagen sich die Menschen gegenseitig das Fleisch von den Knochen, nur weil ihre Ansichten in punkto Glaube unterschiedlich sind.

Es gibt wenig Dinge, bei denen Emotionen so hochkochen und bei denen so viele Individuen definitiv eine Meinung haben. Bei manchen ist es die tiefe, seelische Hingabe und Liebe, weil ihnen die Religion und ihre spirituellen Wesen in dunklen Zeiten im Leben zur Seite standen und dabei geholfen haben, selbst mit sich klar zu kommen, bei anderen ist es Hass und Verachtung, weil ihnen die Kirche schändliches angetan und sie ihrer Seelen beraubt hat und ihre Würde mit Füßen getreten … jeder hat so seine Gründe, warum dafür oder warum dagegen.

Aufmerksame Leser meines Blogs wissen, dass ich den konventionellen Glaubensrichtungen auch sehr kritisch gegenüber stehe und von Religion wenig wissen möchte, weil mir das, was die Menschen im Laufe der Jahrtausende daraus gemacht haben, widerstrebt. Ganz zu schweigen von den ganzen fanatischen Sektierern, die brandgefährlich andere Leben in Gefahr bringen und ihren Gegnern und Geflüchteten das Dasein zur Hölle.

Es ist also nicht verwunderlich, dass – wenn das Thema Religion auf die Leinwand kommt – ebenfalls die Gemüter hochkochen und ich feiere es immer ein wenig, wenn bei einem Movie z.B. die alteingesessenen Herrschaften der katholischen Kirche auf einmal in ihren knarzenden Stühlen hochkochen und munter drauf losprusten, wie man sich so etwas wohl erlauben könne.

Gleichermaßen ist das Thema Religion im Kino damit Zündfeuer für komödiantischen Stoff allererster Wahl, auch wenn man dabei dann sehr behutsam vorgehen muss, damit es wirklich lustig bleibt.

Der Göttliche Andere ist wieder so ein Titel, bei dem ich beim Trailer zwar ein wenig meine Zweifel hatte, denn die dort vorgestellte Idee ist cool, es kam allerdings nicht durch, ob die einen ganzen Film über genügend Standhaftigkeit vorweisen könnte, um ihn auch vollständig tragen zu können.

Grundsätzlich: Geht mit diesen niedrigen Erwartungen rein, dann kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Der Typ ist wesentlich sympathischer, als es am Anfang den Eindruck macht, das Potpourri an Humoreinlagen kann sich definitiv sehen lassen, und auch, wenn man sich hier etwas zu häufig an den immer gleichen Running Gags bedient, schafft man es trotzdem, ein gewisses Niveau zu halten und den Zuschauer damit zu unterhalten.

Der größte Pluspunkt in meinen Augen ist, dass das Werk sich zu keiner Sekunde selbst ernst nimmt und damit endlich wieder mal eine völlig eigene Realität erschafft, der man liebend gerne das Attribut „ist nur ein Film“ zuschreiben kann, innerhalb derer dann aber wieder alles nach selbst aufgestellten Regeln funktioniert.

Das erzeugt eine Aura von Authentizität und Glaubwürdigkeit und hinterlässt beim Zuschauer am Schluss tatsächlich ein aufgehobenes, freudiges Gefühl von Glück und Zufriedenheit. Und wenn das das Thema Religion zustande bringt, dann ist der Kauf eines Kinotickets damit doch schon längst gerechtfertigt, oder etwa nicht? 😉

Spaßig, unterhaltsam, mit sich selbst im Reinen und zu keiner Zeit sich selbst zu ernst nehmend: Dieser Film erzeugt eine muntere, lustige Stimmung und darf (mit niedrigen Erwartungen beginnend) gerne als blühende Nachmittags-/Abendunterhaltung hergenommen werden.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, es folgen keine weiteren Szenen.

Kinostart: 13. August 2020

Original Title: Der Göttliche Andere
Length: 91 Min.
Rated: FSK 6