Tag: Matthew McConaughey

Interstellar

Christopher Nolan ist in aller Munde … und hat mit Tenet auch den Sprung in die Liga der Allgemeinheit erfolgreich gemeistert: Zwar jammern alle, dass sie den Film nicht kapieren, aber anschauen tut ihn dennoch jeder.

In Momenten wie diesen zuckt es dann regelmäßig in des Journalisten Finger und man recherchiert wie blöd in den Archiven, um alles über das Leben und Wirken des gewünschten Objekts der Begierde zu erfahren, was für viele im Falle von Nolan natürlich Quatsch ist: Man kennt ihn einfach. The Dark Knight-Trilogie, Inception und eben Interstellar, der beweist, dass ihn die Thematik seines aktuellen Streifens schon länger beschäftigt und er bereits seit Jahren an diesen Ideen arbeitet und feilt.

Tatsächlich zählt Interstellar zu den Filmen, die in der Gesellschaft oft als „bester Film von ihm“ genannt werden … und im Zuge des ganzen Fiebers hin zu Tenet wurden seine preisgekrönten Werke ja auch zurück auf die Leinwände gebracht, was mich wiederum dazu veranlasst hat, jetzt doch etwas darüber zu schreiben.

Ich habe die Gunst der Stunde genutzt und mir den Streifen in OV angesehen, was ich all denjenigen, die nicht perfektes Englisch können, an dieser Stelle tatsächlich nicht raten kann: Der Anspruch ist riesig, die Stimmen vernuschelt, der Text gewaltig und man kapiert förmlich gar nix, wenn man die Sprache nicht medi-professionell beherrscht.

Das ändert nichts daran, dass das Werk als solches einfach großartig ist: Man spürte, dass Kino wieder seine altbekannten Kräfte entfaltet und hat den Unterschied zum heutigen Gros aller „Blockbuster“ deutlich wahrnehmen können.

Die visuelle Kraft, der erzählerische Umfang und das Streben nach etwas viel viel höherem und größerem ist Interstellar in die Wiege gelegt und dazu kommen viele Ausflüchte und ein Plotstrang, der eben nicht lapidar auf dem Boden liegt und mit einem kurzen Augenblick erfasst werden kann, sondern in den man sich reinarbeiten und durch rätseln muss, was da nun Sache ist.

Im Zuge seines aktuellen Stücks wisst ihr nun, was in den letzten Jahren eigentlich unsere Aufgabe gewesen ist: Diese Form des Filmemachens zu verstehen und sich auf die Achterbahnfahrt des Plots soweit einzustellen, damit man Werke wie Tenet dann auch wieder schneller verstehen und begreifen kann.

Nolan ist niemand, der ne Schnulzenschmonzette auf den Weg wirft, die man in der ARD im Nachmittagsprogramm abnudelt, sondern er fordert sein Publikum heraus und mobilisiert geistige Ansprüche, mit denen man sich auseinandersetzt – oder eben nicht.

Daher gilt er – trotz solcher Welterfolge wie The Dark Knight – doch eher als Nischenspezialist, der ein ganz bestimmtes Publikum hat, das ihn liebt und feiert und will gar nicht die große Masse befriedigen.

Ich selbst bin gespannt, wohin uns diese Reise noch trägt… aber es tut in allen Fällen wahnsinnig gut, seine alten Werke wieder einmal auf der Leinwand bestaunen können zu dürfen.

Nutzt die Chance für den Zeitsprung in die Vergangenheit und zieht euch das Werk auf der Leinwand rein, sofern ihr die Chancen bekommt: Ein großartiger Film, der nichts von seinem Charme und Aussagekraft verloren hat und auch heute im Kino immer noch wirkt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 6. November 2014

Original Title: Interstellar
Length: 169 Min.
Rated: FSK 12

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The Gentlemen

The Gentlemen - Filmplakat
© 2020 Leonine

Keine Frage: The Gentlemen ist momentan der Publikumsmagnet schlechthin … und ich wage mich mal weit aus dem Fenster und behaupte: Das zeigt wieder einmal, dass sich das Publikum per se für den durchschnittlichsten Film überhaupt entscheidet.

Die Messlatte ist hoch. Und genau diese Voraussetzung sehe ich als den Fallstrick überhaupt für den Film. Guy Ritchie hat sich einen Namen gemacht – und damit auch Anforderungen geschürt, die man an seine Filme richtet. Und ich habe das Gefühl, diesen Ansprüchen wird er nicht mehr gerecht.

Wir alle kennen solche Truppen, die sich in diesem Milieu einen Namen schaffen und Geschichten erzählen wollen … allen voran Tarantino … und irgendwie funktioniert’s ja auch manchmal. Und selbst da merkte man zum Ende hin, dass die Storys eben immer die selben, das aufgesetzte Macho-Image nicht mehr die durchschlagende Wirkung hatte wie damals, als es all das noch nicht auf der Leinwand gegeben hat und verbales Gepose noch als Rebellion gegen das System verstanden wurde.

Irgendwie ist diese Form der Äußerung aber mittlerweile zum Standard etabliert, und wenn man rebellieren möchte, muss man das heute auf ganz andere Weise erledigen.

Und da reicht dann eben ein guter (alter) Name nicht mehr, auch wenn die Eintrittskarten momentan eine andere Sprache sprechen. Ich rede hier von geistiger Befriedigung. Für mich wirkte die Erzählung sehr abgestrampelt, aufgesetzt, unstrukturiert. Man hat irgendwie keinen Takt gefunden und kaum war man dabei, das Metronom erklingen zu lassen, zerstörte man den Vibe wieder mit neuer Strukturierungsorientierungslosigkeit.

Auf mich wirkt es, als würde Ritchie krampfhaft versuchen, die Anforderungen an seinen Namen zu erfüllen und dabei gnadenlos scheitern in Form von, dass es eben einfach nicht zündet. Er wird sich selbst nicht mehr gerecht.

Da hilft dann auch kein hervorragendes Spiel von Matthew McConaughey, dem die Rolle auf den Leib geschneidert erscheint, und auch keine „Rückkehr zu seinen Wurzeln“ (wie inzwischen viele Stimmen behaupten), sondern irgendwie erscheint alles müde und einfallslos.

Charlie Hunnam (den ich in King Arthur – Legend of the Sword richtig mochte) wirkt müde und die Rolle von ihm irgendwie auf der Ersatzbank platziert und nicht mitten im Geschehen.

Der Style, den man plakativ beworben hatte, fehlte mir, auch wenn hier ein gutes Maß an Niveau bereitgestellt wurde: Im Endeffekt wird in meinen Augen alles durch den mangelnden Takt der Erzählung zu einem wirren Schnittgut zusammengestückelt, aus dem sich der Zuschauer dann selbst seine Story basteln soll. Und das ist nunmal eher Aufgabe der Regisseure, oder?

Zu wirr, zu unstrukturiert, mit sich selbst uneins. Die wirren Schnitte machen das große Ganze kaputt und widmen sich weniger einer groß ummantelnden Story, als vielmehr einem Wirrwarr an einzelnen Sequenzen, aus denen sich der Zuschauer am Ende seinen eigenen Film zusammenstellen muss. Der Rhythmus des Films fehlt – und damit ist er für mich nicht wirklich gelungen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 27. Februar 2020

Original Title: The Gentlemen
Length: 113 Min.
Rated: FSK 16