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Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution

Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution - Filmplakat
© 2020 Entertainment One Germany GmbH

Eine Sache, die mich schon immer gewundert hat: Dass thematische Sachen sich irgendwie anzuziehen scheinen. Oftmals sogar extrem übergreifend: Wenn an einem Tag zum Beispiel mehrere Pressevorführungen stattgefunden haben, teils von komplett unterschiedlichen Labels, waren die Inhalte des Films überraschend oft thematisch übereinstimmend.

In Anlehnung an meinen Beitrag von gestern geht es heute wieder um das Thema Rechte der Frau – und das soll keine langweilige Show und ermüdendes Fingeraufzeigen werden, sondern der nächste Punkt in dieser Kontroverse.

Niemals Selten Manchmal Immer hat sich eher mit der körperlichen Selbstbestimmung der Frau auseinandergesetzt, Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution ist nun tatsächliche Realität, denn diese Begebenheiten sind wahr und die Protagonisten darin echt.

Diesmal geht es um die öffentliche Wahrnehmung von Frauen, sowohl in den Medien als auch grundsätzlich in der Gesellschaft. Es ist ein bekanntes Problem, dass der Körper und das Erscheinungsbild einer Frau oft sexualisiert, objektifiziert und als Mittel in der Werbeindustrie eingesetzt wird und dies bei Männern definitiv nicht so der Fall ist.

Hierbei werden die Persönlichkeit und das Gesamtbild eines Menschen vollkommen beschnitten und auf die niedrigste Stufe der Wahrnehmung runtergebrochen, was nicht nur unethisch, sondern in höchstem Maße verwerflich ist.

Frauen sind ob ihrer anderen Körperformen keine minderwertigeren Geschöpfe, die deshalb weniger im Kopf hätten oder als Objekt für Fantasien und Vorstellungen benutzt werden dürfen. Dies sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein – jedes Individuum ist gleich – vor dem Gesetz und in seinen Rechten. Dieses Optimum einer Vorstellung dieser Welt ist weit entfernt von der Realität, in der eben immer wieder Unterschiede gemacht werden, die diese Menschen verletzen.

Dass die Medien hier eine tragende Rolle in dieser Angelegenheit spielen, steht außer Frage: Nirgendwo werden Frauen mehr verachtet, als in den darstellenden Medien.

Und die männliche Riege wundert sich, warum die Frauen sich beschweren – und kommen gleichzeitig nicht damit klar, wenn sie von Gays als „Männliches Objekt der Begierde“ wahrgenommen und angegraben werden. Genau diese Umstände erleben Frauen tagtäglich, in vielerlei Hinsicht. Es ist, als würden permanent die Alarmglocken schrillen und man müsste immer auf der Hut sein, weil einem hinterhergepfiffen wird oder irgendwelche dummen Sprüche zu einem rüber fliegen.

Ihr Männer wollt das nicht, die Frauen wollen das genauso nicht. Aber als Mann ruft ihr trotzdem über die Straße, grapscht Frauen an ihre Körper oder bedrängt und belästigt sie, nach dem Motto „Ihr wollt das doch auch“.

Nein. Wollen sie nicht.

Und genau diese Atmosphäre der Enteignung von Persönlichkeit und Würde füllt diesen Film. Er zeigt das schroffe, unerträglich harte Bild einer Welt, die – auch heute – für viele immer noch als normal betrachtet wird – und Leute, das ist sie nicht.

Tatsächlich haben sich diese Ereignisse bereits im Jahr 1970 abgespielt und der Film ist auch in dieser Zeitepoche angesiedelt und zeigt die Welt „von damals“. Das Erschreckende daran ist aber: 2020 – ganze 50 Jahre später – hat sich daran so gut wie rein gar nichts geändert. Es ist, als wäre die Welt in diesem Punkt nahezu stehen geblieben und die meisten Menschen wägen sich immer noch in den falschen Idealen von 1970.

Genau diesen Aspekt kreide ich persönlich dem Streifen ein wenig an, denn ich hätte mir viel mehr „Ausbruch“ und „Revolution“ gewünscht, bezogen auf die heutige Situation. Dass es damals aber schon ein Tabubruch war, wenn eine Frau etwas gesagt hat, verschärft die Situation eigentlich nur noch. Dennoch fährt man hier Avancen auf, die eben die Frau wieder als „unterwürfiges Stück“ präsentieren und nicht als selbstbewusste, aufrechte und würdevolle Person, die den Männern ebenbürtig entgegentreten kann und sollte.

Dass ein Film, der sich um die Rechte der Frauen kümmern möchte, selbst an solchen Problemen zu scheitern scheint, zeigt, wie brisant und extrem aktuell das Thema immer noch ist: Frauen haben immer noch nicht die gleichen Rechte und Voraussetzungen, um z.B. im Berufsleben ein genauso würdiges Leben und Fundament aufzubauen, wie es Männern gegeben ist.

Und auch in der Gesellschaft sehen viele Menschen „die Frau an der Seite des Mannes“ und nicht als eigenständiges Wesen, dass sogar die Vorherrschaft innerhalb einer Beziehung einnehmen könnte.

„Der Mann ist an der Seite der Frau und arbeitet ihr zu“ – merkt ihr? Fühlt sich komisch an, oder? Genau diese Denkstrukturen öffnen und ebnen den Weg hin zu einer Gesellschaft, in der Frauen niemals als gleichwertige Wesen angesehen werden können – und diese Umstände sollten nach 21. Jahrhunderten Menschheitsgeschichte eigentlich vollkommen anders sein.

Dass dieses Thema auf den Tisch kommt und die Frauen gewürdigt werden, die damals diese Revolution losgetreten haben, ist dem Film definitiv hoch anzurechnen – daraufhin müssen aber noch viele Diskussionen, Einsichten, Konversationen und Aufklärung folgen, um den Menschen als Ganzes klar zu machen, dass es tatsächlich Missstände gibt. Und es ist die Aufgabe von jedem einzelnen von uns allen, die so schnell als möglich auszuräumen und jedem Menschen ein würdiges, respektables und anständiges Leben zu ermöglichen.

Dieser Film zeichnet das schreckliche Bild der Entwürdigung eines kompletten Geschlechts und macht in seiner Weise auf die vielen Missstände aufmerksam, die eine Gesellschaft bis heute versäumt hat, endlich auszuräumen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 1. Oktober 2020

Original Title: Misbehaviour
Length: 106 Min.
Rated: FSK 0

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DVD: (folgt in Kürze)


Downton Abbey

Downton Abbey - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Downton Abbey erfreut sich einer großen Serienfan-Gemeinde und enthält so ziemlich alles an fähigen Schauspieler*innen, die Großbritannien zu bieten hat. Ein Grund könnte sein, dass der Schöpfer der Serie – Julian Fellowes – ein Händchen dafür hat, in die “alte Welt” einzutauchen und alles Moderne mit einem Schlag zu killen.

In heutiger Zeit kennt jeder eigentlich nur noch mediale Überlastung: Die Leute sind gestresst, werden online gefordert und kommen niemals zur Ruhe, werden überflutet von Nachrichten, kriegen kaum ihre eigene Timeline abgearbeitet und kommen schon gar nicht mehr dazu, irgendwas mal in Ruhe zu konsumieren, ohne nicht gleichzeitig noch drei andere Dinge mit zu verrichten, weil sonst einfach die Zeit am Tag nicht ausreichen würde.

Kaum ist etwas weltbewegendes passiert, landet man aufgrund der Fülle schon bei der nächsten Katastrophe und hat aus “Speicherplatzgründen im Hirn” die alten Dinge längst wieder vergessen. Betroffen ist man eh nur noch in den seltensten Fällen.

Downton Abbey tut genau das Gegenteil: Es ist langsam. Nicht zu verwechseln mit ermüdend. Die Serie – und überraschenderweise auch der Film – vergeuden keine Zeit mit Belanglosigkeiten, sondern strahlen die altbekannte Ruhe und Gelassenheit aus, die sich um das Leben der Bewohner dieses Anwesens rankt.

Ein riesengroßer Pluspunkt ist natürlich auch die feinfühlige Tatsache, dass der komplette Seriencast ebenfalls für den Film engagiert wurde und man hier nicht – wie nicht selten üblich – andere Darsteller verpflichtet hat. Das gibt einem als Zuschauer das Gefühl, die Serie geht tatsächlich weiter und der miese Beigeschmack von “jetzt auch im Kino” bleibt diesmal völlig auf der Strecke.

Bereits im TV war Maggie Smith als Violet Crawley herausragend mit ihren Sprüchen und man hat jede Szene von ihr geliebt und verschlungen. Der Film bietet ihr hier eine wunderbare Plattform, auf der sie sich nochmals richtig austoben und das Publikum erstklassig unterhalten kann. Und auch der Rest ist überraschend stimmig: Ganz ehrlich? Ich sehe hier einen Oscar®-Anwärter auf Kostüme und Bühnenausstattung und einen Film, der sein eigenes Publikum im Fernsehen längst gefunden hat, das nun mit einer kolossalen Folge auf dem big screen geehrt wird.

Wer sich damals also schon für die Serie erweichen konnte (ist übrigens derzeit grad auf Amazon Prime für lau anzusehen), ist jetzt im Kino definitiv richtig aufgehoben. Die Normalität von damals wird wiederhergestellt und man hat zwei Stunden Auszeit von der von Hetze geplagten Moderne. Genießt sie – in aller Ruhe.

Knüpft nahtlos an die Serie an und führt weiter, was im TV grandios begonnen wurde: Der Zuschauer bekommt das Geschenk von zwei Stunden historischer Ruhe und Gelassenheit, in der er sich in diese vergangene Zeit fallen lassen und innerlich entspannen kann. Mit einer herausragenden Maggie Smith als Bonus obendrauf. Unbedingt ansehen!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Enthält keine weiteren Überraschungen, man darf also nach draußen gehen. Wenn man will. 😉

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: Downton Abbey
Length: 122 Min.
Rated: FSK 0