Tag: Planeten

Die Epoche des Menschen

Die Epoche des Menschen - Filmplakat
© 2020 Happy Entertainment

Okay, wie machen wir’s?

Halt einmal kurz an, bleib kurz stehen, hol einmal tief Luft … STOPP!

Okay, hab ich deine Aufmerksamkeit?

Gut. Ist heutzutage ja nicht mehr so einfach, wo alles nur noch aus „Drüberwischen“, „schnell hochscrollen“, „kurzer Blick“ und „Ah, schon wieder die nächste App“ besteht.

Und sollte doch mal jemand über den Tellerrand schwappen und sich für etwas eine Stunde Zeit nehmen, oder auch zwei, zum Beispiel einen Film (aber bloß ohne Abspann, gnade dir Gott, du verpasst irgendwas da draußen im Leben, wenn du 1:36 Minuten länger im Saal sitzen bleibst!!!), dann äh … greifen die Vorurteile.

„Anthropozän“ zum Beispiel klingt ja schon mal fürchterlich langweilig, schrecklich, so nach Geologie-Unterricht mit irgendwas … ach komm… keine – uh, da ist Facebook schon wieder…. und Insta….

STOPP!

GEHT. IN. DIESEN. FILM.

´kay?

Wirklich.

Setzt euch ins Auto, parkt das Gefährt in den Tiefgaragen oder irgendwo in einer Seitengasse, schlendert zum Kino, löst ein Ticket und geht in Die Epoche des Menschen. Lasst euch einfach drauf ein.

Das ist kein Film. Keine Doku. Kein „Oh, alles ist schlecht, die Welt geht unter, Blabla-arte-Schrott.“ Das ist auch nichts für die Eliten. Oder Menschen, denen Geografie in der Schule tatsächlich gefallen hat.

Nö.

Das hier ist etwas… anderes. Eigentlich hat der Film gar kein Konzept, kein Drehbuch, keine Richtung gehabt – und zwar von Seiten der Macher aus, sondern sie haben einfach nur gezeigt.

Keine „Wir machen den Planeten kaputt“-Doku, hab ich doch eben schon gesagt.

Was sie hier zeigen, ist irgendwas seelisches. Etwas, das tiefer durch dich durch geht und … ohne Worte … etwas vermittelt. Du spürst, wie ein neues Zeitalter anbricht (angebrochen ist) und dieser Film hilft dir dabei, es zu verstehen.

Ich würde am liebsten meinen ganzen Quatsch, den ich hier grad runterschreibe, in Gänze wieder löschen, aus Angst, ihr schaut euch deswegen dann den Film nicht an.

Ehrlich: Ich hab noch nie etwas so beruhigendes, befriedendes und kurioserweise erholsames gesehen, wie Die Epoche des Menschen.

Dadurch, dass man eben nicht urteilt, dass man nicht hasst, verurteilt, „aufzeigen“ möchte, „Aufklärung machen muss“ oder den ganzen Bullshit, den es seit Jahrhunderten zu geben scheint und den bis heute kein einziger wahrlich in sein Leben aktiv einbaut und umsetzt … und wenn doch, dann gleich so fanatisch, dass es auch wieder kacke ist … dadurch, dass all dies hier nicht vorkommt, ist diese … was eigentlich? „Doku“ ist es nicht… dieses … Ding völlig anders. Reiner. Pur.

Es ist wie eine Bestandsaufnahme (bei dem jetzt viele schon wieder an arte-Dokumentationen denken), merkt ihr, wie verkorkst wir inzwischen eigentlich alle sind?

Die Epoche des Menschen befreit euch davon.

Und wenn ihr ihn gesehen habt, dann sagt mir einfach, wie. Ich hab nämlich keine Ahnung – aber ich weiß, dass es funktioniert.

Das ist kein Film, keine Dokumentation, kein roter Faden oder sowas … sondern höher. Reiner. Es boostet von innen heraus mit der Kraft einer ganzen Epoche – und völlig wertungsfrei. Eines der wichtigsten Dokumente unserer Ära. Unglaublich fesselnd, durchgreifend und extrem wichtig, um alle Zusammenhänge wieder zu verstehen. Ein Must-See.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Ja dann rennt halt raus, mein Gott …

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: Anthropocene: The Human Epoch
Length: 87 Min.
Rated: FSK 0

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: (folgt in Kürze)
Bluray: https://amzn.to/2EZuVex
DVD: https://amzn.to/2ZgsT0p


Interstellar

Christopher Nolan ist in aller Munde … und hat mit Tenet auch den Sprung in die Liga der Allgemeinheit erfolgreich gemeistert: Zwar jammern alle, dass sie den Film nicht kapieren, aber anschauen tut ihn dennoch jeder.

In Momenten wie diesen zuckt es dann regelmäßig in des Journalisten Finger und man recherchiert wie blöd in den Archiven, um alles über das Leben und Wirken des gewünschten Objekts der Begierde zu erfahren, was für viele im Falle von Nolan natürlich Quatsch ist: Man kennt ihn einfach. The Dark Knight-Trilogie, Inception und eben Interstellar, der beweist, dass ihn die Thematik seines aktuellen Streifens schon länger beschäftigt und er bereits seit Jahren an diesen Ideen arbeitet und feilt.

Tatsächlich zählt Interstellar zu den Filmen, die in der Gesellschaft oft als „bester Film von ihm“ genannt werden … und im Zuge des ganzen Fiebers hin zu Tenet wurden seine preisgekrönten Werke ja auch zurück auf die Leinwände gebracht, was mich wiederum dazu veranlasst hat, jetzt doch etwas darüber zu schreiben.

Ich habe die Gunst der Stunde genutzt und mir den Streifen in OV angesehen, was ich all denjenigen, die nicht perfektes Englisch können, an dieser Stelle tatsächlich nicht raten kann: Der Anspruch ist riesig, die Stimmen vernuschelt, der Text gewaltig und man kapiert förmlich gar nix, wenn man die Sprache nicht medi-professionell beherrscht.

Das ändert nichts daran, dass das Werk als solches einfach großartig ist: Man spürte, dass Kino wieder seine altbekannten Kräfte entfaltet und hat den Unterschied zum heutigen Gros aller „Blockbuster“ deutlich wahrnehmen können.

Die visuelle Kraft, der erzählerische Umfang und das Streben nach etwas viel viel höherem und größerem ist Interstellar in die Wiege gelegt und dazu kommen viele Ausflüchte und ein Plotstrang, der eben nicht lapidar auf dem Boden liegt und mit einem kurzen Augenblick erfasst werden kann, sondern in den man sich reinarbeiten und durch rätseln muss, was da nun Sache ist.

Im Zuge seines aktuellen Stücks wisst ihr nun, was in den letzten Jahren eigentlich unsere Aufgabe gewesen ist: Diese Form des Filmemachens zu verstehen und sich auf die Achterbahnfahrt des Plots soweit einzustellen, damit man Werke wie Tenet dann auch wieder schneller verstehen und begreifen kann.

Nolan ist niemand, der ne Schnulzenschmonzette auf den Weg wirft, die man in der ARD im Nachmittagsprogramm abnudelt, sondern er fordert sein Publikum heraus und mobilisiert geistige Ansprüche, mit denen man sich auseinandersetzt – oder eben nicht.

Daher gilt er – trotz solcher Welterfolge wie The Dark Knight – doch eher als Nischenspezialist, der ein ganz bestimmtes Publikum hat, das ihn liebt und feiert und will gar nicht die große Masse befriedigen.

Ich selbst bin gespannt, wohin uns diese Reise noch trägt… aber es tut in allen Fällen wahnsinnig gut, seine alten Werke wieder einmal auf der Leinwand bestaunen können zu dürfen.

Nutzt die Chance für den Zeitsprung in die Vergangenheit und zieht euch das Werk auf der Leinwand rein, sofern ihr die Chancen bekommt: Ein großartiger Film, der nichts von seinem Charme und Aussagekraft verloren hat und auch heute im Kino immer noch wirkt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 6. November 2014

Original Title: Interstellar
Length: 169 Min.
Rated: FSK 12

Diesen Film kaufen auf:
Prime Video: https://amzn.to/3h7ISE3
4K UHD https://amzn.to/2ZfgOZg
Bluray: https://amzn.to/2EU9HPc
DVD: https://amzn.to/2FbVyg6