Tag: Robert Stadlober

Und der Zukunft zugewandt

Und der Zukunft zugewandt - Filmplakat
© 2019 Neue Visionen Filmverleih GmbH

Ist das eigentlich jemand inzwischen aufgefallen? Die Öffnung der Grenzen innerhalb der Bundesrepublik Deutschlands feiert demnächst 30jähriges Jubiläum und im Zuge dessen kommen immer mehr Dokus und Filme auf die Leinwand, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen und die historisch einmaligen Ereignisse erneut dokumentieren.

Was ich von dieser geschichtlich immer wiedergekäuten Dauerbeschallung im Fernsehen halte, wisst ihr: Ich glaube, es ist noch kein Tag vergangen, an dem mal keine Hitler-Doku im Fernsehen ausgestrahlt wurde – und noch keine Stunde irgendeines Tages, an dem man sich nicht auf die ein oder andere Weise mit diesem Thema beschäftigt hätte.

Dass diese zumeist absolut schlecht gemacht sind und man als „cooler Jugendlicher“ kaum Lust hat, sich so ernsthaft damit auseinanderzusetzen, versteht sich da fast schon von selbst.

Und jetzt kommt Und der Zukunft zugewandt – schon der Titel mit den richtigen Assoziationen: Vergangenheitsbewältung und -aufarbeiten im großartigen Stil, das eben nichts mit den historisch ausgelutschten Aussagen zu tun hat, sondern „neue“ Vorfälle ans Licht bringt, die das Problem im Kern beleuchten: Ein System, dass damals als „perfekt“ angepriesen wurde, unter dem eine Vielzahl an Menschen gelitten haben, was auch bis zum heutigen Tag immer noch nicht in Gänze von vielen verarbeitet wurde.

Und hier leistet das Werk Großartiges: Die Geschichte ist tatsächlich passiert und wurde im Rahmen einer Polizeiruf 112-Aufzeichnung dem jetzigen Regisseur zugetragen, der davon dann nicht abließ und die Story erzählen wollte.

Und glaubt mir: Es ist spannend und zeugt von Integrität menschlich-ethischen Verhaltens, die auch kein System brechen kann … und wenn es erst Jahrzehnte dauert, bis so etwas ans Tageslicht kommt.

Und noch ein spannender Fakt: Die Dame, die das alles betrifft, hat im Film sogar eine eigene Rolle bekommen, auch wenn sie sich nicht selbst spielen kann, da die Vorfälle ja ein paar Jahre zurückliegen.

So muss in meinen Augen historische und gesellschaftliche Aufarbeitung aussehen: Themen ans Tageslicht zu bringen, deren wahrer Kern unbestreitbar ist und die Aufklärung in die Runde werfen, die für alle verständlich und vor allem auch spannend inszeniert wird, damit auch die jüngeren Generationen, die diese Ära nicht miterlebt haben, Interesse daran haben, sich damit auseinanderzusetzen.

Das schafft Wissen, was wiederum dafür sorgen kann, dass derartige Aktionen nicht nochmal gestartet werden, auch wenn politisch gesehen derzeit alles danach aussieht.

Und da weder Schulen, noch einige Medien, noch Politiker oder andere öffentliche Personen großartiges Interesse daran haben, hier im großen Stil derartige Wissensbildung vorzunehmen, darf wieder einmal Kino als grandiose Plattform dafür herhalten, um flächendeckend dafür zu sorgen, dass auch neue Generationen über alte Fehler unterrichtet werden und die Zusammenhänge nun easy verstehen können.

Dann sind es auf einmal nicht mehr nur irgendwelche Satzfetzen, die jeder schonmal irgendwo gehört hat, deren Zusammenhang oder Tragweite aber keiner so richtig versteht, der sich nicht näher mit der Materie auseinandergesetzt hat. Dann sind es nicht mehr Mutmaßungen, die einfach da waren, weil jeder immer so reagiert bei dem Thema, ohne zu wissen, warum.

Dann ist es ein Vorfall, der überdeutlich schildert, was an der ganzen Sache dran – und gravierend falsch war, was auf einmal andere logische Konsequenzen im Kopf schafft und ein völlig neues Bild auf die deutsche Geschichte richtet.

Damit schafft man Fakenews aus der Welt, damit schafft man irrationale Behauptungen aus der Welt, damit sorgt man dafür, dass die Menschen ihren eigenen Kopf benutzen und anfangen, nachzudenken.

Damit hätten neuartige Geschwüre geistiger Umnachtung keine Chance mehr, in diesem Land so zu gedeihen, wie sie es derzeit tun.

Also: Geht bitte rein! Und nehmt so viele Leute mit, wie ihr finden könnt.

Pflicht! Dieser Film leistet Aufarbeitung historischer Wunden und erklärt ein missratenes System auf extrem spannende Weise, die auch heutigen Generationen völlig easy verdeutlicht, warum eine solche politische Hierarchie nie wieder entstehen darf! Großartig!

Nachspann: ⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 05. September 2019

Original Title: Und der Zukunft zugewandt
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12


Leberkäsjunkie

Leberkaesjunkie - Filmplakat
© 2019 Constantin Film Verleih GmbH

Inzwischen hat’s ganz Deutschland infiziert und wir haben die gute Kunde: Ja, der alljährliche Eberhofer ist wieder im Kino … und es ist Zeit, einmal zwei Blicke auf die Eberhofer-Timeline zu werfen:

Dampfnudelblues (2013)
Winterkartoffelknödel (2014)
Schweinskopf al dente (2016)
Griessnockerlaffäre (2017)
Sauerkrautkoma (2018)

Und ich hoffe, ihr habt alle eure Hausaufgaben gemacht und euch die vorherigen Teile brav in Reihenfolge angeschaut … Derzeit spielen’s die Medien ja wieder rauf und runter: Klar, es ist ein bayerisches Gen, mit dem man klar kommen muss, ändert aber nix daran, dass die Nachfrage danach inzwischen in ganz Deutschland vorhanden ist, was zwei Dinge beweisen:

  1. Eure zahlreichen Feedbacks in den letzten Jahren aus den nordischen Gefilden, wann der Film dort startet…
  2. Die Tatsache, dass Constantin Film sich tatsächlich dazu entschieden hat, den Leberkäse dieses Jahr nicht nur in Bayern und Baden-Württemberg, sondern landesweit zu verteilen: Ja, auch der Norden hat seine Releases bekommen und man gibt der Nachfrage nun endlich statt. Thx 4 that an dieser Stelle.

Und wenn man jetzt nochmal ganz an den Anfang zurückspringt und sich an die bissige Bösartigkeit zynischen Humors zurückerinnert, mit denen Teil 1 und 2 so wunderbar gepunktet haben, dann kommt bei so manchem vielleicht wehmütiges Sehnen nach mehr Spaß, nachdem die letzten Jahre die Handbremse ein wenig angezogen wurde.

Die gute Nachricht an dieser Stelle: Man zieht wieder an! Und zwar richtig gaudig mit jeder Menge Spaß, Heiterkeit und bayerischem Lebensgefühl, das man unverblümt und ohne Stolpersteine nun wieder nach Herzenslust auslebt.

Ja, Leberkäsjunkie macht extrem Lust auf mehr und ich freue mich schon auf die kommenden Teile … aber so lange: Kinoticket lösen und den aktuellen Part genießen. Und dazu am besten ein ganz fettes Stück Leberkäse. Ganz nach Eberhofer-Vorbild.

Und damit euch nicht langweilig wird, bis das Kino endlich anfängt: Hier noch ein paar Einblicke auf den Red Carpet in München zur Deutschlandpremiere von Leberkäsjunkie – mit jeder Menge Prominenz im Schlepptau. Have fun!

Legt wieder ordentlich los und macht richtig Laune – und vor allem Lust auf mehr. Go 4 it!

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Nicht gleich aufspringen, hier kommt nochmal etwas …

Kinostart: 01. August 2019

Original Title: Leberkäsjunkie
Length: 96 Min.
Rated: FSK 12