Tag: Romanverfilmung

Enzo und die wundersame Welt der Menschen

Enzo und die wundersame Welt der Menschen - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Die Übersetzungs-Titel-Problematik hatten wir ja schon oft thematisiert: Englische Originale, die inzwischen von immer mehr Deutschen ebenfalls verstanden werden würden, erfahren üble Sprachverbrechen, wenn es darum geht, sie in die jeweilige Landessprache zu transportieren.

Die Folge: Im Titel landet meist irgendwas mit „Tod“ (verkauft sich anscheinend besser) und unfassbar viel sprachliche Ästhetik geht verloren – und mit ihr oft gleich ein großes Stück Sinn hinter den sicherlich weise gewählten Worten.

Schaut man sich The Art of Racing in the Rain einmal genauer an, merkt man sofort, dass hier nahezu romantisches Potenzial steckt und dies keins der üblichen Billigheimer sein kann, die bei solchen Titelbildern in dieser Kategorie Film normalerweise zu erwarten wären.

Und ja, ich bin immer noch kein Hundefreund und habe immer noch nicht wirklich meinen Frieden mit eben jenen Filmen geschlossen, die auf den „Oh Tier – süß“-Button drücken und damit Emotionsdrüsentränen verströmt sehen wollen. Funktioniert bei mir nicht.

Und ich liebe Enzo und die wundersame Welt der Menschen. Das liegt jedoch nicht (nur) daran, dass Patrick Dempsey Produzent der ganzen Sache ist, sondern schlichtweg daran, dass die Macher en gros verstanden haben, wie man Geschichten erzählt.

Das hier ist eine. Eine die packt, eine die wunderbar ist, eine, die man gerne anschaut bzw. liest. Nicht umsonst war die Buchvorlage dazu 3½ Jahre auf den Bestsellerlisten und wurde in 38 Sprachen übersetzt: Das schreit förmlich nach Kino!

Und voilà: Hier ist es. Großartig gecastet, großartig gefilmt mit einer Stärke, auf die immer mehr Filme verzichten: Einen sensationellen Plot, der Wert auf Inhalt und nicht auf Kitsch legt und damit allen anderen seines Fachs weit voraus ist.

Dass es hier nicht zwingend um den Hund geht (wie man es z.B. von Bailey kennt), sondern tatsächlich The Art of Racing in the Rain gezeichnet wird, zeugt von künstlerischem Charakter und wartet mit viel Liebe, Gefühlsdetailreichtum und jeder Menge großartiger Szenen und Momenten auf, die herzerwärmend sind und keinerlei Aggression hervorrufen.

Ihr müsst nicht schon wieder durch einen Tierfilm, ihr solltet stattdessen aufgebaute Vorurteile ablegen und euch auf diese großartige Geschichte einlassen, deren Stärke intensiver Inhalt ist und die von dramatischem Kitsch nichts wissen möchte. Wenn Hundefilme (falsches Wort!), dann so hier!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Oktober 2019

Original Title: The Art of Racing in the Rain
Length: 109 Min.
Rated: FSK 6


submission

submission - Filmplakat
© 2019 Kinostar Filmverleih GmbH

Schließt eure heiligen Tabs, beendet das Offizielle und öffnet die Pornoseiten: Es geht hinab in die Tiefe der dunklen Nische.

submission betitelt die unterwürfig-devote Seite beim Spiel mit Dominanz und Unterwerfung und deutet schon mal darauf hin, in welchen Niveaukreisen die folgende Geschichte spielen soll.

Gleich vorweg: Stanley Tucci ist ein Garant für Qualität, egal, wie mies der Film ist, in dem er spielt: Seine Rolle und Darstellung ist konsequent glaubhaft und großartig!

Genau das rettet auch den Rest der Show, denn submissive Texte sind auf einschlägigen Seiten auch meist unterste Schublade und zeugen nicht gerade von sprachlicher Eloquenz und geistiger Reife. Warum auch, bei diesem Thema schalten viele ja gleich mal das Hirn ab und geben sich völlig ihren unerklärbaren Trieben hin.

Seit dem kolossal verschandelten Fifty Shades of Grey warte ich immer noch auf die intellektuelle Variante dieser Darbietungen, die sich auf der Leinwand mit den in der Öffentlichkeit kaum kommunizierten Gefühlen auseinandersetzt und hier zum einen Aufklärungsarbeit leistet, zum anderen Stoff für Unterhaltungen liefert, die in dieses Genre abdriften und gerne auch tiefer eintauchen.

Das schafft submission definitiv nicht, denn die Story ist zu sehr an den Haaren herbeigezogen und wirkt im Verlaufe des Films regelrecht einfallslos. Stattdessen sieht man als Zuschauer ewig wiedergekäutes Einheits-Blabla, dem auch das grandiose Schauspiel und der typische Charme Tuccis keinen Notanker mehr zuwerfen können: Dafür ist das alles zu verträumt, zu unrealistisch, zu unglaubwürdig.

Die Idee mag nett sein, das Potenzial schießt auch aus allen Poren, doch genutzt wird es – wie abgeworfenes Sperma – anschließend eben absolut nicht.

Und dabei liebe ich Geschichten, in denen menschliche Züge an ihre Grenzen und darüber hinaus getrieben werden, um der Natur das zu entlocken, was sie durch zahlreiche Fassaden im Alltag unscheinbar zu überdecken versucht. Doch in dieser Hinsicht war der Film eine herbe Enttäuschung. Also warten wir weiter.

Verspricht viel, wartet auch mit dem bekannten Charme und der Professionalität Stanley Tuccis auf, kommt aber über Klischeezeichnungen der Charaktere kaum hinaus. Dabei steckt in dieser Idee so viel erzählerisches Potenzial, das ungenutzt umhergeworfen und nicht ausgekostet wird. Schade, das war dann ja wohl nichts.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss nicht abgewartet werden, es kommt nichts mehr.

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: Submission
Length: 106 Min.
Rated: FSK 12