Tag: Schicksal

Harriet – Der Weg in die Freiheit

© 2020 Universal Pictures International

Was könnte ich an dieser Stelle anderes sagen als „Es tut mir leid“?

Es tut mir leid, dass es notwendig geworden ist, dass sich jemand hinsetzt und solch einen Film produzieren muss. Es tut mir leid, dass es notwendig ist, andere Menschen über diese Geschehnisse aufzuklären. Es tut mir leid, dass all dies tatsächlich einmal passiert ist und Millionen Menschen solche Taten durchlitten haben.

Du sitzt ganz unverfroren in dem Film und schaust dir den Anfang an und denkst dir: Hoffentlich ist das nur eine Geschichte. Hoffentlich ist das kein Tatsachenbericht. Hoffentlich kommt am Ende nicht „… basierend auf dem Leben von …“ …

Es kommt.

Diese Frau hat genau das erlebt.

Und es tut mir leid, dass wir immer noch hier sitzen und darüber diskutieren, statt endlich einzusehen, dass unzählige Entschuldigungen und Kniefälle notwendig sind, um für dieses Unrecht um Vergebung zu bitten.

Ich kann nichts anderes, als einfach nur meine Klappe zu halten und demütig im Namen aller um Vergebung zu bitten und hoffe, dass sich immer noch möglichst viele finden, die sich den Film in irgendeiner Weise ansehen werden.

Im Kino ist er natürlich „imposant“, setzt sich mit viel mehr Druck im Innersten deiner Seele nieder und erzeugt intensive Gefühle – aber auch zu Hause, im TV, per Streaming oder sonst wie: Dies ist der falsche Zeitpunkt, um irgendwelchen Schau-Prinzipien nachzuheulen, denn dieser Film ist von solch immenser Bedeutung, dass ihn einfach jeder gesehen haben muss. Egal, wie.

Also schaut ihn euch an, versetzt euch in „ihre“ Lage – und spürt einmal, wie das ist, wenn eure Kinder, eure Familie, eure Männer, eure Frauen, eure Freundinnen, eure Bekannten, eure Leute an Stelle der Protagonisten wären. Was würdet ihr empfinden? Wie hättet ihr reagiert?

Genau so fühlen sich 2020 immer noch unzählige Menschen – und jeder davon ist einer zu viel.

Mein Kniefall vor ihren Taten, ein leises „Dankeschön, dass du aufgestanden bist“ und ein lautes „Vergib uns allen, die euch so etwas angetan haben und bis heute stellenweise antun.“

Als Mensch, der in Deutschland geboren wurde, männlichen Geschlechts mit heller Hautfarbe ist, habe ich kein Recht, irgendwelche Urteile in dieser Sache abzugeben: Alles, was an dieser Stelle richtig wäre, ist: Um Entschuldigung zu bitten und mich ehrfürchtig vor dem Leben von Harriet zu verneigen und ihr zu danken, dass sie damals aktiv geworden ist um für ihre Freiheit zu kämpfen. Es ist bis heute immer noch sehr sehr notwendig. Leider.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Zeigt euch ein paar der Original-Bilder, also springt nicht gleich auf, sondern gebt dem Film Zeit, zu einem Ende zu kommen.

Kinostart: 9. Juli 2020

Original Title: Harriet
Length: 125 Min.
Rated: FSK 12


Tolkien

Tolkien - Filmplakat
© 2019 Twentieth Century Fox

Über diesen Namen braucht man eigentlich kein weiteres Wort verschwenden: Entweder man kennt ihn und weiß sofort, womit man all das zu verbinden hat, oder man fragt erst einmal: „Hä? Wer ist das?“

Genau das haben die Schöpfer dieses Movies wohl auch bereits gewusst und sich darum gedacht: „Och, grenzen wir die Unwissenden einfach mal komplett aus und machen etwas nur für die absolut verrückten Fans.“

Möchte man den Film nun auf „Neutralitätsbasis“ bewerten, gelangt man schnell an seine Grenzen, weil hier eben wieder zu viel universitäres Gelaber ist, mit dem kein Mensch was anfangen kann, weil die Szenen dazwischen nicht richtig wissen, wohin sie wollen und weil keiner am Ende weiß, was das alles sollte.

Und dann sind die Fans am Start. Tolllkiiiiiieeeeeeennnnnnn … Herr der Ringe … Ahhhhh!

Interessanterweise haben mir sehr viele davon abgeraten (ja, ab!), die Bücher zu lesen, sind aber die absolut vernarrten Fans der Filme und können sie auswendig mitbeten. Tolkien selbst kümmert sich einmal mehr nicht um seine Werke, sondern um den Schöpfer persönlich und möchte irgendwas erzählen, das am Ende aber wiederum nicht so wirklich rauskommt.

Was dafür umso präsenter ist: Der Soundtrack! Guys and Girls? Gänsehaut! Aber so richtig!

Immer dann, wenn man sich dazu entscheidet, Gedanken-Touren zu unternehmen und die Fantasie ein wenig schweifen zu lassen, man wieder ins „Filmische“ reinkommt und eben nicht die kalte, harte, tote Uni-Materie am Leben (welches Leben?) erhalten will: Dann scheppert‘s wieder und man spürt sofort: Hier ist was ganz großes am Start, das man unbedingt im Kino sehen muss!

Leider hören eben jene Szenen jedesmal immer viel zu schnell auf … all das (und ihr dürftet inzwischen gemerkt haben, dass ich mich nicht dazu zähle) interessiert die Fanatiker aber reichlich wenig, denn die kommen hier voll auf ihre Kosten und bezeichnen das Ding schon jetzt als „Film des Jahres“.

Ob gut oder schlecht, wird hier nicht diskutiert: Vielmehr zählt „ob Fan oder nicht“ – erstere kommen nämlich tatsächlich hart auf ihre Kosten, letztere bekommen einen grandiosen Soundtrack geliefert, Kino spendiert die Boxen dazu oder man nennt eine gute Heimkinoanlage sein eigen – dann braucht man den Film dazu nicht zwingend, aber ein gut gefülltes Musik-Abo und jede Menge Zeit… Bei mir ist er seit Erscheinen noch nie aus der Top 10 der meistgehörten Scheiben rausgerutscht 😉

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, hier folgen keine weiteren Szenen oder Bilder mehr.

Kinostart: 20. Juni 2019

Original Title: Tolkien
Length: 111 Min.
Rated: FSK 12