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Der König der Löwen

Der König der Löwen - Filmplakat
© 2019 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Disney ist nicht gerade bekannt dafür, ständig tollen, innovativen Stoff zu liefern, sondern glänzt in den letzten Jahren mehr oder weniger dadurch, Altbekanntes durch den Aufwärm-Wolf zu drehen und es erneut für überteuerte Preise ans Volk zu verhökern.

Ich habe mich oft gefragt, was die eigentlich die ganze Zeit über machen, zumal auch noch Twentieth Century Fox in deren Besitz übergegangen ist und man nun eigentlich ja wieder mal damit anfangen könnte, wahre Filme zu machen, wo sie nun die Könige des Kinos in ihren Schubladen horten.

Sitzen die den ganzen Tag über nur noch rum und zählen ihre Golddukaten, wie einst Dagobert Duck?

König der Löwen liefert mir nun tatsächlich eine Vermutung: Ja, es ist auch aufgewärmt, wiedergekäut, jeder kennt die Story und sie wurde nahezu szenenidentisch nachgestellt, aber!

Und dieses aber ist riesig: Ich glaube nun, sie haben all die Jahre im Hintergrund an einer Technik gefeilt, die letztendlich nun in nahezuer Vollendung auf dem Screen präsentiert wird und die die Filmkunst in die nächste Ebene hievt: Die Viecher hier drin sind animiert – und es ist abgöttisch, wie abnormal grandios das nun aussieht!

Ehrlich: Die Mähnen der Wölfe, die Bewegungsabläufe von Tatzen, Mäusen, Gazellen und dem ganzen Gekröse auf dem Boden – die „Echtheit“ ist so unfassbar unglaublich, dass man wahrlich vor Staunen nicht mehr den Mund schließt! Wie geht sowas?

Entweder müssen sie jeden Zentimeter eines Tieres an Synapsen und Andi-Serkis-Motionmesser angeschlossen haben, oder sie hatten genug Zeit und haben unfassbar aufmerksam hingesehen und zugeschaut, wie die Natur funktioniert und was alles bei kleinsten Kleinigkeiten exakt für Dinge geschehen. Muskeln, Fleisch, Tatzenbewegungen, Haare, Umwelteinflüsse – es wurde einfach auf jedes Detail unfassbaren Wert gelegt und eine Optik auf den Screen geworfen, die ein neues Zeitalter der Animation einläutet.

Tatsächlich durfte man sich an den Archiven des alten Films bedienen und konnte deren damalig schon enorme Recherchen in der Tierwelt zu Rate ziehen, desweiteren hat man in verschiedenen Zoos ein aufwendiges Kamera-System installiert, um die Tierwelt dort zu beobachten, ihre Bewegungen zu studieren und die Tierlaute aufzuzeichnen, die letztendlich auch für den Film herhalten mussten.

Und die Teams sind tatsächlich nach Afrika gereist und haben sich „vor Ort“ von dem Leben überzeugt und eine ganze Menge Eindrücke mit nach Hause genommen, die den Animateuren dann als Referenz dienten – hier merkt man wieder einmal: Je echter und authentischer man ist, umso überzeugender kommt man rüber – das Publikum merkt sowas!

Hierfür ein bodenliegendes Chapeau von mir: Das ist wahrlich eine technische Meisterleistung, bei der ihnen vermutlich andere nicht so schnell das Wasser reichen werden! Respekt Respekt!

Grobschnitzige Fehler hat man sich in der deutschen Synchronisation auch geleistet (und keine Angst, jetzt kommt nicht das übliche Geheule): Man hat die Songs übersetzt.

Kinder? Elton John übersetzt man nicht – und synchronisiert ihn nicht! Niemals! Keines der originalen Lieder ist hierzulande so unbekannt oder unverständlich, dass man es übersetzen müsste – und wenn, dann bitte ausschließlich als optionale Untertitel – und niemals von Laien neu eingesungen! Das ist, als müsste Tante Helga eben mal die Beatles neu einsingen, weil sie sonst niemand versteht! Sowas geht – mit Verlaub – absolut nicht!

In der OV ist man spätestens bei Circle of Life am Ende und das Kino rockt den Saal, weil die Optik und Akustik stimmt und man einfach fertig ist mit Gott und der Welt! In deutsch wirkt es höchst befremdlich und eher wie ein kleiner Kindersong in einem zweitklassigen Family-Movie und niemals in der Größe und Respektabilität, die einem das Original liefert.

Also auch hier ein klares „Ja“ für die Original-Versionen in den Kinos.

Zur Geschichte muss ich nichts sagen, wer die animierte Fassung nicht kannte, hat jetzt die Chance, das Ganze nachzuholen – durch die fast 100%ige Deckungsgleichheit empfiehlt sich allerdings kein Double-Feature, sondern man sollte sich für eine der beiden Varianten entscheiden. Tipp: Eine der beiden läuft grade in den Kinos 😉

Stellt man nun noch Vergleiche zu anderen Werken an, darf man auch hier wieder ein wenig mit der FSK wedeln: 6 ist reichlich eng bemessen, wenn man sich diverse Szenen mit bösartigeren Kreaturen anschaut, andererseits hätte es sehr wohl auch noch viel boshafter sein dürfen, um der ganzen Kiste noch mehr energischen Biss zu verleihen, was dann jedoch wieder in zielgruppenabnormer FSK 12 oder 16 geendet hätte und kapitalistisch gesehen fatal für Disney wäre. Ihr kennt das.

Final lässt sich sagen: Jon Favreau (das ist Happy für die, die ihn nicht bei echtem Namen kennen ;-)) hat das Ruder hier gut in die Hand genommen und genau wie bei Marvel bewiesen, dass er ein Filmemacher ist, dem wir in ein paar Jahren lebenswerkhuldigend zujubeln werden, weil dieser Typ einfach verstanden hat, wie Entertainment funktioniert. Aber nutzt bitte auch die Chance und schaut es euch in seiner Intention an und nicht in dem Machwerk, das die deutsche Synchronisationsgesellschaft daraus produziert hat: Die packt nicht, sondern liefert „Konservenware“ – das ist im OV völlig anders!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht aussitzen, sofern man die Songs nicht hören möchte.

Kinostart: 17. Juli 2019

Original Title: The Lion King
Length: 117 Min.
Rated: FSK 6


Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich

Long Shot - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Seth Rogen steht für mich für Mittelklassehumor, nicht ganz erste Sahne, aber auch nicht permanent unter der Gürtellinie – nur kurz davor.

Damit macht er solides Kino, über das man ablachen kann, sofern keine großartigen Ansprüche vorherrschen oder man etwa meint, hier humoristisch hochwertige Ausführungen gebracht zu kriegen. Ich weiß nicht, wie ich diese Zielgruppe betiteln soll, allerdings scheint es dafür genügend Abnehmer zu geben, ansonsten würde nicht am Fließband solche Ware produziert werden.

Dennoch – bei aller Lästerei – sticht Long Shot ein kleines bisschen unter seinen Filmkollegen hervor: Man gibt sich in einigen Punkten echt Mühe, etwas besonderes zu sein. Genau das ist eine von Rogens Spezialitäten: Er kümmert sich auch um ein kleines bisschen Sinn hinter dem ganzen Blödsinn, so dass im Film immer wieder ernstere Momente entstehen, die einen ansatzweise zum Nachdenken anregen, jedoch stilbewusst immer sofort wieder mit schlechten Witzen eingerissen werden.

Ist okay, ist halt sein Ding.

Desweiteren hat man begonnen, in einer größeren Produktion das Bild der Frau wunderbar herauszuarbeiten und an einem besseren allgemeinen Verständnis für Geschlechterrollen zu arbeiten, die eben andere Selbstverständlichkeiten vorsehen, als das heute immer noch in weiten Teilen der Welt der Fall ist.

Dies kann negativ sein, insofern man meinen möchte, dass ein mittelmäßiger Comedy-Schinken nicht zwingend die beste Bühne für solcherlei Vorhaben ist und damit der Schuss nach hinten losgehen kann, dies kann genauso gut positiv sein, indem eine Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird, von der man sich unbewusst dann doch inspirieren und damit zulässt, dass die kleinen Rädchen der großen Veränderung auch hier willig weitergedreht werden.

Am Ende hatte man eine Menge Unterhaltung, wenig Fremdscham-Momente und einen Kuchen, der zwar wenige – dafür aber prägnante Stückchen zum Rauspicken geliefert hat, die den Film in den oberen Rängen seines Genres platzieren.

Seth Rogen hat seinen eigenen Humor, den muss man mögen und mit ihm klar kommen, dann ist auch der Film wunderbar unterhaltsam und positiv überraschend, was dieses Genre angeht.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht aushalten, hier folgen keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 20. Juni 2019

Original Title: Long Shot
Length: 116 Min.
Rated: FSK 12