Tag: Sex

After Truth

After Truth - Filmplakat
© 2020 Constantin Film Verleih GmbH

Nachdem bei After Passion die Jugend jubilierte, die Fangemeinde weinte und die Presse sich in Grund und Boden schämte, hatte ich versprochen, mir das Buch zu organisieren und es zu lesen, weil tatsächlich sehr viele Stimmen laut wurden, die gesagt haben: Schade, der erste Teil wurde verkackt, das Buch ist sooooo gut.

Und tatsächlich: Ich kann’s bestätigen. Nach 70 Seiten hab ich das erste Mal aufgehört zu lesen, als ich es mir gekauft hatte … und es war mir eine helle Freude, durch die Story zu wandeln, weil Anna Todd tatsächlich das Talent hat, die Dinge zu erfassen, zu benennen und auf einen Punkt zu bringen.

Man könnte sagen: Entweder schaust du dir ein paar dutzend Liebesfilme an und beschäftigst dich eine Weile damit, was die Jugend in diesem Alter umtreibt, oder du liest das Buch und hast alles in Summe vorhanden. Sehnsüchte, Entdeckungen, Er- und Selbstfindung, die heißblütige, völlig nicht-von-dieser-Welt-hafte Vergötterung seines Schwarms, das Leben inside und outside von Konservativismus und so viele andere Themen, die einem im Leben begegnen können, wurden hier aufgegriffen und solide bearbeitet. Dass dabei der Blickwinkel der Teenager niemals verlassen wird, mag manch einen, der es im Leben inzwischen schon „weiter gebracht“ hat, möglicherweise stören, genau das liefert aber Authentizität und sorgt für eine allseits gegenwärtige Glaubhaftigkeit, die die Stärke und „Wucht“ dieser Liebe auszeichnet und unterstreicht.

Nun haben wir nicht nur das allseits bekannte Buch-Film-Problem, sondern tatsächlich eine Barriere, bei der ich sogar soweit gehen und sagen würde: Das ist einfach nicht verfilmbar.

Aufgefallen ist mir das u.a. daran, dass ich anfangs den Film sogar mehrfach im Kino angeschaut habe, um zu probieren, ob es anschließend eine andere Auswirkung auf einen hat und man den Film (wenn man Plot und Twists bereits kennt) doch anders betrachten kann und kam nicht darüber weg, dass der eben einfach „schlecht“ ist.

Eben so viel Angst hatte ich, das Buch aufzuschlagen und mein Versprechen einzuhalten, denn das ist nicht nur nicht meine Literatur, sondern interessiert mich auch persönlich nicht im Geringsten, genau deshalb hab ich es damals auch öffentlich versprochen, um es wirklich durchzuziehen.

Und das Buch hatte mich irgendwie direkt und ich hab grundsätzlich keinerlei Schwierigkeiten damit gehabt, die Story in meinem Kopf völlig neu entstehen zu lassen und seltsamerweise musste ich mich dafür auch nicht an die Bilder der Personen im Film klammern oder irgendwelche Szenen dazu reproduzieren, sondern das Ding lebte völlig losgelöst durch sich selbst und war bis zum Ende hin einfach stimmig.

Genau das zeigt, dass der Film quasi nicht als „Buchverfilmung“ taugt, sondern ein träger Abklatsch eines Versuchs davon ist, der meiner Meinung nach nicht von Erfolg gekrönt sein kann, weil man die seelischen Gefühlswelten niemals in der Form in einen Film kriegt, dass es den Ansprüchen gerecht wird, die Todd in ihren Büchern befriedigt.

Ich würde hier sogar auch einen Unterschied machen und die Bücher vom Genre leicht distanzieren, weil das, was dort aufgeschrieben wurde, tatsächlich weit weg von Kitsch und Romantik, Liebe und Sissi-Blumen-Tralala ist und eben genau jene Probleme aufgreift, die Jugendliche in dem Alter beschäftigen und die für sie wahrhaftig und existent sind.

Nachdem ich nun das erste Buch durch habe, waren meine Erwartungen beim kommenden Film After Truth natürlich unterirdisch: Nun kommt zu dem systemischen Versagen noch das „der zweite Teil“-Phänomen dazu, was es zusätzlich nach hinten kippt und eigentlich nur als Totalschrott enden kann.

Und als der Trailer das Licht der Welt erblickte und über die Leinwände huschte, dachte ich wieder: „Oh Gott… naja, man kann’s nicht verhindern“… meine Erfahrung in dem Film war aber eine völlig andere.

After Truth überrascht nun damit, dass man augenscheinlich weiß, dass die Verfilmung nicht so funktioniert, wie das Buch in alle Ecken und Winkel hinein leuchtet und ist quasi nur eine Ansammlung von „Triggern“, die die Leser der Werke angedeutet sehen lassen, welchen Part man jetzt im Kopf dazu einfügen muss.

Zum ersten Mal überhaupt würde ich empfehlen: Lest After Passion und schaut danach After Truth und verknüpft beide Welten miteinander, denn diesmal funktioniert das. Der zweite Teil hat eine immense Lust in mir wiedererweckt, den zweiten Teil ebenfalls als Buch zu ordern und an einem gemütlichen Schmöker-Abend zu verinnerlichen. Als Kenner der geschriebenen Werke merkt man nämlich, wie die Filmemacher versuchen, immer wieder in die Tiefe der Story abzutauchen und ihnen die Kunstform „Film“ dabei im Weg steht.

Nun kann man die Schuld auf den Cast schieben, auf ein schlechtes Drehbuch oder einfach auf die labilen Zustände, oder darauf, dass der Film zeitlich gesehen eigentlich viel zu kurz ist, um auf alle Einzelheiten und Details aus dem Buch eingehen zu können, also werden extrem viele tragreiche Momente und Elemente manchmal z.B. nur mit einem Blick oder einer einzigen kurzen Kamera-Sekunde abgefrühstückt. Aber man spürt deutlich, dass die Macher eben versucht haben, so viel wie möglich mit zu nehmen und zumindest den Lesern ein Triggerfeuerwerk schenken, die dann tatsächlich wieder übelst Bock kriegen, die Bücher dazu in die Hand zu nehmen und (nochmal) zu lesen.

Insofern ist der Film eine gelungene Unterhaltung, für die man an dieser Stelle tatsächlich kurioserweise einmal Hintergrundwissen braucht: Und zwar in Form des geschriebenen Wortes, denn auch der erste Teil macht euch im Vorfeld dazu nicht zwingend glücklicher.

An Vergleiche a la Fifty Shades of Grey für Pubis möchte ich mich an dieser Stelle auch nicht wagen, auch wenn gewiss einige Parallelen erkennbar sind, die man aus Jugendfilmreihen dieser Art öfters kennt (Twilight-Reihe z.B.). Diese Form des Konkurrenzkampfs hat der Film nicht nötig und es wäre auch keine Bereicherung, im Vergleich zu ermüden.

Tatsächlich entwickelt der Streifen durchaus seine Momente, taucht in das (geschriebene) Epos sachte ein und bringt es in genau der gleichen (miesen) Manier wie bei Fifty Shades auf die Leinwand, nur dass das hier irgendwie ein bisschen mehr Spaß macht.

Vorstellungen wie Ladies Night, BRAVO Preview oder ein gemeinsamer Filmabend mit der Clique (und Abstand im Saal) sind hier definitiv die absolut richtigen Varianten, um den Film zu genießen und das beste da raus zu holen.

Dieser Film struggelt an seiner Unverfilmbarkeit und macht durch das Gewitterfeuer an Triggern für die Leserschaft der Bücher unglaubliche Lust auf die geschriebenen Werke: Die ragen nämlich mit einer großartigen Welt aus dem Geschwulst der Liebesromane heraus und greifen die alltäglichen Situationen von Teenies hervorragend auf und verarbeiten sie zu einer wunderbaren Lösung. Die Filme können dies „technisch“ niemals bewältigen, liefern aber eine gute Variante, um das Buch irgendwie „zum Leben zu erwecken“. In der Clique definitiv sehenswert.

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Nicht gleich wegrennen, es kommt im Mittelteil nochmal eine kleine Szene.

Kinostart: 03. September 2020

Original Title: After We Collided
Length: 106 Min.
Rated: FSK 12

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Fragen Sie Dr. Ruth

Fragen Sie Dr. Ruth - Filmplakat
© 2020 Filmwelt

Wie geht‘s euch, wenn ihr das Plakat seht: Bock auf den Film? Kribbelt‘s schon in den Fingern, endlich das Kinoticket zu holen?

Ganz ehrlich? Mir ging’s genauso: Ich kannte weder die Frau, noch die Hintergründe, noch irgendwas anderes. Dazu rosa (absolut meine Farbe O_O) und äh … einfach nein.

Bis ich den Stream geordert habe und zugesagt, dass ich einen Beitrag darüber machen werde… eigentlich nur aus Mangel an Alternativen, da momentan zwar viel über die Leinwände flimmert, aber eben nix „aktuelles“.

Und was soll ich sagen: Äh … JA? 😀

Leute, ganz im Ernst: Ihr werdet euch in diese Frau verlieben! (Und ja, ich bin immer noch gay, und sage das!)

Allein ihre quirlige, lebensfreudige und absolut gesunde Seele ist ein Quell der Erquickung und geistigen Auftankens. Sie versprüht so viel Eifer, Freude, Liebe, Hingebung und Vitalität, dass man es kaum zu glauben vermag.

Lasst euch von diversen Adjektiven und Attributen nicht abschrecken, die euch im Zuge dieser Berichterstattung möglicherweise begegnen werden: Alles halb so wild, denn auch diese Themen werden mit so viel Feingefühl und Ehrfurcht aufgearbeitet, dass keine Gründe bestehen, diesen Film nicht definitiv sehen zu wollen.

Sex sells? – Ich würde eher sagen, es ist ihr Charme, ihr Lachen, diese – mit 92 Jahren – immer noch vorhandene, ungebrochene Kindlichkeit im Körper eine vitalen Dame, die eines wirklich kann: Ihren Mund aufmachen und die Dinge ansprechen.

Der Film sprüht förmlich davon, was passiert, wenn man einfach ehrlich zueinander ist und die Dinge auf den Punkt bringt – und ja, ich war schon immer Fan davon, dass Leute dies grundsätzlich tun.

Sie hat nicht nur diversen Widerlichkeiten getrotzt (Und das ist wirklich keine „Buhu“-Doku), sondern die Welt maßgeblich verändert… und tut dies bis heute.

Lasst euch diese Perle auf gar keinen Fall entgehen – niemand wird es anschließend bereuen! Promise!

Der Weg in den Kinosaal mag durch diverse unsinnige Gedanken gepflastert und damit ein holpriger sein, aber spätestens 10 Minuten nachdem der Film läuft, seid ihr Fan von ihr: Dr. Ruth hat die Welt definitiv zu einer besseren gemacht – und ist bis heute das pure Leben selbst. Anschauen!

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Sitzen bleiben, es kommen noch ein paar Ausschnitte

Kinostart: 27. August 2020

Original Title: Ask Dr. Ruth
Length: 100 Min.
Rated: FSK 6


Fantasy Island

Fantasy Island - Filmplakat
© 2020 Sony Pictures Entertainment

Die Nachwehen von Corona sind immer noch nicht ausgestanden, darum gibt es bis heute die Chance, Filme auf der Leinwand zu erleben, die unsereiner noch niemals „in groß“ gesehen hat. Dabei tummeln sich alte Klassiker neben kürzlich releasten Titeln und ich finde, man sollte die Chancen nutzen und sich die Filme tatsächlich im Kino ansehen.

Die Abstände zwischen den einzelnen Gästen sind ausreichend groß, man wird immer wieder vehement aufs richtige Tragen der Masken hingewiesen und die Kinos kommen euch – ganz im Sinne der neuen wirtschaftlichen Handhabe – auch preislich entgegen und fordern quasi nichts und bieten dafür viel.

Und im Falle von Fantasy Island sollte man einen Kinobesuch gleich mehrfach einplanen, denn dieser Film überfordert einen mit Impressionen und Denkstoff, dass ein einziger Besuch unmöglich ausreicht, um die ganze Fülle an Eindrücken und Elementen richtig verarbeiten und einordnen zu können.

Einmal braucht man allein, um überhaupt rauszufinden, wohin das führt. Um was geht es? Wer spielt mit und wohin läuft es hinaus?

Ein weiteres Mal kann man dafür verwenden, um festzustellen, dass hier tatsächlich keine logischen Fehler oder Continuity-Patzer gemacht wurden. Und weitere Male sind nötig, um die ganzen Details und Wunder zu entdecken, die man sich beim Erschaffen dieses Films zu Herzen genommen und umgesetzt hat: Und das ist wirklich ein Titel von Blumhouse – also ja, ich bin weiterhin zwiegespalten zwischen „total schlecht“ und „wow – grandios“. Die Zeiten des unteren Niveaus scheinen wirklich stellenweise vorbei zu sein.

Ich hatte vor Jahren mal ein Erlebnis in Augsburg im Kino, wo ich um 23:00 Uhr in einer Nachtvorstellung eines Horrorfilms gesessen habe, der so richtig hart in diese Tageszeit gepasst hat. Dort ist für mich das „23 Uhr-Horror“-Genre entstanden, dem ich Fantasy Island genauso zuordnen möchte: Es darf gerne draußen dunkel sein und die Welt in Teilen bereits schlafen, so dass man ruhig das Gefühl hat, draußen gleich alleine zu sein, wenn man durch den dunklen Park zurück nach Hause spazieren muss. Mit diesem Hintergedanken wütet der Film noch ein bisschen besser in deiner Fantasie und erzeugt einen fulminant guten Grusel, der bei mir noch lange nachgehallt hat.

Und sollte jemand die Serie dazu noch nicht kennen: Schaut erst den Film und knüpft euch dann die Serie vor.

Überraschend vielseitig, tiefschichtig und komplex: Man wird förmlich von Impressionen überschüttet und sollte sich den Film eher mehrfach anschauen, um wirklich alle Winkel entdecken und verarbeiten zu können: Großartiges Kino!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 20. Februar 2020
Heimkino-Start: 1. Oktober 2020

Original Title: Fantasy Island
Length: 110 Min.
Rated: FSK 16


Narziss und Goldmund

Narziss & Goldmund - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Was tun, wenn sich Kino gegen das Urheberrecht wendet und den Wünschen eines Autors vehement widerspricht? Als Kinofan sollte ich diese Einstellung eigentlich begrüßen, als Kunstliebhaber und Wertschätzer ethischer Prinzipien läuft hier aber einiges schief.

Hermann Hesse hat nie ein Geheimnis darum gemacht, dass er niemals wollte, dass seine Werke verfilmt werden und bereits in den 70er Jahren ist man diesem Wunsch schon nicht nachgekommen und hat seine zum Teil als unverfilmbar geltenden Werke auf die Leinwand gebracht.

Ich kann es gewissermaßen nachvollziehen, denn vieles, was ein Autor machen kann, stößt in Bild- und Ausgestaltungsform sehr schnell an Grenzen, denen unsere Realität nun einmal unterworfen ist. Hier wahrlich die richtigen Stilmittel, Ausarbeitungsmethoden und optischen sowie akustischen Umsetzungen zu finden, die exakt den Wünschen des Autors und Urhebers entsprechen, ist nahezu ausgeschlossen. Es ist immer ein Kompromiss, der sehr leicht nach hinten losgehen kann.

Was man jetzt also davon halten kann, dass mit Narziss und Goldmund ein weiteres Hesse-Werk die Leinwand bespielt, darf jeder mit sich selbst ausmachen. Dass es zumindest in deutschen Landen verfilmt wurde und somit aus dem Geburtsland Hesses stammt, mag hier nur ein kleiner Trost sein, die Deutschen können deswegen nicht zwingend besser Kino machen wie bisher.

Unterteilt ist dieser Film mehr oder weniger in zwei Phasen, wobei ich bereits mit der ersten schon gravierende Schwierigkeiten hatte: Irgendwie absolut nicht mein Ding, nicht meine Zeit, nicht meine Umsetzung und die Schauspieler mir persönlich mega unsympathisch.

Danach greift die Boy-Masche, aber auch hier merkt man sehr schnell, dass Authentizität und Realismus nicht die gewünschten Kriterien waren … und zu dem Zeitpunkt hab ich dann auch die Wunschvorstellungen von Hesse abgekoppelt und es als „eigenständigen Film“ betrachtet, der dann durchaus seine sympathischen Momente entwickelt, jedoch mit historischen Lücken und unzähligen Fehlern glänzt – sofern man für so etwas ein Auge hat.

Wer sich daran nicht stört, dem wird optisch viel geboten, auch der historisch-kritisierte Look hat etwas für sich: Man muss eben immer mit dem Deal klar kommen, dass dafür die Echtheit der Zeitgeschichte eingebüßt wird, dann kann man mit dem Rest durchaus seinen Spaß haben.

Man sollte Hesse nicht verfilmen, dann kommt man auch mit diesem Streifen klar: Durch seine eigene Weise entwickelt er im Verlauf durchaus charmante Momente und bietet auf jeden Fall optisch einiges zum Besten. Historische Korrektheit oder glaubwürdige Umsetzungen darf man aber keinesfalls erwarten.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 12. März 2020
Heimkino-Start: 17. September 2020

Original Title: Narziss und Goldmund
Length: 118 Min.
Rated: FSK 12


Get Lucky

Get Lucky - Filmplakat
© 2019 DCM Film Distribution GmbH

Als die Pressevorführung lief und ”das kleine ZDF Fernsehspiel” eingeblendet wurde, dachte ich mir: Geil, endlich hab ich euch im Sack! Unglaublich, dass so ein seriöser Sender sich dazu “herablässt” und dieses Kunstwerk königlichen Youth-Fucks inszeniert bzw. mit seinem Logo dafür geradestehen will.

ZDF? Meinen Respekt an euch dafür!

Mein zweiter Gedanke war: Zielgruppe: BRAVO. Und voila – diese Woche landet der Streifen auf den Screens und wird gezeigt in der BRAVO-Preview. Bam – schon wieder ein durchschlagender Erfolg.

Und getreu dem Motto dieser Klientel geht’s um Sperma, Vögeln, Frauen, Männer, Sex und jede Menge Klischees, die nach und nach abgebaut und durch instruierte Bildung ersetzt werden.

What? ZDF erfüllt auf einmal doch den Bildungsauftrag und bringt Oswalt Kolle in modern für die heutige Heranwachsendengeneration? Chapeau … again!

Und genau dafür feier ich dieses Werk. Der Sommer ist vorbei, die Sommer-Sonne-Strandgefühle neigen sich langsam dem Ende zu, man packt wärmere Klamotten aus und verabschiedet sich von dem freizügigen Gefühl tosender Liebe und sprudelnder, sexueller Energie … und darf im Kino mit Get Lucky genau dieser nochmal in aller Ausführlichkeit frönen.

Und lasst euch nicht davon abschrecken, dass hier Palina Rojinski mit von der Partie ist … der Cast in sich ist ein grandioser Meisterschlag – und ja, das Team versucht, diese Harmonie zwischen den Kids auch in weiteren Projekten zu erhalten und dafür zu sorgen, dass diese Truppe noch die ein oder andere Leinwandstory durchexerzieren darf. Das Feeling zwischen den Kids ist nämlich allererste Sahne. Und da ist “Boysahne” durchaus auch mit gemeint 😉

Lasst euch darauf ein – ein wunderbarer Spaß, der nicht mit Humor geizt, gewissermaßen den Bildungsauftrag erfüllt und trotzdem partout unter der Gürtellinie stattfindet: Ein Experiment, das man gerne mitgemacht haben darf. Und immer dran denken: Schön mit Kondom 😉

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 26. September 2019

Original Title: Get Lucky
Length: 98 Min.
Rated: FSK 12


Good Boys

Good Boys - Filmplakat
© 2019 Universal Pictures International

Jacob Tremblay ist ein kleiner Süßfratz, dessen Mitwirken eines bislang immer garantierte: Der Film schlug ein wie eine Bombe!

Good Boys shakert zusätzlich mit dem Potenzial von Sausage Party, dem kranken Werk genialer Erfinder, die damals bereits eins bewiesen hatten: Humor können sie! Im Ernst, wenn ihr den Film bislang nicht kennt: Holt das zwingend nach!

Und auch der neueste Geniestreich lässt im Kinosaal niemanden trocken: Der Plot bewegt sich konsequent ohne Ausnahme unter der Gürtellinie, aber mit so unfassbar viel Niveau und Scharmützel-Schabrackismus, dass man aus dem Lachen einfach nicht mehr raus kommt 😀

Es ist der Titel, auf den ich mich seit der Pressevorführung am meisten gefreut hatte – und der jetzt endlich fürs ewige Wiederholen die Leinwand ziert und allein als auch im vollen Saal für unglaublich gute Stimmung sorgt. Ich frage mich manchmal, was man für einen an der Platte haben muss, um auf derartige Ideen zu kommen.

Good Boys hat überhaupt nichts damit zu tun, was man anfangs glauben könnte – der Titel ist nicht einschätzbar oder vorab kategorisierfähig, der Film selbst steht für mich eher als eine Art Monument gegen die allgegenwärtige Endzeitstimmung, die die „normalen Medien“ momentan verbreiten und die allernorts das Gefühl aufkommen lassen, alles wäre verloren.

Ist es nicht – dieser Film beweist, dass die gute Laune tatsächlich noch existiert. Und ganz ehrlich? Wer es schafft, diesen Film ohne einen einzigen Lacher zu durchpflügen, bekommt von mir ’n Kaffee spendiert. Geht nicht 😀

Abnormal geil – so etwas durchgeknallt Witziges gab es schon lange nicht mehr. Unbändige Ansammlung kantiger Gags mit einem unkontrollierbaren Schlauch an Comedy-Verspritzer, der im Saal für unglaublich entspannte Stimmung sorgt, bei der jeder mindestens 38x lachen muss! Zwingend ansehen!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt am Schluss nichts mehr.

Kinostart: 22. August 2019

Original Title: Good Boys
Length: 90 Min.
Rated: FSK 12


High Life

High Life - Kinoplakat
© 2019 Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Robert Pattinson hat u.a. eine Sache richtig gemacht: Bekannt werden in einer Blockbuster-Reihe und danach ins Arthouse-Kino abtauchen und dort eine Größe bleiben!

Wahrhaftig ist jeder Film von ihm mehr oder weniger eine Insider-Perle geworden und seine Rollen darin großartig. Er kümmert sich – und dafür bewundere ich ihn – so überhaupt nicht darum, wieder in reißerische Massenproduktionen zu rutschen, sondern gibt sich erstaunlicherweise mit dieser Art Film so in sich zufrieden, dass es aufs Publikum überströmt und man als Gast im Kino mit sich selbst im Reinen ist, wenn man aus einem seiner Werke wieder ans Tageslicht tritt.

High Life hat bereits bei diversen Filmfestivals für erhöhtes Aufmerksamkeitsaufkommen gesorgt und wurde überall rauf und runter gespielt – und landet nun eben auch im regulären Kino. Die Sparte: Mein vielzitiertes SciFi.

Das bedeutet aber nicht einfach, dass hier irgendwo Weltraum und Sterne und Raumschiff und fertig vorhanden sind, sondern der Film als solches ist ein Produkt, dass sich nahezu schon als Stanley Kubrick der Gegenwart bezeichnen lässt: Absolut eigen, absolut originell, absolut authentisch.

Man taucht sehr tief in die Weiten des Weltalls und damit auch in die Weiten der Nische ein und vollzieht eine abstrakte Reise im Kopf, die genau das wieder einmal nahe an die Vollkommenheit herausragender SciFi-Filme trägt, die man in den „guten alten Zeiten“ so gemocht hat.

Man hat viel Zeit, bei den ausdrucksstarken Bildern und dem oft nicht sofort selbsterklärenden Erzählstrang über Dinge nachzudenken, die Gedanken in die Ferne schweifen zu lassen und sich über die Ungewöhnlichkeit zu wundern, die hier mit absolut präzisen, klaren und gleichzeitig total verwobenen und undurchsichtigen Bildern aufgezeigt wird.

Genau das macht in meinen Augen einen guten Science Fiction aus: Dass man sich als Zuschauer wundert, teilweise unbehaglich fühlt und am Ende irgendwie absolut fasziniert ist – denn dafür ist Weltall da.

Dieser Coup ist Claire Denis sehr gut gelungen, was ihren Film zu einem der besten SciFi-Streifen der Moderne macht, der auf jedem Register gesehener Filme stehen sollte.

Ein Stanley Kubrick der Gegenwart: Undurchsichtig, Vielschichtig, abgespaced und gleichzeitig tief in der Nische verwurzelt befriedigt High Life das unberührbare Verlangen, in fremde Welten abzutauchen und sich in der absurden Wahnvorstellung der Schwärze des Weltalls wiederzufinden.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht abgewartet zu werden. Das Weltall ist dunkel und weit …

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: High Life
Length: 110 Min.
Rated: FSK 16