Tag: Stacy Martin

Mein Leben mit Amanda

Mein Leben mit Amanda - Filmplakat
© 2019 MFA+ FilmDistribution

Dieser Film entzweit mich tatsächlich auf eine Art und Weise, die ich nicht vermutet hätte.

Bevor ihr gleich abdreht und denkt: „Okay, kein Volltreffer“ – Stop! Ihr solltet reingehen! Das Handwerk der schauspielerischen Darbietung ist phänomenal gut. Und zwar ausnahmslos von allen Parteien, die in dieser Story eine relevante Rolle spielen.

Der Stoff ist ebenfalls harter Tobak, was meist auch ein Grund dafür ist, den Film zu sichten.

Was mich tatsächlich stört, ist die Umgangsweise oder „Erziehung“, die man dem Plot angedeihen ließ. Hier komme ich ins Straucheln, auch wenn klar ist, dass solche Entscheidungen nicht eben kurz vor den Abendnachrichten gefällt werden können und man sich vor solcherlei Verantwortung gerne drückt.

Die Umgangsweise, zu der man sich entscheidet, frevle ich an. Gott darüber zu spielen, wie jemand in so einer Situation zu leben hat, ist genauso verabscheuungswürdig und gleichermaßen reißt es einen in Stücke, weil man meint: Wie könnt ihr euch erlauben, dies auf dem Rücken eines Kindes austragen zu wollen?

Genau das ist in der Realität aber gar nicht so selten, weshalb es oft so zerbrochene Umstände und Leben gibt, die zu den maroden Charakteren geführt haben, mit denen sich die Öffentlichkeit heutzutage rumschlagen darf. Wen wundert’s?

Mich nach diesem Film kein Stück mehr.

Insofern ist dies fast schon ein Lehrstück meisterlicher Familienkunst, die das trübselige Bild schicksalhafter Ereignisse zeichnet und dabei den Menschen an Pforten der Wahloptionen trägt, die kaum jemand imstande ist zu erschließen.

Vielleicht ist es das verklärte Bild hollywoodesker Schönheit, die man solch dramatisch-emotionalen Filmen oft auferlegt in der Erwartung klischeehafter Romantik, die ein jedes Problem im Keim erstickt und am Ende Friede, Freude, Eierkuchen auf die Lappen niederschreibt.

Dass das Leben oftmals eben nicht so ist, wissen viele von euch aus eigener Erfahrung … und Mein Leben mit Amanda stellt sich stellvertretend auf die Leinwand und unterstreicht diesen Schrei nach Gerechtigkeit, der mir im ersten Augenblick tatsächlich übel aufstieß.

Lockt aus den Komfortzonen des Lebens und zerwirft die bildschöne Story-Romantik mit kaum zu ertragender Realität: Die Disharmonie der Erzählung sollte keineswegs Grund dafür sein, diesen Film nicht innigst besuchen zu wollen. Handwerkliche Kunst, die den Zuschauer nicht nur unterhält, sondern auf seine ganz eigene Weise fordert.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht ausgesessen zu werden, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 12. September 2019

Original Title: Amanda
Length: 107 Min.
Rated: FSK 6


Vox Lux

VOX Lux - Filmplakat
© 2019 Kinostar

Das Plakat wirbt mit einer „gewaltigen Provokation“ und ich bin mir an dieser Stelle nicht sicher, ob der Zuschauer damit gemeint ist oder man – wie anzunehmen wäre – den Stoff anspricht. Provokativ ist es auf jeden Fall – und zwar für den Zuschauer, der sich seines Geldes beraubt sieht und nicht weiß, wie hoch die Verarsche noch sein kann, die einem da von der Leinwand aus entgegen schlägt.

In den USA hat dieser Titel sein Release bereits verjähren lassen und scheinbar hatte hierzulande keiner Lust, auf den aktuellen Zug mit aufzuspringen und den Streifen ins Programm aufzunehmen, weil er dort zu schlecht ankam?

Warum produziert man so etwas nicht als Direct-to-DVD-Option und lässt die Kinoauswertung aussen vor? Dann besinnt man sich automatisch bloß auf die Fan-Anhängerschaft und belässt es als Nischenprodukt ohne „gewaltige Wirkung“. Das hätte wohl so manche Peinlichkeit erspart.

Nichts gegen Natalie Portman oder Jude Law – beides herausragende Darsteller, die in der Vergangenheit wunderbare Werke abgeliefert und sich ihre Titel und Anerkennungen damit redlich verdient haben – doch in diesem Plot?

All das ist absolut übertrieben, driftet mit Vollkaracho in die „In den USA ist jeder behindert“-Klischeewand und reißt dann mit unübersichtlichen Besetzungsproblemen und irgendwelchen lapidaren Annahmen absolut nichts mehr aus dem Häuschen.

Singen? Irgendwo wirbt man mit Sia, die tatsächlich ein zwei Songs rausgebracht hat und tatsächlich singen kann – aber auf der Leinwand geht’s darum irgendwie überhaupt nicht, sondern man macht einfach was, dann wieder nicht, dann wieder doch, dann zusammenhanglos irgendwas, vielleicht ist’s ein Rückblick – vielleicht aber auch einfach nur – ach nee, das ist .. hä? Warum ist die jetzt in der Vergangenheit die andere und die andere auf einmal wieder ne andere? Was war das nochmal? Nee … ach egal.

Genau das ist das breitflächige Gefühl gewesen, nach dem sich die Presse samt mir einig darüber war, dass Vox Lux (der Titel hat übrigens auch überhaupt nix mit dem Film zu tun komischerweise) der schlechteste Film des Jahres überhaupt ist.

Und diesen Titel muss man sich auch bei mir toleranter Sau erst einmal redlich verdienen.

Schade drum. Potenzial hat das Ding nämlich.

Ein absoluter Schuss, für den noch nicht mal ein Ofen herhalten will: Grausam zusammengestellt, absolut null kuratiert und für den Zuschauer eine reine Langeweile.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Hat noch zwei Hintergrundbilder … muss man aber nicht zwingend abwarten.

Kinostart: 25. Juli 2019

Original Title: Vox Lux
Length: 110 Min.
Rated: FSK 12