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Lassie – Eine abenteuerliche Reise

© 2020 Warner Bros. Ent.

Nicht nur, weil sowieso jeder mit Tenet beschäftigt ist, sondern auch, weil mich einige schon vor einigen Wochen danach gefragt haben: Hier kommt sie endlich – die Kritik zu Lassie, dem allseits bekannten Hunde-Kinder-Film.

Ich bin an die Sache ziemlich voreingenommen rangegangen – und zwar aus zweierlei Perspektiven: Einerseits habe ich durch Bailey einen ziemlich mieses Kindheitstrauma 😉 und auch andere Hundefilme haben mich nicht zwingend überzeugen können und immer so ihre Hürden zu überbrücken gehabt, was mal gut, mal weniger gut funktioniert hat … andererseits bin ich absoluter Fan von Sebastian Bezzel, der hier ja eine starke Rolle verkörpert, mit der man mich eigentlich immer sofort kriegt.

Aber: Der Film will ja eigentlich den Fokus auf Lassie legen, also bewerte ich das (als Katzenmensch) jetzt mal aus der Perspektive des Hundes.

Und da hat man in effectu richtig gute Arbeit geleistet. Der Streifen nimmt sich Zeit, um die Natur, das wallende Haar, die Schönheit einer ganz eigenen Welt gebührend darzustellen und gibt dem Kinozuschauer ausreichend Freiraum, um das auch gebührlich zu zelebrieren.

Daneben ist das Zielpublikum tatsächlich jüngerer Generation, für die die Welt auch noch nicht nach realen Maßstäben funktioniert und bei „kleinen Ereignissen“ eine ganze Galaxie zusammenbricht – und im Rahmen dessen hat man die Problematiken auch sehr gut rausgearbeitet und mit Lösungsmöglichkeiten präpariert, die für mich in diesem Zusammenhang auch nicht aus dem Rahmen schlagen, sondern insgesamt tatsächlich ein sehr rundes, stimmiges und genießbares Bild abgeben.

Summa summarum war ich wahrlich recht angetan von dem Streifen und kann ihn euch auch besten Gewissens empfehlen, sofern ihr danach jagen solltet: Geht in die VoD-Portale oder zieht ihn euch auf DVD oder Blu-ray rein, sofern ihr mit Nachwuchs gesegnet und auf der Suche nach einer brauchbaren Nachmittagsunterhaltung seid.

Trotz großer Vorurteile, mit der ich an die Sache rangegangen bin, sehr überzeugend, berührend und gut gemacht: Man nimmt sich Zeit für Natur und stellt das Hunde-Kinder-Leben fantastisch dar. Daumen hoch!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | wartet noch mit ein paar “Schaustellerbildern” auf, danach darf man den Saal aber gerne verlassen.

Kinostart: 20. Februar 2020

Original Title: Lassie – Eine abenteuerliche Reise
Length: 106 Min.
Rated: FSK 0


Tenet

Tenet - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Am Mittwoch war es endlich soweit und Großmeister Christopher Nolan brachte seinen lang erwarteten Film Tenet endlich ins Kino.

Vieles hat sich seitdem geändert. Man spürte in der Vorstellung, dass Kino die ganze Zeit eigentlich auf Pause stand und kein Material auf der Leinwand gezeigt wurde, welches auch nur annähernd den Anspruch von ihm erreicht und die Stärken und Größen von Kino ausspielen kann.

Bereits in der Einführungssequenz wurde man als Zuschauer schon wieder mit Eindrücken und geballter visueller Kraft erschlagen, so dass unmissverständlich klar gemacht wurde: ab jetzt läuft es wieder anders.

Der ganze Film strotzt vor einem Übermaß an Eindrücken, Verflechtungen, Verschachtelung und erfordert solch ein immenses Ausmaß an geistiger Wachsamkeit, die nahezu ausgeschlossen bei einem Menschen in dieser Form vorhanden sein kann.

Damit gelingt Nolan der Schachzug, den Kinos tatsächlich Material in die Hände gespielt zu haben, welches das Publikum wieder anlockt, denn: man muss den Film nicht nur drei oder vier mal gesehen haben, um überhaupt begreifen zu können, was da gerade passiert ist.

Und an dieser Stelle spreche ich rein von dem Geschehen der Erzählung und noch nicht davon, weitere Verbindungen oder Querverweise erkennen zu können. Die stecken nämlich ebenfalls hinter jedem ach nur erdenklichen Winkel, was es selbst erfahrenen Kino-Freaks unmöglich macht, alles bereits nach wenigen Malen Film zu erfassen und zu verstehen. Die zahlreichen Twists im Plot, die sich mit der Zeit neben immer neuen Verwirrungen hier und da auflösen, überraschen mit geistigem Einfallsreichtum und einem wahnsinnig ausgeklügelten System, was abermals zeigt, welch hingebungsvolle kreative Kraft in diesem Regisseur steckt.

Tenet ist nicht dafür gemacht, einmal gesehen und dann abgehakt zu werden, selbst wenn das ebenfalls befriedigend sein kann, da der Film weder an Action noch an großartiger Unterhaltung spart. Ich wette, Leute wie wir, die kinobesessen sind, werden bis ins hohe Alter diesen Film immer wieder sehen können und dabei jedes Mal neue Querverweise und versteckte Easter Eggs entdecken können.

Eine Sache sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: das Schauspiel von Robert Pattinson. Dieser Mann liefert in diesem Film eine derartig brillante Schauspielleistung, die ihn endgültig aus seiner Rolle, mit der er groß geworden ist, enthebt und zu einem der wertvollsten Schauspieler unserer Generation macht.

Nun wissen wir, weshalb dieser Film so lange gebraucht hat, um endlich releast zu werden: dafür braucht es die Möglichkeit, in kurzer Zeit relativ häufig ins Kino zu gehen und ihn sich immer wieder ansehen zu können. Und nachdem man oft genug auf großer Leinwand mit viel Platz zum Suchen die Chance hatte, diese brachiale Wucht auf sich wirken zu lassen, kann man dann in tiefere Recherchen vorgehen und ihn sich wieder und wieder zu Hause anschauen.

Deshalb ist es auch gut, dass keine anderen Filme im Kino starten, denn wir Zuschauer haben jetzt erst einmal richtig viel zu tun, um dieses Werk auch nur annähernd zu begreifen und zu verstehen.

Keine Angst, wenn man bereits nach 10 Minuten aussteigt, zu verstehen, wer was wie warum und wo: Schaut es durch. Löst noch ein Ticket und geht wieder rein … und dann wiederholt das ein paar Mal. Wir haben Zeit, bis der nächste große Film im Kino startet … und genau die werden wir auch brauchen. Großartig!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht ausharren, hier folgt dann nichts weiter.

Kinostart: 26. August 2020

Original Title: Tenet
Length: 150 Min.
Rated: FSK 12


Die schönsten Jahre eines Lebens

Die schönsten Jahre eines Lebens - Filmplakat
© 2020 Wild Bunch

Betrachtet mal einen Augenblick lang das Plakat und fragt euch, wie ihr diesen beiden Persönlichkeiten gegenüber empfinden würdet. Und dann hört auf euer Bauchgefühl und entscheidet, ob ihr damit zum Zielpublikum gehört oder nicht.

Genau dieses gesetztere Alter, die Ruhe und Gelassenheit, das bewusste Stehenbleiben oder „Nicht mehr bewegen“ ist Inhalt dieses Streifens, der sich damit an die Personen richtet, die sich vielmehr in Gedanken und im Kopf bewegen und nicht mehr zwingend körperlich.

Aus dieser gesetzteren Ebene heraus entfacht man dann eine Reise durch die Vergangenheit, die mit vielen Elementen konfrontiert wird, mit denen man sich zu diesem Zeitpunkt durchaus auseinandersetzen muss und lässt hier einen ruhigen, wohligen und „einschläfernden“ Rhythmus erklingen, der keineswegs negativ aufzufassen ist, sondern einen eher sanft in den Schlaf wiegt und zur Ruhe bringt.

Diesbezüglich können auch „Nicht-Angesprochene“ diesen Film für sich nutzen, um einfach wieder mal runter zu kommen und mal für eine kurze Zeit wieder Luft zu holen und durchzuatmen. Der Puls bleibt vehement unten, der Film ist deshalb jedoch nicht langweilig oder -atmig, sondern „schreckt einfach nur keine Hühner im Stall auf, sondern lässt sich Zeit, um den Sonnenuntergang wirklich zu beobachten“.

Für das ältere Publikum, für Romantiker und jene, die genug von der Lautstärke da draußen haben – und für all jene, die einfach mal wieder entspannen und völlig zur Ruhe kommen wollen: Wer schlecht schlafen kann, wird hier wieder auf die Strecke gebracht und innerlich wie äußerlich vollkommen runtergefahren und sanft in etwas Wunderschönes begleitet.

Nachspann: 🔘🔘🔘 | Wartet mit einem wunderbaren Sundowner auf, also geht nicht gleich raus, sondern genießt die Ruhe und Besinnlichkeit.

Kinostart: 2. Juli 2020

Original Title: Les Plus belles années d’une vie
Length: 90 Min.
Rated: FSK 6


Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer

Mister Link - Filmplakat
© 2019 Entertainment One Germany GmbH

Auf dem Plakat macht das Aussehen der Figuren womöglich erstmal einen gewöhnungsbedürftigen Eindruck, jedoch sollte man sich nicht vorschnell davon abwenden: Dieser Film hat’s nämlich in sich!

Die Story entpuppt sich zu Recht als Prädikat besonders wertvoll-ausgezeichnet, denn hier ergreift man einmal mehr sehr liebevoll und packend die Herzen von jung und alt und trifft auf Leinwandfiguren, die sich sehr schnell den Weg in die warme Seele der Zuschauer erobern.

Diese Andersartigkeit, die in vielen anderen Filmen fremdartig wirken sollte, wird hier vollkommen neu umgesetzt und zeigt sich durch einen erfrischend anderen Erzählstil von einer ganz neuen Seite.

Somit erntet man relativ früh bereits unzählige Sympathiepunkte beim Zuschauer und hat damit die Möglichkeit, während des Films vollständig in eine neue Welt abzutauchen und den Film bis zur letzten Minute hin zu genießen!

Das wahrlich spannende an der ganzen Sache ist jedoch oft hinter den Kulissen versteckt: Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer wurde in der sogenannten Stop-Motion-Technik gedreht – sprich: Jede Szene wurde mit Puppen bewegt, fotografiert und somit Bild für Bild aneinander gesetzt, so dass der Eindruck von Bewegung entsteht.

Doch damit nicht genug: Ich kann euch mit Fun Facts erschlagen…

  • Für Mister Link wurden die Puppen nicht – wie üblich – ein Fünftel bis ein Sechstel der echten Größe von Menschen nachgebaut, sondern um 20% kleiner gestaltet: Damit war es möglich, auch die Kulissen kleiner zu machen, um die Arbeit ein wenig zu reduzieren.
  • Der Elefant im Film wiegt ungefähr 16 kg, verfügt über komplett unabhängig bewegbare Zehen und ist das einzige Tier, dass für diese Rolle beim Dreh verwendet wurde: Es gab also keine „Puppen-Doubles“.
  • Mister Link ist die schwerste Hauptfigur, die von LAIKA Entertainment jemals zum Einsatz gebracht wurde.
  • Die Kutsche beanspruchte 180 einzeln aufgehängte und bewegungskontrollierte Quasten. Sitze, Vorhänge und die Bewegung der Kutsche wurde durch 40 unabhängig voneinander operierende Motoren per Fernbedienung gesteuert.
  • Der Salonwagen hat keinen Boden, sondern das komplette Set wurde aufgehängt, damit die Puppenspieler von unten Zugang zu der Szene hatten.
  • Der Zug wurde durch rostig aussehende Klebestreifen auf den Schienen „gebremst“, da er sich zu geschmeidig bewegte.
  • Im Gegenzug dazu wurde das Schiff im Film nicht bewegt, da die Konstruktion zu groß und zu schwer war. Stattdessen bewegte man hier ein Kamera-Set um die Kulisse, die den Eindruck erzeugten, dass Schiff würde auf dem Ozean fahren.
  • Es gab mehr als 110 Sets und 65 unterschiedliche Drehorte.
  • Die Eisbrücke besteht aus 64 individuell geformten Eisblöcken, die unabhängig voneinander bedient werden konnten.
  • Die Karosse des Zugs war das größte Requisit, das im Film zum Einsatz kam.
  • Die Landschaften im Film entstanden aus Siebdruck- und laserbeschnittenem Kraftpackpapier, strukturierten Stoffen, Plastikperlen, Taschentüchern, Eisenbahnmaterial in Miniaturgröße, Ziegenhaar, Schaumstoffbällen sowie Schwarzlichtfarbe.
  • Die Bücher in Lionels Arbeitszimmer wurden – wie Zügel, Zaumzeug und Sättel der Pferde – aus echtem Leder mit traditionellen Techniken gefertigt.
  • Die Stop-Motion-Technik erforderte, dass für jede Sekunde Film insgesamt 24 Fotos gemacht wurden, zwischen denen die Figuren immer wieder ein winziges Stück bewegt wurden. So entstand ein Bild realer Bewegung.
  • Zu Spitzenzeiten befanden sich insgesamt 91 Teams beim Dreh im Einsatz.
  • LAIKA Entertainment besitzt 47 Motion-Control-Kamera-Vorrichtungen, von denen die älteste bereits aus dem Jahr 1928 stammt und seitdem von einem Effektstudio zum nächsten weitergereicht wurde.
  • Die Szene mit dem laufenden Elefanten macht im Film ungefähr 20 Sekunden aus und dauerte insgesamt 3 Monate, sie zu filmen.
  • Die VFX-Abteilung nutzte mehr als ein Petabyte – also eine Million Gigabyte – für die Speicherung des Materials.
  • Der Film benötigte insgesamt 112 Millionen Prozessorstunden, um als gesamtes Werk gerendert zu werden. Das wären mit einem PC 12.765 Jahre, um ihn fertigzustellen.

Und, habt ihr inzwischen ein bisschen Lust drauf bekommen, diesen tollen Film zu sehen?

Eine technische Meisterleistung, die nicht nur durch absolut verblüffende, technische Facts beeindruckt, sondern sich auch durch unglaublich sympathisch-andere Charaktere und einen tollen Plot von anderen Filmen absetzt.

Nachspann: ⚪️⚪️🔘 | Darf man getrost abwarten, hier folgt noch eine Kleinigkeit.

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Missing Link
Length: 94 Min.
Rated: FSK 6


Roads

Roads - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Roadmovies befriedigen eine ganz spezielle Truppe von Zuschauern und lösen gleichermaßen beim Diskutieren oft starke Kontroversen aus: Viele Menschen können sich einfach nicht vorstellen, unterwegs zu sein. Und das, obwohl es fast schon ein Klischee ist, nach der Ausbildung / Schule erstmal ein paar Jährchen auf Reisen zu gehen und die Welt zu entdecken.

Als BahnCard 100-Besitzer gehört Reisen zu meinem Alltag und ich glaube, ich würde verrecken, wenn mir eines Tages mal die Möglichkeit genommen werden sollte, ständig woanders zu sein, ständig neue Dinge zu sehen, neue Menschen zu treffen und die Vielfalt dieses Planeten auf meine eigene Weise erkunden zu können. Diese Freiheit ist mit nichts zu ersetzen – und auch mit nichts zu bezahlen. Genau das bedeutet „Leben“ für mich – bzw. der Tod, wenn man es eines Tages mal nicht mehr können sollte.

Und genau da hoffe ich dann, dass möglichst viele Filme dieser Art existieren, die man sich auch als Rentner nach Hause (wo ist das?) liefern lassen kann, um wenigstens noch in der Seligkeit solcher Roadtrips zu schwelgen und das Gefühl im Kopf zu intensivieren, doch unterwegs zu sein.

Macke? – Yes. Und zwar nicht nur fürs Reisen, sondern auch für Fionn Whitehead.

Fionn Whitehead
Fionn Whitehead auf der Deutschlandpremiere von Roads im Kino International in Berlin

Dieser Kerl hat mich bei bislang allen Movies dermaßen durch seine Ausstrahlung und bloße Existenz überzeugt. Absolut sympathische Persönlichkeit, der in Roads zusätzlich noch ein überaus charmanter Charakter als Rolle angeheftet wurde, dass das Ding quasi schon ohne irgendwas sonst zu einem Erfolg führen muss.

Doch auch hier haben sich die Macher genügend einfallen lassen, um dem Ganzen etwas mehr Tiefe zu verleihen und eben nicht nur ein weiteres Movie der Art zu sein, das universitär über Lebensphilosophien sinniert und dabei dem Zuschauer das Gefühl gibt, ungebildet zu sein.

Und da fängt die oft in solchen Streifen keine Rolle spielende Story an, Wertigkeit aufzubauen, von Belang zu sein und Momente zu erzeugen, die nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern tiefgreifende Gefühle, Fragen und eigene Kontroversen aufrufen, mit denen man sich dann befassen kann.

Und das in einer absolut angenehmen, ruhigen und fast schon „auf Wohlwollen gefilterten“ Bildsprache, die ich jede Minute genossen habe.

Abschließend noch ein paar Eindrücke vom Roten Teppich am Kino International in Berlin bei der Deutschlandpremiere von Roads.

Bewegend, charmant, sympathisch und mit viel Charisma und Geist: Eine Geschichte, die noch einige Zeit nachhallt und definitiv zu den besseren ihres Genres gehört.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Szenen, Bilder oder weitere Elemente fehlen: Man darf den Saal also gern verlassen.

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Roads
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6