Tag: Tim Oliver Schultz

Hello Again – Ein Tag für immer

© 2020 Warner Bros. Ent.

Es gibt in der Filmwelt solche ikonischen Momente, die unvergessen bleiben werden, die einmal da waren und bei denen alle Nachäffer, Huldiger, Parodisten und Hommagen niemals in Frage stellen würden, wer das Original geliefert hat. Es ist jeweils ein Kniefall vor dem Moment. Etwas, das jeder kennt und das niemals – auch über Generationen hinweg – in Vergessenheit geraten wird.

Die „Ich bin der König der Welt“-Szene bei Titanic z.B., oder die Hebefigur aus Dirty Dancing, oder aber auch verbale Äußerungen wie „I’ll be back“ von Arnold Schwarzenegger aus den Terminator-Filmen. „Ich bin dein Vater.“ – merkt ihr?

Diese Dinge gehören dem Original.

Nun haben wir einen Film, der sich an einem Genre orientiert, das für sich – und zwar in seiner vollkommenen Gänze – ein ikonischer Moment ist: Und täglich grüßt das Murmeltier. Da gibt es keine speziellen Szenen, oder Aussprüche, oder Dinge, die man einzeln herausnehmen und woanders einpflanzen kann, sondern die Zusammenstellung der einzelnen Plotstränge aneinandergereiht ist selbst der „ikonische Moment“, weswegen man entweder den kompletten Film kopieren kann … oder eben etwas völlig anderes macht.

Hello Again – Ein Tag für immer lässt schon im Titel einiges vermuten… und wer beim Trailer richtig aufpasst, spürt auch sehr schnell, dass es sich hier um einen Zeitschleifenfilm – also um Und täglich grüßt das Murmeltier handelt… und da dies ein „ikonischer Moment“ ist, kriegt man das aus dem Schädel beim Schauen auch nicht raus. Niemand denkt bei der Hebefigur NICHT an Dirty Dancing.

Dieser aufgedrückte, unweigerliche Vergleich schraubt die Erwartungen immens hoch und so etwas geht meist in die Hose.

Muss ich weiter reden? 😉

Meine Generation ist geprägt von Bill Murrays legendärem Auftritt in diesem Film … wir haben ihn unzählige Male gesehen, geliebt, wieder geschaut … und schon im Trailer des „Remakes“ spürt man: Daran kommt die Schauspielerei definitiv nicht ran. Hier ist wieder viel zu viel „eingedeutscht“ worden … und man verhaspelt sich an der kruden Macherei der Filmförderungen, die – wie die Lobbyisten im fernen Amerika bei der Gesetzgebung – auch hierzulande den Autoren und Regisseuren so lange reinreden, bis alles einheitlicher Mist ist, den man dann abliefert.

Dass es im Film um eine Hochzeit geht, verrät das Plakat bereits. Dass es die „traurigste Hochzeit überhaupt“ ist, die ich je in der Filmgeschichte gesehen habe, verrate ich euch jetzt. Die Farben irgendwie trist und kaputt, die Kulisse so la la, alles irgendwie ohne Seele und ohne Herzblut … einfach armselig. So etwas stimmt einen natürlich wahnsinnig traurig und liefert keinen guten Nährboden für einen fantastischen Film, sondern schrammt eher permanent an der Grenze zum Flop.

Dass dies aus plottechnischen Gründen gewollt ist, mag nun als plausible Ausrede herhalten können, jedoch wissen wir anhand des Originals, dass das auch besser geht.

Jemand muss rausfinden, was er zu tun hat, um aus der Schleife wieder zu entkommen? Hier werden allerlei Einfälle durchprobiert, die den Vielsehern im Kino eigentlich von Anfang an klar sind, weil man sich die Auflösung schon nach 10 Minuten zusammenreimen könnte und es im Endeffekt auch genau so passiert („Laaaaangweilig!“).

Eine gute Sache hat der Film: Die Auswahl der Musikstücke. Hier hat man echt Einfallsreichtum und Vielfalt bewiesen und immer neue Varianten herbeigeholt, die den ganzen Film über bestens unterhalten und auch so ziemlich jeden Musikgeschmack abdecken dürften. Genau das fühlte sich aber auch oft aus dem Zusammenhang gerissen an, da die Melodien so weit entfernt von dem Alter der jeweiligen Protagonisten entfernt waren, dass es fast schon unglaubwürdig erschien, dass eine solche Person tatsächlich diese Musik hören würde.

Sei’s drum: Der Versuch zählt.

Und eine Sache ist auch noch spannend: Es gibt Menschen, die den Murmeltier-Film tatsächlich nicht kennen. Und ich habe welche von ihnen gefunden. Die haben Hello Again gesehen und fanden ihn super gelungen, weil er eine große Bandbreite an Emotionen und Möglichkeiten abdeckt und es ihrer Meinung nach um „multiple Universen“ geht… dazu fallen mir aber unglaublich viele Hinweise und Argumente ein, die das widerlegen.

An dieser Stelle schick ich euch dann einfach ins Kino, denn gespoilert wird immer noch nicht – und dann können wir uns gern drüber unterhalten. Am besten, wenn ihr beide kennt: Das Original … und diesen Film hier.

Eine deutsche Kopie von Und täglich grüßt das Murmeltier mit grandioser Musikauswahl, trauriger Kulisse und einem Plot, der sich nach 10 Minuten selbst enträtselt. Menschen, die selten ins Kino gehen, haben daran gewiss Freude.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Bringt noch einige Szenen am Anfang, danach ist Schluss.

Kinostart: 17. September 2020

Original Title: Hello Again – Ein Tag für immer
Length: 92 Min.
Rated: FSK 6

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Enkel für Anfänger

Enkel für Anfänger - Filmplakat
© 2020 StudioCanal

Die Deutschlandpremiere ist lange her, der Kinostart liegt nun auch schon ein paar Monate zurück und dank Corona ist es dennoch möglich geworden, den Streifen trotzdem im Kino zu sichten. Überhaupt ist im Moment etwas passiert, von dem ich lange Zeit geträumt habe: Man kann einfach in die Lichtspielhäuser gehen und wird nicht etwa von Langeweile oder Kreativitätslosigkeit umspült, sondern erlebt ein Revival klassischer und moderner Filmvielfalt, dass sich die Balken nur so biegen. Ich möchte fast sagen, es ist eher schöner als vor Krisenzeiten.

Aus diesem Grund hab ich mich natürlich auch der Streifen angenommen, die jetzt wieder ins Kino kommen und die ich durch meine krankheitsbedingte Pause noch nicht rezensieren konnte. Dazu gehört u.a. Enkel für Anfänger, dem ich zuallererst mal das Prädikat „sehenswert“ attestieren möchte – und zwar aus einem Grund: Heiner Lauterbach.

Jap, dieser Kerl ist ein wahnsinnig angenehmer, sympathischer Zeitgenosse, den ich durch einige Faktoren sehr zu schätzen gelernt habe. In Der Fall Collini stiehlt er sogar Hauptdarsteller Elyas M‘Barek die Show und spielt alles und jeden an die Wand.

Vor einiger Zeit stieß ich beim Zappen dann mal in der ARD (yes 🤷🏼) auf den Film Ihr letzter Wille kann mich mal, den ich sowas von angenehm und überragend gut umgesetzt fand, dass ich auf die Suche nach weiteren Titeln mit Lauterbach gegangen bin und meine Meinung ändert sich auch bei Enkel für Anfänger kein bisschen.

Irgendwie schafft er es immer wieder, dem Film einen Charme zu verpassen, der einen im Kinosaal jede Argwohn gegenüber schlecht gemachtem, deutschen Kino vergessen lässt. Natürlich strapaziert man auch hier wieder die Gunst des Zuschauers und packt so ziemlich jedes üble Klischee deutscher Filmkunst in die Kiste, aber: Dieser Film hat definitiv seine Momente, und in allen davon ist Lauterbach ein Thema.

Auch einige Jokes und ulkige Szenen hat man im Drehbuch verankert, die ich ebenfalls gelungen fand und ihr dürft mir nun gern den Alterssenil-Stempel verpassen, wenn ich sage: Ja, man kann ihn sich wirklich ansehen, ohne dabei zu verzweifeln. Vielleicht werd ich aber auch doch bloß älter und krieg‘s nicht mit 😉

Großartige Schauspielkunst von Heiner Lauterbach: Der Mann kann definitiv spielen und ist ein Talent, der in diesem Streifen alles klischeehafte durch seine Anwesenheit und Art wieder raus reißt und dem Zuschauer ein wohliges Umfeld vergnüglicher Unterhaltung bietet. Auch wenn die Zielgruppe definitiv ARD ist: Auch im Kino funktioniert das Ding, wenngleich eine Matinée dafür wohl das beste Umfeld wäre – aber: er funktioniert.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 6. Februar 2020

Original Title: Enkel für Anfänger
Length: 104 Min.
Rated: FSK 6