Tag: Tom Holland

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle - Filmplakat
© 2020 Universal Pictures International

Anhand dieses Titels können wir zwei gravierende Merkmale des Filmbusiness festhalten:

  1. Etwas, das bereits einmal da gewesen ist, wird in Zukunft nicht zwingend besser
  2. Robert Downey Jr.s Charme unterliegt nahezu jeder.

Ja, mit ihm zu werben, ist ein genialer Geniestreich, denn das war auch der Grund, weshalb ich auf diesen Film heiß war: Ich wollte einfach nur wissen, wie sich dieser Mann in der neuen Rolle macht. So ziemlich jeder dürfte ihn als Tony Stark in der Avengers-Filmreihe kennen, eine Rolle, die ihm zeitlebens auf die Stirn getackert zu sein scheint. Brillanter kann man kaum werden.

Dr. Dolittle verbinde ich zuallererst mit Eddie Murphy, dessen übertriebenem Humor ich auch nicht sonderlich aufgeschlossen gegenüber bin, weswegen ich mich in der Vergangenheit mit diesem Film-„Franchise“ auch ziemlich wenig beschäftigt habe.

Und das, was ich befürchtet hatte, trat genau so ein: Man kann Downey eine professionelle Schauspielerei nicht aberkennen, jedoch stirbt um ihn herum alles andere durch zwar optisch gut gemachtes Aussehen, aber inhaltlich gleichbleibendes „Niveau“, das viel weniger spannend und unspektakulär daherkommt. Irgendwie driftet man fast wieder in Richtung Murphy: Durchgeknallt, absonderlich, merkwürdig – und damit kommt eben im Mainstream kaum jemand zurecht.

Für Kids mag’s zwar abenteuerlich sein, den 104sten Animated-Animal-Movie auf einer Leinwand zu bestaunen, und auch die Geräusch- und Soundkulisse kann sich an gewissen Stellen durchaus sehen lassen, jedoch hat man kaum etwas verpasst, wenn man den Film nicht gesehen hat: Der Twist ist belanglos und es reut einen fast schon, dass so viel enorme Rechenleistung und digitale Arbeit in so einen Plot-Langweiler gesteckt wurde.

182 Mio. US$ Einnahmen (Stand: Februar 2020) ist zwar ein kapitalistischer Grund, solch einen Film überhaupt zu drehen und ebenfalls ein schlagkräftiges Argument, dass gegen folgenden Wunsch spricht: Lasst bereits erzählte Geschichten doch einfach sie selbst sein und kümmert euch in der Zukunft um eigene Ideen: Damit tätet ihr den Zuschauern zumindest einen riesigen Gefallen.

Hier steckt viel CGI und teilweise bombastischer Sound drin, der das jüngere Publikum durchaus zu unterhalten weiß, allerdings zündet der Film in meinen Augen eher gar nicht und trägt mit viel Bekanntem und erzählerischer Langeweile auf. Schade eigentlich, denn der Hauptdarsteller ist zu so viel mehr fähig, wie wir alle bereits wissen.

Nachspann: ⚪️🔘⚪️ | Es kommt nochmal eine kleine Zwischensequenz, also rennt nicht direkt raus, sondern wartet ein wenig ab. Es lohnt sich 🙂

Kinostart: 30. Januar 2020

Original Title: Dolittle
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6


Onward – Keine halben Sachen

Onward - Keine halben Sachen - Filmplakat
© 2020 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH | Pixar Animation Studios

Es gibt eine Regel in der Filmbranche: Pixar produziert keine Flops. Klingt komisch, aber prüft’s selbst nach: Die Jungs und Mädels dieser Filmschmiede haben noch nie einen Kinoflop hingelegt.

Auch, wenn Disney die Zügel nun enger um die hauseigenen Labels schnallt und eben überall mit drauf stehen möchte (was mir zuallererst tatsächlich ein wenig Bauchschmerzen bereitete): Im Falle von Onward waren auch diese Zweifel einmal mehr unbegründet.

Und auch, wenn das Kinoplakat eher suggeriert, dass hier Unterhaltung für Kids und Junggebliebene geboten wird: Auch da darf ich euch freudig enttäuschen: Stimmt nicht. Denn als Erwachsener erlebt man genauso fulminante Action, eine wahnsinnig gut austarierte Erzählung mit emotionalen Höhen und Tiefen, die weitreichende Konsequenzen im Gefühlsleben des Zuschauers hervorrufen.

Und tatsächlich erwischte ich mich immer öfters während des Films, als ich dachte: Mann, hier wurde viel zu viel Energie und Leidenschaft und unfassbar harte Arbeit reingesteckt, um dieses Momentum zu erzeugen. Nicht nur grafisch fährt man Geschütze auf, die einer Leinwand tatsächlich würdig sind, sondern auch beim Ton und in punkto Humor liegt man ganz weit vorn und weiß das Kinopublikum zu begeistern.

Aus genau dem Grund sollte man unter keinen Umständen von der Chance Gebrauch machen, den Film bereits im VoD abzurufen, sondern sich tatsächlich raus trauen und ein Kinoticket für den Streifen lösen: Nehmt eure Geschwister, Eltern, Verwandte und Bekannte einfach mit – es lohnt sich!

Unglaublich gut erzählt, grafisch absolut top und auch der Sound und die erzählerischen Stärken punkten hier auf extrem hohen Level. Reingehen!

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Seichtes abdriften mit grafischen Präferenzen, jedoch ohne weitere Szenen oder Bildmaterial. Rausgehen erlaubt.

Kinostart: 05. März 2020

Original Title: Onward
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6


Spider-Man: Far From Home (3D)

Spider-Man: Far From Home - Filmplakat
© 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Ich bin spät dran, ich weiß. Dennoch läuft Spider-Man: Far From Home immer noch in allen Kinos und ihr tätet gut daran, ihn euch dort zu besehen – in 3D. Es ist nämlich nicht weniger als der beste Spider-Man aller Zeiten, und ich glaube selbst immer noch nicht so richtig daran, dass ich das noch erleben darf.

Spidey war immer der Charakter, der zwar von Marvel geboren wurde und überall seine Finger im Spiel hatte, jedoch fremd umgesetzt und damit mehr oder weniger verkackt auf der Leinwand landete und nirgends so richtig zündete.

Man mag von den vorherigen halten, was man will: Tobey Maguire war zu alt, Andrew Garfield meiner Meinung nach absolut fehlbesetzt und eher Riege Erwachsener und mit Tom Holland hat man nun endlich den Milchbubi, der Spidey auch in den Comics ist: Schüler, Kleinkind, Heranreifender und kein 35jähriger, den man mit Mühe auf jung gestylt hat.

Dazu kam das absolut erlösende, sich an den Schultern der Avengers emporschwingende Einbetten in eine funktionierende Leinwand-Familie, allen voran Tony Stark alias Robert Downey Jr., dem bis jetzt in dieser Rolle niemand das Wasser reichen kann und der plotbedingt eine genauso große Lücke auf dem Big Screen wie Stefan Raab im deutschen TV hinterlässt.

Durch diese Konstellation und die comicbasiert-animierte Miles Morales-Adaption hat man den Bann von Spider-Man scheinbar endlich gebrochen und fängt nun zum ersten Mal im Zyklus der Menschheitsgeschichte an, ihm wirklich einen funktionierenden und überraschend geilen Film zu spendieren: Far From Home – quasi der erste Spider-Man-Movie überhaupt.

Vergesst alles, was ihr bisher über ihn kanntet, erinnert euch daran, dass man euch dazu verpflichtet hat, die Story und Universen neu kennenzulernen und bedenkt, was ich euch schon damals gesagt habe: Marvel muss erstmal den Dreck beiseite räumen, den alle anderen vorher verzapft haben und kann dann beginnen, den Charakter zu retten, um letztendlich mit ihm zu spielen.

Und genau das haben sie getan: Aufgeräumt, Bühne geschaffen und mit Far From Home geht‘s nun endlich richtig los. Und damit treffen sie voll ins Schwarze: Die Kulissen sind absolut liebenswert und dürften hierzulande sowieso offene Türen einrennen, die Story-Elemente sind bravourös gewählt und überzeugen auf ganze Linie, der typische Marvel-Humor ist wieder vorhanden und zieht sich durch bis zur allerletzten Minute, der Cast ist hervorragend gewählt und selbst in Nebenrollen prima besetzt und verloren geglaubte Puzzlesteine erwärmen auf einmal in frischer Glückseligkeit des Cineasten Herz.

Eine neue Ära ist angebrochen, obwohl dies eigentlich das Ende der dritten Phase ist, und ich kann es kaum erwarten, dass es in diesem Tempo auf diesem filmischen Niveau so weitergeht.

Und wer vorzeitig den Saal verlässt, ist schlichtweg doof, weil ihr zwei gigantische und alles umwälzende Szenen verpasst, die selten von so großer Bedeutung waren.

Dolby Vision™
Über die Technik des Dolby Cinema™ brauch ich ja nicht mehr viel sagen: meiner Meinung nach kommt nichts an die Bildqualität dieses Kinos heran. Hier merkt man nun auch deutlich, dass CGI im Spiel ist und das durch schlechte Technik verstecktere Rumkruscheln ist dank der beängstigend hohen Auflösung nun nicht mehr möglich.

Dafür sieht man den Film in 3D enorm hell und absolut räumlich und erlebt beeindruckende Szenen, die ein noch tieferes Eintauchen in den Film ermöglichen und der Kulisse noch das gewisse Extra verleihen. So kommen wichtige Szenen des Films erst richtig zum Tragen, weil diese die Stärken des Dolby für sich ausnutzen und hier an oberster Front mitspielen.

Dolby Atmos™
Auch hier geht meiner Meinung nach nichts an der neuen Technik vorbei: Gerade in den Kampfszenen vermittelt man ein absolut mehrdimensionales Klang-Gebäude, was im Kino unbändig viel Spaß macht und dem sowieso schon enorm guten 3D zusätzlich eine klare Räumlichkeit verleiht.

Endlich ist er da: ein funktionierender, ehrlicher und nicht versemmelter Spider-Man, dem nichts mehr von den misslungenen Filmen der Vergangenheit anhaftet, sondern der sich auf Marvel-Niveau emporschwingt und dabei zum vielleicht besten MCU-Movie aller Zeiten wird. Der riesige Erfolg, den dieser Streifen bislang eingefahren hat, sei ihm aus allen Herzen gegönnt.

Nachspann: ⚪️🔘🔘 | Da es scheinbar immer noch nicht genügend Leute verstanden haben: Sitzen bleiben! Das bei Endgame war ein finales Plot-Ding, weswegen hinterher nichts mehr kam … ab sofort ist es wieder Marvel und darum: Es kommen noch zwei (ja, zwei !!) sehr lange Szenen – einmal mittig und einmal ganz am Schluss – also bitte bleibt im Saal, bis wirklich alles vorbei ist! Die Dinger sind sogar storytechnisch sehr relevant!

Kinostart: 04. Juli 2019

Original Title: Spider-Man: Far From Home
Length: 130 Min.
Rated: FSK 12