Die Misswahl - Der Beginn einer Revolution - Filmplakat
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Eine Sache, die mich schon immer gewundert hat: Dass thematische Sachen sich irgendwie anzuziehen scheinen. Oftmals sogar extrem übergreifend: Wenn an einem Tag zum Beispiel mehrere Pressevorführungen stattgefunden haben, teils von komplett unterschiedlichen Labels, waren die Inhalte des Films überraschend oft thematisch übereinstimmend.

In Anlehnung an meinen Beitrag von gestern geht es heute wieder um das Thema Rechte der Frau – und das soll keine langweilige Show und ermüdendes Fingeraufzeigen werden, sondern der nächste Punkt in dieser Kontroverse.

Niemals Selten Manchmal Immer hat sich eher mit der körperlichen Selbstbestimmung der Frau auseinandergesetzt, Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution ist nun tatsächliche Realität, denn diese Begebenheiten sind wahr und die Protagonisten darin echt.

Diesmal geht es um die öffentliche Wahrnehmung von Frauen, sowohl in den Medien als auch grundsätzlich in der Gesellschaft. Es ist ein bekanntes Problem, dass der Körper und das Erscheinungsbild einer Frau oft sexualisiert, objektifiziert und als Mittel in der Werbeindustrie eingesetzt wird und dies bei Männern definitiv nicht so der Fall ist.

Hierbei werden die Persönlichkeit und das Gesamtbild eines Menschen vollkommen beschnitten und auf die niedrigste Stufe der Wahrnehmung runtergebrochen, was nicht nur unethisch, sondern in höchstem Maße verwerflich ist.

Frauen sind ob ihrer anderen Körperformen keine minderwertigeren Geschöpfe, die deshalb weniger im Kopf hätten oder als Objekt für Fantasien und Vorstellungen benutzt werden dürfen. Dies sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein – jedes Individuum ist gleich – vor dem Gesetz und in seinen Rechten. Dieses Optimum einer Vorstellung dieser Welt ist weit entfernt von der Realität, in der eben immer wieder Unterschiede gemacht werden, die diese Menschen verletzen.

Dass die Medien hier eine tragende Rolle in dieser Angelegenheit spielen, steht außer Frage: Nirgendwo werden Frauen mehr verachtet, als in den darstellenden Medien.

Und die männliche Riege wundert sich, warum die Frauen sich beschweren – und kommen gleichzeitig nicht damit klar, wenn sie von Gays als „Männliches Objekt der Begierde“ wahrgenommen und angegraben werden. Genau diese Umstände erleben Frauen tagtäglich, in vielerlei Hinsicht. Es ist, als würden permanent die Alarmglocken schrillen und man müsste immer auf der Hut sein, weil einem hinterhergepfiffen wird oder irgendwelche dummen Sprüche zu einem rüber fliegen.

Ihr Männer wollt das nicht, die Frauen wollen das genauso nicht. Aber als Mann ruft ihr trotzdem über die Straße, grapscht Frauen an ihre Körper oder bedrängt und belästigt sie, nach dem Motto „Ihr wollt das doch auch“.

Nein. Wollen sie nicht.

Und genau diese Atmosphäre der Enteignung von Persönlichkeit und Würde füllt diesen Film. Er zeigt das schroffe, unerträglich harte Bild einer Welt, die – auch heute – für viele immer noch als normal betrachtet wird – und Leute, das ist sie nicht.

Tatsächlich haben sich diese Ereignisse bereits im Jahr 1970 abgespielt und der Film ist auch in dieser Zeitepoche angesiedelt und zeigt die Welt „von damals“. Das Erschreckende daran ist aber: 2020 – ganze 50 Jahre später – hat sich daran so gut wie rein gar nichts geändert. Es ist, als wäre die Welt in diesem Punkt nahezu stehen geblieben und die meisten Menschen wägen sich immer noch in den falschen Idealen von 1970.

Genau diesen Aspekt kreide ich persönlich dem Streifen ein wenig an, denn ich hätte mir viel mehr „Ausbruch“ und „Revolution“ gewünscht, bezogen auf die heutige Situation. Dass es damals aber schon ein Tabubruch war, wenn eine Frau etwas gesagt hat, verschärft die Situation eigentlich nur noch. Dennoch fährt man hier Avancen auf, die eben die Frau wieder als „unterwürfiges Stück“ präsentieren und nicht als selbstbewusste, aufrechte und würdevolle Person, die den Männern ebenbürtig entgegentreten kann und sollte.

Dass ein Film, der sich um die Rechte der Frauen kümmern möchte, selbst an solchen Problemen zu scheitern scheint, zeigt, wie brisant und extrem aktuell das Thema immer noch ist: Frauen haben immer noch nicht die gleichen Rechte und Voraussetzungen, um z.B. im Berufsleben ein genauso würdiges Leben und Fundament aufzubauen, wie es Männern gegeben ist.

Und auch in der Gesellschaft sehen viele Menschen „die Frau an der Seite des Mannes“ und nicht als eigenständiges Wesen, dass sogar die Vorherrschaft innerhalb einer Beziehung einnehmen könnte.

„Der Mann ist an der Seite der Frau und arbeitet ihr zu“ – merkt ihr? Fühlt sich komisch an, oder? Genau diese Denkstrukturen öffnen und ebnen den Weg hin zu einer Gesellschaft, in der Frauen niemals als gleichwertige Wesen angesehen werden können – und diese Umstände sollten nach 21. Jahrhunderten Menschheitsgeschichte eigentlich vollkommen anders sein.

Dass dieses Thema auf den Tisch kommt und die Frauen gewürdigt werden, die damals diese Revolution losgetreten haben, ist dem Film definitiv hoch anzurechnen – daraufhin müssen aber noch viele Diskussionen, Einsichten, Konversationen und Aufklärung folgen, um den Menschen als Ganzes klar zu machen, dass es tatsächlich Missstände gibt. Und es ist die Aufgabe von jedem einzelnen von uns allen, die so schnell als möglich auszuräumen und jedem Menschen ein würdiges, respektables und anständiges Leben zu ermöglichen.

Dieser Film zeichnet das schreckliche Bild der Entwürdigung eines kompletten Geschlechts und macht in seiner Weise auf die vielen Missstände aufmerksam, die eine Gesellschaft bis heute versäumt hat, endlich auszuräumen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 1. Oktober 2020

Original Title: Misbehaviour
Length: 106 Min.
Rated: FSK 0

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