Tag: Überfall

Der Schwarze Diamant

Uncut Gems - Filmplakat
© 2020 Netflix

In Zeiten wie diesen merken wir, dass sich manchmal weitreichende Änderungen im Alltag vollziehen, die nachhaltige und ausdauernde Wirkung haben. Die Corona-Pandemie ist ein Beispiel dafür, dass weltweit in das Leben von Milliarden Menschen eingegriffen wird und sich dadurch ganz sicher viele Gewohnheiten ändern werden.

Eine davon ist aktuell: Kinobesuche. Die finden dank bundesweit geschlossener Spielsäle derzeit konsequent nicht mehr statt. Und zwar für alle.

Ausweichmöglichkeiten? VoD. (Und dabei nebenher immer mal auf hilfdeinemkino.de vorbeischauen, um die Kinos für die Zeit danach zu unterstützen!)

Und irgendwie hab ich das schon geahnt, aus diesem Grund wurde die VoD-Rubrik in diesem Blog erschaffen. Ihr wisst, dass ich ein Fan von big screens bin und es immer begrüße, wenn man sich Filme auf der großen Leinwand mit Publikum anschaut – und genau das verhindert aktuell ein „soziales Projekt“ – die Pandemie.

Also streben wir nach den positiven Aspekten und danken dafür, dass in der Vergangenheit bereits Strukturen geschaffen wurden, die diese Kultur des Filmschauens nun am Leben erhalten und weiter vorantreiben können: Wir haben Netz, wir haben Kapazitäten, wir haben Diensteanbieter wie Netflix, die mit Förderung durch finanzielle Mittel Kreativschaffende unterstützen und vorwärts bringen und damit sogar das in die Jahre gekommene, konservative Entscheidungsmoratorium der klassischen Studios in Frage stellen.

Ich habe mir in der Vergangenheit schon immer gewünscht, dass mehr Netflix-Content in die großen Säle wandert, wie das zu dieser Zeit bereits die Amazon Studios getan haben. Gleichermaßen hat sich Disney (mit dem größten Content-Provider Twentieth Century Fox im Aufkauf-Schlepptau) nun ebenfalls der Streaming-Welt angenommen und somit existieren nun drei vitale, solide Unternehmen am Markt, die den Zuschauern den Filmcontent vor Augen führen und den Streaming-Bereich nun hoffentlich mit viel guter Unterhaltung bespaßen. Und der Zugang von Disney+ fördert nun hoffentlich auch ein wenig die Konkurrenz und belebt den Markt … in diesem Sinne: Alles richtig gemacht – und danke, dass es euch in diesen Zeiten gibt.

Aber kommen wir mal zum Film.

Uncut Gems, wie er im Original heißt, zählt nicht zu den klassischen Adam Sandler-Werken, die ja bekanntermaßen immer ein wenig fragwürdig waren. Ich kenne persönlich viele in meinem Umfeld, die seiner Art gegenüber sehr gespalten eingestellt sind. Der Schwarze Diamant ist diesbezüglich eine wahre Offenbarung, fast schon im Stil von Sicario: Man hockt davor und denkt sich: Fuuuuuuck, das ist doch niemals dieser Kerl!

Lasst euch von den ersten Minuten nicht abschrecken, die wirken sehr gestresst und ziemlich fordernd, ich hatte zumindest in der ersten halben Stunde so ein paar Schwierigkeiten mit der vorwärtsdrängenden Geschwindigkeit der Dialoge – es macht den großen Eindruck von Stress und Unruhe. Aber genau darin liegt die große Kraft, die von diesem Film ausgeht: Ich habe danach noch sehr lange darüber nachdenken müssen, weil hier wirklich extrem viel Stoff angesprochen wird, der sich in großen Zügen weltweit derzeit auch real irgendwo so abspielt: Diese Unruhe, Hektik und Unwissenheit vieler, das Vorwärtspreschen ohne Ziel und Verstand, unüberlegte Handlungen und falsche Rückschlüsse, die zu fataleren Folgen führen – all dies wird sinngemäß in diesem Film zum Besten gegeben und steht analytisch auswertfertig für den Zuschauer bereit.

Für Sandler ist es der sprichwörtliche Quantensprung: Ein Meilenstein seiner Karriere, der ungezügelt offenbart, wozu dieser Schauspieler fähig ist! An Filmen wie diesen merkt man, dass auch Netflix und Konsorten dazu in der Lage sind, brauchbaren Kino-Content zu generieren und man sich hierbei nicht vor den klassischen Hollywood-Studios verstecken braucht.

Gerne mehr davon!

Wirkt stressig und unruhig und offenbart sich als eines der größten Werke der Safdie-Brüder, die die revolutionäre Spielweise von Adam Sandler zum Besten geben – ein Meilenstein!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Kann man überspringen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 31. Januar 2020

Original Title: Uncut Gems
Length: 135 Min.
Rated: FSK 16


Roads

Roads - Filmplakat
© 2019 StudioCanal

Roadmovies befriedigen eine ganz spezielle Truppe von Zuschauern und lösen gleichermaßen beim Diskutieren oft starke Kontroversen aus: Viele Menschen können sich einfach nicht vorstellen, unterwegs zu sein. Und das, obwohl es fast schon ein Klischee ist, nach der Ausbildung / Schule erstmal ein paar Jährchen auf Reisen zu gehen und die Welt zu entdecken.

Als BahnCard 100-Besitzer gehört Reisen zu meinem Alltag und ich glaube, ich würde verrecken, wenn mir eines Tages mal die Möglichkeit genommen werden sollte, ständig woanders zu sein, ständig neue Dinge zu sehen, neue Menschen zu treffen und die Vielfalt dieses Planeten auf meine eigene Weise erkunden zu können. Diese Freiheit ist mit nichts zu ersetzen – und auch mit nichts zu bezahlen. Genau das bedeutet „Leben“ für mich – bzw. der Tod, wenn man es eines Tages mal nicht mehr können sollte.

Und genau da hoffe ich dann, dass möglichst viele Filme dieser Art existieren, die man sich auch als Rentner nach Hause (wo ist das?) liefern lassen kann, um wenigstens noch in der Seligkeit solcher Roadtrips zu schwelgen und das Gefühl im Kopf zu intensivieren, doch unterwegs zu sein.

Macke? – Yes. Und zwar nicht nur fürs Reisen, sondern auch für Fionn Whitehead.

Fionn Whitehead
Fionn Whitehead auf der Deutschlandpremiere von Roads im Kino International in Berlin

Dieser Kerl hat mich bei bislang allen Movies dermaßen durch seine Ausstrahlung und bloße Existenz überzeugt. Absolut sympathische Persönlichkeit, der in Roads zusätzlich noch ein überaus charmanter Charakter als Rolle angeheftet wurde, dass das Ding quasi schon ohne irgendwas sonst zu einem Erfolg führen muss.

Doch auch hier haben sich die Macher genügend einfallen lassen, um dem Ganzen etwas mehr Tiefe zu verleihen und eben nicht nur ein weiteres Movie der Art zu sein, das universitär über Lebensphilosophien sinniert und dabei dem Zuschauer das Gefühl gibt, ungebildet zu sein.

Und da fängt die oft in solchen Streifen keine Rolle spielende Story an, Wertigkeit aufzubauen, von Belang zu sein und Momente zu erzeugen, die nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern tiefgreifende Gefühle, Fragen und eigene Kontroversen aufrufen, mit denen man sich dann befassen kann.

Und das in einer absolut angenehmen, ruhigen und fast schon „auf Wohlwollen gefilterten“ Bildsprache, die ich jede Minute genossen habe.

Abschließend noch ein paar Eindrücke vom Roten Teppich am Kino International in Berlin bei der Deutschlandpremiere von Roads.

Bewegend, charmant, sympathisch und mit viel Charisma und Geist: Eine Geschichte, die noch einige Zeit nachhallt und definitiv zu den besseren ihres Genres gehört.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Szenen, Bilder oder weitere Elemente fehlen: Man darf den Saal also gern verlassen.

Kinostart: 30. Mai 2019

Original Title: Roads
Length: 99 Min.
Rated: FSK 6