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Petla

Petla - Filmplakat
© 2020 Kinostar Filmverleih GmbH

Hallo Geheimdienste, macht’s euch gemütlich… Kaffee?

So, da wir nun alle so hübsch beieinander sitzen ein paar kurze Worte über ähm… Realität.

Petla ist ein Film, wie damals Snowden, der voller Wahrheit und krasser Ungeschöntheit glänzt und deswegen im Hauptpublikum so richtig schön derb tief untergeht.

Warum? Denkt nach. Niemand möchte, dass Wahrheiten ans Licht kommen. Keiner möchte, dass Leute Zusammenhänge herstellen und niemand möchte für irgendwelchen Bullshit in der Öffentlichkeit grade stehen.

Und dennoch wundern wir uns an manchen Stellen immer wieder, warum so überdeutlich etwas schief zu laufen scheint, weshalb Menschen auf einmal ganz seltsam reagieren, warum manche (politische) Entscheidungen so völlig skurril und zusammenhanglos getroffen werden … und die Medien berichten darüber, kassieren ihren Lohn und interessieren sich 5 Stunden später nicht weiter dafür.

Das Volk übrigens auch nicht, das wird seit Jahren mit Informationen und Material geflutet, das hat gar keine Zeit und keinen Überblick mehr, um hier irgendwelche Korrelationen herstellen zu können.

Aber wir haben ja Petla. Der kümmert sich hervorragend darum. Zwar nicht um das Zeitproblem (so krass viel, wie da reingepackt werden musste, da ist auch in keinem anderen guten Film genügend Zeit), also hetzt man förmlich durch die Phasen und befindet sich nach der Geburt in Minute 1 bereits im Erwachsenenalter in Minute 5 und es wird dennoch nicht zwingend beruhigender.

Antoni Królikowski und Piotr Stramowski spielen mit einer derart harten Konfrontations- und Brutalitätstour auf, dass man meinen könnte, FSK 18 wurde nicht zu unrecht vergeben… ABER: Es ist viel viel schlimmer, als ihr alle denkt.

Der Film bricht richtig heftig in den Sumpf von blutiger Grausamkeiten, erzählt in kurzen Stücken, wie ein Mensch an gewisse Grenzen geführt werden kann und ist insofern ein unfassbar unterhaltsamer, fresher, über alle Maßen witziger Film, der das Publikum sofort mitreißt und sein Genre total unterhält.

Uns taten die Bauchmuskeln weh vom vielen Lachen, von der Heftigkeit der „Jokes“ und dem ganzen grausamen Brimborium … und ich muss euch an dieser Stelle ein klein wenig spoilern:

Der ganze Shit wird immer abgefuckter und ist einfach mal fucking real.

Es ist wahr.

Facepunch.

Die Welt ist grausam? Irgendwas schlimmes passiert? Blabla – alles schon mal gehört.

Geht fucking nochmal in diesen Film und schaut einmal hin. Glaubt mir, es ist witzig … und gleichzeitig ein heftiger Schlag in die Fresse.

Denn: Anschließend geht ihr ins Netz und schlagt nach, recherchiert einige Zeitungsbeiträge von seriösen Medien (und damit meine ich keine BILD-Pendants aus der Schweiz) und dann fällt euch einiges auf.

Patryk Vega ist in Polen mittlerweile ein gefeierter Regisseur (verdient!) und hat im Presseheft zum Besten geben, dass er Einblicke in die Materialien hatte – also das Originalmaterial … und daraus einen Film gemacht, der einem den „Spielfilm“ nur vorgaukelt, weil so eine Scheiße sowieso niemand glauben würde.

Und nachdem ihr dann aus dem Film raus seid, fragt ihr euch mal, wieso die beiden sich auf der öffentlichen Bühne immer so „seltsam“ begegnen…

Wer?

Russland.

Und die USA.

Und dann zählt 1:1 zusammen und legt euch den Film in euer Regal. Ist quasi ne „Gebrauchsanweisung“, um heutige Korrelationen zu verstehen, die sich da draußen abspielen. Alles deutet darauf hin, dass genau die beiden gemeint sein könnten.

Der witzigste Facepunch, den ich je in meine Cinema-Fresse gekriegt habe… mit einer unerträglichen Dosis Wahrheit: Noch nie haben menschliche Abgründe so viel Spaß gemacht und gleichzeitig so heftig weh getan.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht nicht weiter abgewartet zu werden, irgendwann reicht’s.

Kinostart: 10. September 2020

Original Title: Pętla
Length: 105 Min.
Rated: FSK 18

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Little America (Season 1)

Little America - Serienplakat
© 2020 Apple TV+

Apple – ansässig im amerikanischen California – repräsentiert schon seit jeher den amerikanischen Traum: Aus dem dreckigen Slum eines verarmten, belächelten Landes irgendwo im Nirgendwo aufbrechen, nach Amerika kommen und dort zu etwas werden.

Was ich als Kind mit der hiesigen Flagge dieses Landes kombiniert habe, konnte man im Verlaufe der Zeit immer wieder in Präsentationen zwischen den Zeilen vernehmen, z.B. anhand der Auswahl der Bilder, die in verschiedenen Keynotes preisgegeben wurden.

Little America ist nun eine Zusammenstellung von acht kleinen Geschichten, die eben jenen amerikanischen Traum repräsentieren und dabei ebenso beispiel- wie klischeehaft darstellen, wozu dieses „großartige Land“ alles in der Lage ist.

Das Augenmerk sollte man als Zuschauer hierbei vielmehr auf die unterhaltenden Komponenten als die geistige Reife richten, denn die Geschichten basieren zwar allesamt auf wahren Begebenheiten, wurden jedoch durch die übliche „Für’s Kino tauglich machen“-Maschine gefleischwolft.

Auch hier erkennt man wieder, dass in punkto Medien, Musik und Ästhetik bei Apple gewisse Vorstellungen und Standards existieren, von denen man kaum abweicht. Davon zeugt nicht zuletzt die angebotene Medialwucht in Form von 4K, Dolby Vision™ und Dolby Atmos™. Auch mit der Kamera hat man sich wieder wunderbar durch die Szenen bewegt, was in meinen Augen im Entertainment-Sektor jedoch keinerlei Bedeutung hat, sofern ein wichtiger Bestandteil nicht funktioniert: Die Erzählung.

Hier stottert man gehörig und hapert mit dem eigenen Wunsch, aus dem Boden hervorzubrechen und in voller Blüte aufzugehen: Die Dialoge sind langsam, die Emotionen fast statisch und so mancher Darsteller erinnert in seinem Handeln einem duschästhetisierten Roboter, der seine genauen Anweisungen präzise erfüllt.

Dies sorgt im Bauch des actioneifrigen, emotionsbeeinflussbaren Cineasten für reichlich bürokratische Kälte und macht das alles ein wenig überflüssig: Man sieht sich diverse Male dem Wunsch gegenüber, einfach abzuschalten und es als „belanglos“ abzutun.

Geschichten dieser Art kennt man inzwischen zur Genüge, also muss etwas her, das den einzelnen Episoden Spitzigkeit und frischen Pep einverleibt, damit der Zuschauer nicht müde drauf rumkaut, sondern es kaum erwarten kann, endlich die nächste Folge zu starten.

Die einzige Episode, die mich wirklich einigermaßen unterhalten hat, war Nr. 4 „The Silence“: Hier konnte ich viele Male echt lachen und hatte meinen Spaß dabei. Der Rest war so la la und in meinen Augen keiner großartigen Erwähnung würdig. Jedoch läuft die Serie anscheinend so gut, dass Apple bereits eine zweite Staffel angekündigt hat. Na mal sehen, ob das dann besser wird.

Wer nicht absolut patriotisch besessen von konservativen Länderklischees ist, wird hierbei nicht so recht seine Freude finden: Die Charaktere sind zwar alle den echten Vorbildern nachempfunden, agieren aber zu statisch und unwirklich, um ihren Handlungen echten Glauben abzuverlangen. Die Optik ist herausragend, inhaltlich bewegen sich die einzelnen Folgen aber eher auf niedrigem Niveau.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, es kommen keine weiteren Szenen.

Streaming auf Apple TV+: 17. Januar 2020

Original Title: Little America
Length: 8 Episodes à 32 Min.
Rated: FSK 12