Tag: Vater-Sohn-Beziehung

Master Cheng in Pohjanjoki

Master Cheng in Pohjanjoki - Filmplakat
© 2020 MFA+ FilmDistribution

Was ist das Problem mit unaussprechlichen Filmtiteln? Die Mundpropaganda versagt.

Sagt einfach Master Cheng – dann sollten alle Bescheid wissen. Aber: Geht rein… dann wisst ihr nämlich selbst, warum dieser Streifen empfehlenswert ist.

Man nimmt sich nicht mal einfach nur Zeit, um die ganze Krankheit unserer Ära und der Welt für ein Weilchen zu vergessen, sondern serviert mit viel Liebe, Drama und natürlicher Schönheit ein Leben jenseits von Tod und Verderben. Master Cheng in Pohjanjoki zählt zu den Werken, bei denen man sich gemütlich zurück ins klimatisierte Kino verziehen, die Füße hochlegen, ein eiskaltes Getränk genießen und die Show verlustieren kann: Man findet definitiv zurück zu seiner inneren Gemütsruhe und seelischen Ausgeglichenheit und hat das Gefühl, dass alles wieder gut wird.

Dass dabei in so vielen unterschiedlichen Gefühlslagen geschwärmt, gelobt, geliebt und zelebriert wird, eröffnet für den Zuschauer ein Bad voller positiver Gefühle. Man merkt so oft, wie zielgerichtet die Macher hier auf die pure Romantik und emotionale Verliebtheit zurückgegriffen haben, denn manchmal braucht es gar keinen Plot, sondern allein die Bildeinstellungen und Natureindrücke reichen, damit es einem in diesen Momenten einfach nur gut geht.

Untermalt ist diese ausgelassene Gemütlichkeit von dem filigranen finnischen Charme, den man schon aus so manch anderem Streifen kennt, der hier aber so unterschwellig und fundiert auftritt, dass nicht das Gefühl von verkrampftem Humorzwang aufkommt, sondern man hat echte Glücksgefühle bei der Sache und kann sich voll in die Story abgleiten lassen.

Und wenn ihr danach Hunger habt: Wie wär‘s mit asiatisch? 😉

Mit sehr viel Liebe, Romantik und natürlicher Schönheit umhüllt man die Seele des Zuschauers und sorgt für ein ausgeglichenes, seelisches Gleichgewicht – ein Film, den man sich definitiv nicht entgehen lassen sollte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 30. Juli 2020

Original Title: Mestari Cheng
Length: 114 Min.
Rated: FSK 6


Takeover – Voll Vertauscht

TakeOver - Filmplakat
© 2020 Warner Bros. Ent.

Heiko und Roman Lochmann – vielen auch besser als Die Lochis bekannt – können inzwischen auf eine recht ansehnliche Karriere im medialen Business zurückblicken, die sie sich durch YouTube aufgebaut haben.

Zum Erfolgsrezept gehört auch, dass die beiden einigermaßen gut singen können und damit ihr Zielpublikum (kreischende Teenies im Vorjugend-Alter) sehr wohl erreichen. Nachdem man vor einigen Jahren bereits mit Bruder vor Luder ein klares Kinostatement abgegeben hatte und auf den damaligen „Wir machen jetzt auch Kinofilme“-Hype aufgesprungen war, kommen sie diese Woche mit TakeOver – Voll Vertauscht zurück auf die Leinwand und haben dabei auch einige nennenswerte Elemente im Gepäck.

Ich muss erwähnen, dass hier ganz klar ein sehr spezielles Publikum angesprochen wird und man die deutlichen Anzeichen dieses „YouTube-Lebens“ auch im Film jederzeit spüren kann. Die üblichen Sponsoren, ganz klares Product-Placement, Hinweise und eben alles, womit der Alltag von erfolgreicheren YouTubern gepflastert ist, sind auch im Film allzeit präsent und hinterlassen den ein oder anderen faden Beigeschmack. Aber sei‘s drum.

Und auch die familiäre Bruder-vor-Luder-Botschaft ist diesmal wieder vorne mit dabei, wenngleich der cineastische Einfluss (und damit die geschichtliche Erzählung) viel mehr im Vordergrund steht und man sich jetzt eben mehr aufs Schauspielern und weniger aufs „Geil, ich bin tatsächlich auf der Leinwand“ konzentriert. Natürlich kann man hier keinerlei internationale (oder nationale) Vergleiche heranziehen, mit denen sich der Film messen lassen könnte, sondern das Paralleluniversum, in dem manche YouTuber zu Hause sind, ist auch hier das Maß aller Dinge.

Dennoch kommt die Moral von der Geschicht‘ ziemlich gut ausgearbeitet und sehr unaufgeregt rüber – und das kann ich durchaus begrüßen. Nachdem sich die Kids an ihren „Idolen“ sattgesehen und genügend Bubis und Girlies bewundert haben, driftet man langsam in den emotionaleren Teil und arbeitet für ethische Weltansichten, die es tatsächlich wert sind, genannt und als Weisheit mit auf den Weg gegeben zu werden. Das nimmt dem üblichen „Mein Gott“-Gefühl, welches bei dieser Art Movies oft sehr schnell aufkommt, den Wind aus den Segeln und der übliche emporsteigende Unmut fließt relativ schnell in „Okay, gar nicht so schlecht“ über.

Ja, ich würde jetzt niemandem empfehlen, zwingend da rein zu rennen und sagen: Hallo, ihr verpasst was, wenn ihr das nicht gesehen habt … nein … aber ich sage: Es ist definitiv nicht so schlimm, wie man erwartet, sondern am Ende sogar ein klein wenig herzlich.

Dennoch: Der Einfluss dessen, worin die beiden Jungs aufgewachsen sind, ist überdeutlich zu spüren und auf eine Stufe mit „richtigen Kinofilmen“ sollte man seine Erwartungen hier auch nicht schrauben, dann ist auch dieser Plot durchaus erträglich.

McDonalds, Mercedes und kitschiges Klischeeleben … aber eben auch eine Vermittlung guter Werte und eine Moral, die sich sehen lassen kann. Ich selbst bin bei dieser Generation schon wieder out, aber wer weiß: Vielleicht lässt sich für die Zukunft ja doch noch einiges retten. Kein Meilenstein, aber auch nicht die Enttäuschung, die man erwartet hätte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Nach der Abblende auf die Endroll braucht man nicht weiter warten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 2. Juli 2020

Original Title: TakeOver – Voll Vertauscht
Length: 87 Min.
Rated: FSK 0


Ip Man 4: The Finale

Ip Man 4: The Finale - Blu-ray Packshot
© 2020 Koch Films

Auch, wenn sich der Name in der asiatischen Filmgeschichte längst einen Namen gemacht hat – für alle anderen hier nochmal ein kurzer Rückblick:

2008 startete man mit dem ersten Ip Man, zwei Jahre später folgte dann Ip Man 2 und 2015 wurde die Reihe mit Ip Man 3 fortgeführt.

Die Geschichte des echten Ip Man wurde zudem noch mit weiteren Filmen gekürt, die jedoch mit der Original-Reihe nichts am Hut haben: Ip Man Zero, Ip Man: The Final Fight und Master Z: Ip Man Legacy.

Letztes Jahr kam dann Ip Man 4: The Finale ins Kino, der wiederum an die ersten drei Teile der Original-Filmreihe anschließt und diese auch vervollständigt.

Dank der „Krise“ haben Kinoliebhaber nun die Chance, alte Streifen wieder auf den großen Leinwänden bewundern zu dürfen, denn man bringt vieles aus der „Already published“-Kiste wieder zum Vorschein und lässt es erneut über die Beamer der Kinos flimmern: Zu unser aller Freude.

So auch geschehen mit Ip Man 4: The Finale, der die Chronologie mit einem Paukenschlag beendet und an die modernen Gepflogenheiten der westlichen Hemisphäre anschließt und altbekannte (und -berüchtigte) Bruce Lee-Action zurück auf den großen Screen wirft.

Ich für meinen Teil habe damals Master Z: Ip Man Legacy bewundern dürfen und war recht angetan von den durchchoreografierten Vibes, die dieser Film im Großmaß versprühte.

Ip Man 4: The Finale hält sich hier wieder etwas mehr zurück und devotiert sich der chinesischen Machthaber-Strategie, die Ideologien dieses Landes weltweit vertreten zu sehen, auch wenn man sich jetzt in westliche Gefilde vorbewegt. Dennoch haftet dem Film eine zu sehr offensichtliche Regierungspolitik an, die eben das ethische Wesen Chinas nicht wirklich repräsentiert, sondern zu sehr auf politische Interessen schielt.

Das dürfte die Fans asiatischer Kampfkunst aber recht wenig scheren, denn der Spirit Lees ist auch hier allgegenwärtig und versprüht seinen üblichen Leinwandcharme, als wäre nie etwas gewesen.

Als Fan dieser Geschichte / Filmreihe sollte man definitiv die Chance nutzen und die Magie des Kinos wieder wirken lassen: Nichts kann einen Film besser umschlingen, als die großen, düstren Weiten eines gemütlichen Kinosaals.

Nachspann: 🔘🔘⚪️ | Im Stile von Final Destination gibt man sich nochmals die Ehre, nach der Blende auf die bekannte Textroll kann man den Saal verlassen, hier folgen dann keine weiteren Szenen mehr.

Kinostart: 05. März 2020
Heimkinostart: 17. September 2020

Original Title: IP Man 4: The Finale
Length: 105 Min.
Rated: FSK 16