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The Wild Pear Tree

The Wild Pear Tree - Filmplakat
© 2020 Kinostar Filmverleih GmbH

Dieser Film macht vor Beginn bereits mit satten 188 Minuten Laufzeit eine Ansage, die ihn schlagartig ins Milieu des Genrekinos befördert, das sich sein eigenes Publikum aussucht und von einer die Gesellschaft durchstreifenden Befriedigung nichts wissen will.

Und die Zeit, die es vom Besucher abfordert, nimmt sich der Film selbst auch und zelebriert in jeder Szene ganz ruhig sein eigenes Wesen. Der Effekt: Man kann nahezu naturgetreu in die Story eintauchen und spürt das Wesen, dass die Schreiber der Story vorwärts trieb. Man merkt sehr schnell, dass es hier weder um Action, Blödelei oder andere Dinge geht, die man hierzulande normalerweise aus dem türkischen Kinosegment kennt. The Wild Pear Tree säuselt auf einer ganz anderen, melodramatischen Schiene und nimmt sich dabei auch der sanften Züge der Natur an. Untermalt in wunderschönen, warmen Brauntönen zeichnet der Regisseur Nuri Bilge Ceylan hier ein Bild der modernen Türkei und setzt sich mit den modernen Fragen des Seins auseinander.

Der Spirit von intellektueller Philosophie ist stets allgegenwärtig, auch wenn man dabei nicht in für den Zuschauer stets abgehobene, nicht nachvollziehbare Sphären abdriftet, sondern immer wieder am Leben der heutigen, heranwachsenden Generation orientiert bleibt.

Damit generiert man auch für alle anderen eine Aura der Selbstfindung, die sich in immer neuen Pointen widerspiegelt, in die der Film im Verlauf der Zeit vordringt und sie aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Nach diesem abendfüllenden Werk kann man mit Fug und Recht behaupten, durchsättigt zu sein, denn man tritt mit einer gewissen Schwere den Gang nach Hause an, die jedoch alles andere als negativ ist. Man könnte sagen: The Wild Pear Tree ist eine herausfordernde Aufgabe, die einen während der Durchführung keineswegs alleine lässt, sondern stets umhüllend und liebevoll begleitet und zu einem wunderbaren Ende findet, das in einer gewissen geistigen Befriedigung mündet, die genau diesem Genre gewachsen ist und seine Liebhaber wesentlich mehr erfüllt, als Besucher des Mainstream-Kinos.

Mit 3:08 h ist The Wild Pear Tree ein Film, auf den man sich wirklich einlassen muss und der den ganzen Abend für sich beansprucht. Getaucht in zarte Töne, warme Farben und hochsensible Empfindungen durchstreift man hier die Selbstfindung und orientiert sich dabei an der türkischen Moderne. Ein Film, der Zeit braucht, sein gezielt ausgewähltes Publikum aber auch nicht enttäuscht.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Aufstehen erlaubt, hier folgen keine weiteren Szenen oder Bilder.

Kinostart: 18. Juni 2020

Original Title: Ahlat Ağaci
Length: 188 Min.
Rated: FSK 6


Zwischen den Zeilen (inkl. Gewinnspiel)

Zwischen den Zeilen - Filmplakat
© 2019 Alamodefilm

Hinweis: Unter dem Beitrag findet ihr ein Gewinnspiel, bei dem 2×2 Freikarten für den Film verlost werden.

Um Zwischen den Zeilen wirklich verstehen zu können, sollte man ihn am besten gleich zwei Mal anschauen. Das Thema ist äußerst brisant und eine viel diskutierte Frage, zu der dieses Meisterwerk an Sprach- und Literaturkunst gleich mehrfache Antworten gibt, die sich dabei an keiner der vorherigen Fallen aufhalten, sondern gezielt und unumwunden allen bekannten Hindernissen ausweichen und somit erfrischend anders sind, als man es bisher so kennt.

Hier geht es um Tradition. Und Erneuerung. Moderne. Und Klassik. Um die „Alten“ und das „Neue“. Und dabei wurde wirklich nichts ausgelassen, was der heutige Bürger sein Alltägliches nennt. Der Umfang ist wahrlich so reichhaltig, dass ich behaupten möchte, jede*r meiner Leser*innen wird sich hier irgendwo wiederfinden.

Und genau das tat mir ungemein gut: Eine geschundene Persönlichkeit, wenns um traditionelle Werte geht und man vehement moderne Technik ausgrenzen möchte – gleichermaßen jemand, der lieber zu Zeitung und Papier greift und den Digitalismus sich selbst überlässt. Zumindest zeitweise.

All die angesprochenen Problematiken hab ich persönlich bereits hinter mir und nächteweise darüber gegrübelt, wie ich nun meine ganz persönliche Zukunft diesbezüglich gestaltet sehen möchte.

Was Zwischen den Zeilen in meinen Augen auszeichnet, ist, dass der Film erstmal sich selbst absolut entspricht und extrem viel Material „zwischen den Zeilen“ liefert, sowohl was die Story und den Plot als auch die Entwicklung der Charaktere in der Geschichte angeht, als auch, was gewisse Grundsatzfragen bezüglich Literatur und Wort betrifft.

Genau da empfand ich die zweite Vorstellung als extrem hilfreich, weil man die Story diesmal dann „ausblenden“ konnte, um sich wirklich auf die Fakten zu konzentrieren, mit denen in diesem Streifen wahrlich nicht gegeizt wird: Die Konversationen prasseln in einer derart schnellen und gehaltvollen Intensität auf einen herunter, dass man sich wirklich konzentrieren sollte, wenn man den Saal betritt, und Zwischen den Zeilen definitiv nicht als gemütliches Beiwerk zum Abend betrachten.

Was mich ebenso begeistert hat, ist die wunderbar blumige Vielfalt an vertretenen Meinungen, die immer wieder herrschaftlich ausgebreitet und dem Zuschauer damit als offene Diskussionswiese mitgegeben werden: Man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gehabt, dass die Macher es allen Recht machen wollten, sondern findet sich vielmehr in einer aktiven, von Diversität geprägten und verbalkonzentrierten Unterredung, in der solche Probleme angesprochen und mit starken Argumenten pro und contra vertreten werden.

Worauf ich Bock hätte: Diskussionsrunden nach diesem Film. Doch dafür müsst ihr ihn erstmal gesehen haben – und das geht am besten mit dem

Gewinnspiel

Zwischen den Zeilen - Freikarten
© Layout & Gestaltung der Freikarten by Alamodefilm

Alamodefilm hat für meine Leser*innen ein ganz besonderes Angebot: Mir wurden 2×2 Freitickets für den Film überlassen, die ich hiermit an euch weiter verlosen darf.

Diese können von dem/der Gewinner*in bis einschließlich 7. Juli 2019 in allen einsetzenden Kinos – ausgenommen der CineStar-Gruppe sowie Einzelhäuser – eingesetzt werden.

Was ihr dafür tun müsst?

Kommentiert bis einschließlich Montag, 10. Juni 2019 unter diesem Beitrag, ob ihr gerne lest und welches bisher euer liebstes Buch war.

Vergesst dabei nicht, eine gültige E-Mail-Adresse anzugeben, unter der ich euch erreichen kann, um eure Adressdaten abzufragen, damit ich euch die Karten im Gewinnfall auch zuschicken kann.

Diese Daten werden selbstverständlich nur zum Versand verwendet und anschließend wieder gelöscht.

Weiterhin gelten die üblichen, vernunftbasierten Gewinnspiel-Bedingungen: Keine Barauszahlung, keine Doppeleinträge und ähnliches sowie kein Anrecht auf den Gewinn. Der oder die Gewinner*in wird von mir persönlich nach randomisiertem Zufallsverfahren ausgelost und anschließend via E-Mail benachrichtigt.

Nun drücke ich euch die Daumen, wünsche viel Glück und: Watch your inbox 😉

Unglaublich gehaltvolles, inhaltsreiches und wortgewandtes Duell verschiedenster Positionen in einer durchtriebenen Geschichte, die ihren Höhepunkt in häufig auftretenden Konversationen findet, die volle Aufmerksamkeit erfordern und den suchenden Geist immens erfreuen.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Fängt bebildert an, braucht aber nicht abgewartet zu werden, nach der Schwarzblende kommen keine weiteren grafischen oder verbalen Impressionen.

Kinostart: 6. Juni 2019

Original Title: Doubles Vies
Length: 107 Min.
Rated: FSK 6