Tag: Verrat

Königin

Königin - Filmplakat
© 2020 SquareOne Entertainment GmbH

Königin ist Dänemarks Oscar®-Beitrag – und das zu Recht. Mit erzählerischer Wucht und dramatischem Volleinschlag dringt man hier tief in die Abgründe von Lust, psychischer Gewalt und Verantwortung vor, getragen von den unsteten Machtverhältnissen, die sich zwischen Menschen unweigerlich immer wieder neu ordnen.

Dabei erlebt man eine aufrüttelnde, packende und tiefgehende Geschichte, die zeitgemäß umgesetzt ist und mit so mancher Einstellung tatsächlich an diverse Grenzen stößt und das Publikum ein wenig herausfordert.

Man lässt hierbei auch viel Spielraum für Interpretationen im Kopf, die zuweilen in mentaler Unzufriedenheit enden. Es ist nicht ganz einfach, den Film durchzustehen, ohne das ein oder andere Mal voller Aufregung in die Sessellehnen zu kneifen, weil es zum Teil unerträglich ist, mit welchen Methoden man hier zurecht kommen muss – und auch das Ende löste bei mir passiv-aggressive Anfälle aus, die jedoch Teil des Plans sind und damit den Film zu einem sehenswerten Event machen. Es wäre ein Fehler, ihn nicht gesehen zu haben!

Da es ein Oscar®-Anwärter ist, sollte man eigentlich nicht mehr dazu sagen müssen, außer: Reingehen! Wäre er schlecht, wäre er niemals in dieser Liga aufgetaucht!

Nachspann: 🔘🔘⚪️ | Wer Zeit zum Nachdenken braucht, darf in die Ruhe einsinken, die der Abspann bereit hält … man wird wunderbar daraus wieder entlassen. Nur als Tipp 😉

Kinostart: 5. Mai 2020 auf VoD

Original Title: Dronningen
Length: 127 Min.
Rated: FSK 16


Und der Zukunft zugewandt

Und der Zukunft zugewandt - Filmplakat
© 2019 Neue Visionen Filmverleih GmbH

Ist das eigentlich jemand inzwischen aufgefallen? Die Öffnung der Grenzen innerhalb der Bundesrepublik Deutschlands feiert demnächst 30jähriges Jubiläum und im Zuge dessen kommen immer mehr Dokus und Filme auf die Leinwand, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen und die historisch einmaligen Ereignisse erneut dokumentieren.

Was ich von dieser geschichtlich immer wiedergekäuten Dauerbeschallung im Fernsehen halte, wisst ihr: Ich glaube, es ist noch kein Tag vergangen, an dem mal keine Hitler-Doku im Fernsehen ausgestrahlt wurde – und noch keine Stunde irgendeines Tages, an dem man sich nicht auf die ein oder andere Weise mit diesem Thema beschäftigt hätte.

Dass diese zumeist absolut schlecht gemacht sind und man als „cooler Jugendlicher“ kaum Lust hat, sich so ernsthaft damit auseinanderzusetzen, versteht sich da fast schon von selbst.

Und jetzt kommt Und der Zukunft zugewandt – schon der Titel mit den richtigen Assoziationen: Vergangenheitsbewältung und -aufarbeiten im großartigen Stil, das eben nichts mit den historisch ausgelutschten Aussagen zu tun hat, sondern „neue“ Vorfälle ans Licht bringt, die das Problem im Kern beleuchten: Ein System, dass damals als „perfekt“ angepriesen wurde, unter dem eine Vielzahl an Menschen gelitten haben, was auch bis zum heutigen Tag immer noch nicht in Gänze von vielen verarbeitet wurde.

Und hier leistet das Werk Großartiges: Die Geschichte ist tatsächlich passiert und wurde im Rahmen einer Polizeiruf 112-Aufzeichnung dem jetzigen Regisseur zugetragen, der davon dann nicht abließ und die Story erzählen wollte.

Und glaubt mir: Es ist spannend und zeugt von Integrität menschlich-ethischen Verhaltens, die auch kein System brechen kann … und wenn es erst Jahrzehnte dauert, bis so etwas ans Tageslicht kommt.

Und noch ein spannender Fakt: Die Dame, die das alles betrifft, hat im Film sogar eine eigene Rolle bekommen, auch wenn sie sich nicht selbst spielen kann, da die Vorfälle ja ein paar Jahre zurückliegen.

So muss in meinen Augen historische und gesellschaftliche Aufarbeitung aussehen: Themen ans Tageslicht zu bringen, deren wahrer Kern unbestreitbar ist und die Aufklärung in die Runde werfen, die für alle verständlich und vor allem auch spannend inszeniert wird, damit auch die jüngeren Generationen, die diese Ära nicht miterlebt haben, Interesse daran haben, sich damit auseinanderzusetzen.

Das schafft Wissen, was wiederum dafür sorgen kann, dass derartige Aktionen nicht nochmal gestartet werden, auch wenn politisch gesehen derzeit alles danach aussieht.

Und da weder Schulen, noch einige Medien, noch Politiker oder andere öffentliche Personen großartiges Interesse daran haben, hier im großen Stil derartige Wissensbildung vorzunehmen, darf wieder einmal Kino als grandiose Plattform dafür herhalten, um flächendeckend dafür zu sorgen, dass auch neue Generationen über alte Fehler unterrichtet werden und die Zusammenhänge nun easy verstehen können.

Dann sind es auf einmal nicht mehr nur irgendwelche Satzfetzen, die jeder schonmal irgendwo gehört hat, deren Zusammenhang oder Tragweite aber keiner so richtig versteht, der sich nicht näher mit der Materie auseinandergesetzt hat. Dann sind es nicht mehr Mutmaßungen, die einfach da waren, weil jeder immer so reagiert bei dem Thema, ohne zu wissen, warum.

Dann ist es ein Vorfall, der überdeutlich schildert, was an der ganzen Sache dran – und gravierend falsch war, was auf einmal andere logische Konsequenzen im Kopf schafft und ein völlig neues Bild auf die deutsche Geschichte richtet.

Damit schafft man Fakenews aus der Welt, damit schafft man irrationale Behauptungen aus der Welt, damit sorgt man dafür, dass die Menschen ihren eigenen Kopf benutzen und anfangen, nachzudenken.

Damit hätten neuartige Geschwüre geistiger Umnachtung keine Chance mehr, in diesem Land so zu gedeihen, wie sie es derzeit tun.

Also: Geht bitte rein! Und nehmt so viele Leute mit, wie ihr finden könnt.

Pflicht! Dieser Film leistet Aufarbeitung historischer Wunden und erklärt ein missratenes System auf extrem spannende Weise, die auch heutigen Generationen völlig easy verdeutlicht, warum eine solche politische Hierarchie nie wieder entstehen darf! Großartig!

Nachspann: ⚪️⚪️ | Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 05. September 2019

Original Title: Und der Zukunft zugewandt
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12


Geheimnis eines Lebens

Geheimnis eines Lebens - Filmplakat
© 2019 Entertainment One Germany GmbH

Judi Dench ist eine Größe auf der Leinwand, egal, mit was man sie beauftragt – ihre Persönlichkeit und ihr Charme reißen das Ruder in jedem Fall auf Seiten der Sympathie und des Mitgefühls mit ihrem Charakter. Wenn man nun bedenkt, dass diese Frau fast blind ist und darum Schauspielern für sie quasi mittlerweile absoluter Nonsens, ist es erstaunlich, wie man sie in Geheimnis eines Lebens inszeniert. Klar wurde ihre Rolle entsprechend so angepasst, dass sie keine Verfolgungsjagden auf in 6 Meter hoch installierten Reckbarren mehr durchführen muss, sondern quasi mehr oder weniger „nichts schief“ laufen kann, wenn man allerdings nichts davon weiß, dass diese Frau tatsächlich kaum etwas sieht – Wahnsinn, mit welcher Performance sie da einfach mal um die Ecke schneit.

Der Plot des Films haut einen jetzt nicht sonderlich vom Hocker, sondern wäre in anderen Streifen wohl eher nur eine beiläufige Selbstverständlichkeit. Daraus ergibt sich jetzt keine zwingende Pflicht, seinen Filmschatz tatsächlich um diese Geschichte zu erweitern, was wiederum nicht bedeutet, dass diese Wahl die schlechteste wäre.

Wer gerne in diesen Metiers verweilt und sich mit derlei Geschichten gerne umgibt, findet hier einen toll gespielten Streifen, der diese Gelüste zu 100% befriedigt, jedoch im allgemeinen Verständnis der heutigen Abgeklärtheit keine neuerlichen Fakten mehr auf den Tisch zu werfen vermag, zumal hier eh schon viel zu viel Undurchsichtigkeit und Mythos-Glaube am Start ist, als dass man den geneigten Cineasten dadurch mit irgendetwas verblüffen könnte.

Das Erzählenswerte liegt hier viel mehr in den Hintergründen, die weder vom Film direkt angesprochen werden, noch jemand auf Anhieb als wichtig erachten könnte, nämlich: Diese Geschichte ist wahr und sie hat sie ein Leben lang tatsächlich mit sich rumgetragen.

Der fade Beigeschmack, warum gerade jetzt so etwas „offenbart“ werden muss, bleibt am Ende aber dennoch mit fliegenden Fragezeichen im Raum.

Grandiose Performance, mittelmäßige Story, fragwürdige Absicht: Als Zuschauer fühlt man sich ob der vielen Mythen rund um diese Themen etwas alleingelassen, wenn es um den Grund für diesen Film geht – der besinnt sich ganz seines Genres und liefert tolle Bilder und eine solide Geschichte, die aber nicht mit nennenswerten neuen Fakten aufzuwarten weiß, sondern eher subtil vermittelt, dass an den leichtgläubigen Mysterien doch manchmal mehr dran ist, als man vorher glaubte.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss man nicht abwarten, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 04. Juli 2019

Original Title: Red Joan
Length: 102 Min.
Rated: FSK 6