The Witch Next Door - Filmplakat
© 2020 Koch Films

Der Film ist noch nicht mal richtig angelaufen, und man liest schon überall so verstörend schlechte Kritiken, die dieser Titel in meinen Augen gar nicht wirklich verdient hat. Warum?

The Witch Next Door schreit vom Namen her schon unglaublich nach standardisiertem Genrehorror und liefert auch nicht mehr, jedoch auch nicht weniger. Man startet sogar relativ gelungen und baut Atmosphäre und gruselige Stimmung auf.

Ja, eingefleischte Horror-Liebhaber kennen inzwischen jeden erdenklichen Trick, auf den man im Laufe der Jahre hunderte Male reingefallen ist, die einfach nicht mehr zünden und man strengt sich jetzt auch nicht sonderlich an, neuartige Jumpscares zu erschaffen oder den Zuschauer durch irgendeine vertrackte Plot-Situation zu begeistern. Stattdessen erschafft man ein Konstrukt, das – nicht zwingend auf eine Hexe ausgerichtet – tatsächlich unglaubliches Potenzial aufbaut und dem Film das Werkzeug mit in die Wiege legt, aus dem etwas richtig Scharfes hätte werden können.

Koch Films ist jetzt auch nicht unbedingt als Blockbuster-Kassenschlager-Label bekannt, sondern kümmerte sich seit jeher um genreorientiertes Nischenkino, und genau da würde ich The Witch Next Door auch verorten.

Die Charaktereinführung gestaltet sich an einigen Stellen zwar etwas holprig, aber man findet dennoch genügend Zeit, die längst in Vergessenheit geratenen Szenen zum Schmunzeln neu zu entdecken und versucht offensichtlich nicht, eine Glaubwürdigkeit oder nahen Bezug zur Realität herzustellen, also verlange ich als Kinozuschauer das dem Film dann auch nicht ab, sondern füge mich den Gegebenheiten, die der Film mitbringt.

Was mich daran viel mehr gestört hat, war das Ende. Ich meine jetzt nicht den Schlusstakt, sondern, was man aus dem anfänglich eigentlich super gelungenen Aufbau dann gemacht hat: Es ist hart zu spüren, dass das Potenzial hier völlig verschenkt wurde und man von einem professionellen Aufbau und Anfang eher in Richtung „ambitioniertes Fanprojekt“ abdriftet, bei dem nicht mehr ganz so klar wird, wo die Reise nun eigentlich hin gehen soll.

Und genau dieses Phänomen kennt man zur Genüge aus vergangenen Klassikern, die ebenfalls nicht viel Augenmerk auf ordentliche Erzählstränge oder korrekte Continuity gesetzt haben, sondern bei denen es vielmehr um „berauschende Effekte“ ging, die man mit extrem wenig Budget irgendwie realisieren musste.

Und da steckt hier schon etwas mehr Geld drin – und selbst bei einigen Kleinigkeiten wurde sehr detailliert nachgedacht (Stichwort: Zieh die Schuhe aus, bevor du die Treppe hochschleichst z.B.), was mich ehrlich gesagt eher positiv überrascht denn enttäuscht hat.

Deshalb kann ich den Verdruss vieler Sneaker nicht nachvollziehen: Gerade für das unbetuchte Sneak Preview-Volk ist das doch die perfekte Abendunterhaltung, bei der dumme Sprüche auch gern mal im Saal verbal oder durch Grunzen oder Stöhnen kommentiert werden können, was dann aus diversen Plot-Unzulänglichkeiten doch wieder einen gelungenen Kinobesuch für alle macht.

Und man sollte niemals vergessen, dass der Anspruch, den wir inzwischen aufgebaut haben, nicht allgegenwärtig und konstant vorhanden ist, sondern vielleicht so manch einer eben genau diese Sparte von Zuschauern erreichen wollte, die sich mit Freuden auf diese Form von Movies stürzen und sie endlich mal wieder auf der Leinwand und nicht nur im VHS-Rekorder zu sehen bekommen.

Und noch etwas: Wenn wir solchen Projekten keinen Aufwind mehr schenken, wird es Filmemachern immer schwerer fallen, neue Streifen zu realisieren, denn aus genau solchen Titeln, die eben nicht mit Marvels The Avengers konkurrieren können, erwachsen die neuen Talente, die uns in 10-20 Jahren dann die Megablockbuster liefern können. Jeder fängt mal klein an … und dafür war diese Show hier doch schon ganz ordentlich, oder etwa nicht?

Starker Aufbau mit Stimmung, brauchbaren Effekten und einem tollen Set, jedoch verschenkt man zum Ende hin das Potenzial und lässt den eigentlich guten Auftakt in fan-ambitioniertem Wirrwarr enden, das am Schluss nicht mehr richtig überzeugt.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht abzuwarten, hier folgt dann bloß der ausgeschriebene Titel nochmal.

Kinostart: 13. August 2020

Original Title: The Wretched
Length: 95 Min.
Rated: FSK 16