Mai 22, 2022

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The Batman

The Batman - Filmplakat
© 2022 Warner Bros. Ent.

Es sind riesige Fußstapfen, die Robert Pattinson da beschreitet und die Gefahr schwebt allgegenwärtig im Raum: Der Vergleich zu früheren Varianten von Batman, die bis heute immer noch an einer Ikone scheitern: Der von Christopher Nolan. Der hat mit seiner The Dark Knight-Trilogie ein Ding vom Stapel gelassen, das so schnell wohl keiner toppen kann. Und dankenswerterweise versucht DC das auch gar nicht erst, sondern macht endlich mal alles richtig.

Wir predigen schon seit Jahrzehnten, dass dieses Studio einen Fehler macht: So sein zu wollen, wie andere, um gleichermaßen vom Erfolg abzukriegen wie andere … und dabei die viel geileren Bösewichte im Portfolio hat, die man einfach gnadenlos ausspielen sollte. DC sollte eher zur FSK 18-Freigabe streben (und hat mit diesem Titel eine erschreckend niedrige FSK 12 bekommen) und somit grausame Authentizität gepaart mit einem mega großen Publikum.

Und nun werden einige Dinge endlich völlig anders gemacht: Das ist viel weniger ein Action-Bombast als vielmehr schon fast Independent-Kino, das schwer nach Blockbuster stinkt und endlich so richtig dreckig und original ist, dass man als Cineast einfach nur schwer begeistert sein muss.

Fangen wir mal mit dem technischen Gekröse an, das gleich mal ein Grund ist, sich in ein Kino zu setzen (am besten vor eine von Deutschlands größten Leinwänden): Hier werden nämlich so viele kleine Details ausgespielt und winzige Momente, die handlungsentscheidend für die Stimmung sind, offenbart, die zum Teil so versteckt sind, dass sie auf keinem noch so großen Heimfernseher erkennbar wären.

Matt Reeves versteht es, Emotionen zu instrumentalisieren und erschafft Bilder, die vor visueller Kraft nur so strotzen. Es ist viel weniger das Actionmoment als vielmehr die Gänsehaut, die sich aufbaut und immer intensiver und krasser wird, weil man schon lange weiß, was gleich passieren wird – und man auf diesen Moment vorbereitet wird, um dann mit einer gnadenlosen Wucht übermannt zu werden und in ikonischen Bildern zu versinken.

Im Zuge dessen demonstriert er ein Gotham, das dreckiger und verkommener nie war und leise an die Züge aus Sin City erinnert.

Gleichermaßen hat man auch an den Charaktären gefeilt, die sich nun in einem völlig anderen Licht präsentieren. Meine Vermutung: Man wollte den direkten Vergleich zu Nolan unter allen Umständen vermeiden und Behauptungen entgegenwirken, man hätte nur schlecht kopiert.

Stattdessen verändert man den Schwerpunkt des Charakters und legt ihn so düster an wie noch nie und verzichtet auf das Gehopse zwischen „frischem Milliardärskind“ und „gepeinigtem Ritter“, was alles nochmal in einer ganz anderen Aura erscheinen lässt. Dass dabei dann zwangsweise Figuren wie Catwoman konsequent drunter leiden, ist tragisch, aber wohl unvermeidbar, gibt dem Film deshalb aber nicht wirklich Abstriche. Immerhin heißt er The Batman und nicht „Wir erzählen die Geschichte von Batman und Catwoman nochmal“.

Was in der deutschen Fassung auch schon unvermögend schreit: Dieser Film zeigt seine wahre Größe in Dialogen, Wortfetzen und ist bedeutungsschwer durch sein Drehbuch. Man möchte keinen Actionhit, sondern einen Film, der dich emotional und geistvoll wegballert. Hier stirbt dann vieles an Übersetzungsbarrieren, die a) nicht so emotionsgeladen transportieren, was oscarprämierte Schauspieler tun können (die von der Synchronfassung haben eben keinen Oscar, sondern die Schauspieler selbst) und b) es die Auswahl an Wortfülle in diversen Sprachen nicht so gibt bzw. wieder andere, unterschwellige Bedeutungen inneliegen, die dabei dann einfach verloren gehen.

Neben der deutschen sollte man sich also definitiv auch eine der OV- bzw. OmU-Varianten zu Gemüte führen, um verbal weggeflasht werden zu können, dann gehen nach immensen Wortgebilden nämlich so manche Szenen auch im Erstaunen unter und man spürt die stellenweise Länge nicht mehr.

Ebenfalls riesig im Film: Die Soundeffekte. Auf der Tonspur findet nochmal ein Superhelden-Move statt, denn was die Tontechniker hier abliefern, ist in meinen Augen auch oscarverdächtig.

Meiner Meinung nach war das Ende dann zu schwach, hier kippt man ein wenig richtung Blümchendenken und lässt sich politisch zu sehr instrumentalisieren, statt den Comics und ihrer zeitlosen Aussage Gerechtigkeit zukommen zu lassen, legt allerdings komplett nach dem Abspann schon den Grundstein für kommende Fortsetzungen.

Und zum Abschluss dieser Rezension: DC macht endlich, was es richtig kann: Bösewichte präsentieren. In meinen Augen dreht sich der Film viel weniger um die Figur von Batman selbst, als vielmehr um die genial dargestellten Bösewichte im Film, die massive Szenen, extravagant gespielte Momente und absolut überzeugende Charakterbrutalität beweisen (Paul Dano z.B.) und liefert hier schauspielerische Größe, die das Werk als solches aus dem Sumpf anderer Filme emporhebt und für Kinoliebhaber wie geschaffen ist.

Es mag sein, dass der durchschnittliche Zuschauer, der dreimal im Jahr im Kino ist, von diesem Film enttäuscht sein wird, weil er Action erwartet, Haudrauf und geniale Schlachten, wer hier unbedingt einen Vergleich braucht, sollte sich eher an Sieben oder Zodiak orientieren: Hier geht es viel mehr in die dreckige Tiefe, die mehr das Wesen von Gotham und damit das Wesen von uns Menschen offenbart.

.kinoticket-Empfehlung: Cineastische Feinkost in Hochkultur, ein Independent-Movie mit Blockbustergarantie, der den Kern des Kinos aufgreift und die Zielgruppe Filmfan besonders befriedigt. Stark in Dialogen, stark in Bildern und Soundeffects, der die bekannte Geschichte um den dunklen Ritter einmal ganz anders erzählt.

Nachspann: 🔘⚪️🔘 | Bleibt hocken, ihr werdet zwar nicht durch grafisches Anteasern bei der Stange gehalten, am Schluss gibt’s aber noch eine entscheidende Szene.

Kinostart: 03. März 2022

Original Title: The Batman
Length: 177 Min.
Rated: FSK 12