The Gentlemen - Filmplakat
© 2020 Leonine

Keine Frage: The Gentlemen ist momentan der Publikumsmagnet schlechthin … und ich wage mich mal weit aus dem Fenster und behaupte: Das zeigt wieder einmal, dass sich das Publikum per se für den durchschnittlichsten Film überhaupt entscheidet.

Die Messlatte ist hoch. Und genau diese Voraussetzung sehe ich als den Fallstrick überhaupt für den Film. Guy Ritchie hat sich einen Namen gemacht – und damit auch Anforderungen geschürt, die man an seine Filme richtet. Und ich habe das Gefühl, diesen Ansprüchen wird er nicht mehr gerecht.

Wir alle kennen solche Truppen, die sich in diesem Milieu einen Namen schaffen und Geschichten erzählen wollen … allen voran Tarantino … und irgendwie funktioniert’s ja auch manchmal. Und selbst da merkte man zum Ende hin, dass die Storys eben immer die selben, das aufgesetzte Macho-Image nicht mehr die durchschlagende Wirkung hatte wie damals, als es all das noch nicht auf der Leinwand gegeben hat und verbales Gepose noch als Rebellion gegen das System verstanden wurde.

Irgendwie ist diese Form der Äußerung aber mittlerweile zum Standard etabliert, und wenn man rebellieren möchte, muss man das heute auf ganz andere Weise erledigen.

Und da reicht dann eben ein guter (alter) Name nicht mehr, auch wenn die Eintrittskarten momentan eine andere Sprache sprechen. Ich rede hier von geistiger Befriedigung. Für mich wirkte die Erzählung sehr abgestrampelt, aufgesetzt, unstrukturiert. Man hat irgendwie keinen Takt gefunden und kaum war man dabei, das Metronom erklingen zu lassen, zerstörte man den Vibe wieder mit neuer Strukturierungsorientierungslosigkeit.

Auf mich wirkt es, als würde Ritchie krampfhaft versuchen, die Anforderungen an seinen Namen zu erfüllen und dabei gnadenlos scheitern in Form von, dass es eben einfach nicht zündet. Er wird sich selbst nicht mehr gerecht.

Da hilft dann auch kein hervorragendes Spiel von Matthew McConaughey, dem die Rolle auf den Leib geschneidert erscheint, und auch keine „Rückkehr zu seinen Wurzeln“ (wie inzwischen viele Stimmen behaupten), sondern irgendwie erscheint alles müde und einfallslos.

Charlie Hunnam (den ich in King Arthur – Legend of the Sword richtig mochte) wirkt müde und die Rolle von ihm irgendwie auf der Ersatzbank platziert und nicht mitten im Geschehen.

Der Style, den man plakativ beworben hatte, fehlte mir, auch wenn hier ein gutes Maß an Niveau bereitgestellt wurde: Im Endeffekt wird in meinen Augen alles durch den mangelnden Takt der Erzählung zu einem wirren Schnittgut zusammengestückelt, aus dem sich der Zuschauer dann selbst seine Story basteln soll. Und das ist nunmal eher Aufgabe der Regisseure, oder?

Zu wirr, zu unstrukturiert, mit sich selbst uneins. Die wirren Schnitte machen das große Ganze kaputt und widmen sich weniger einer groß ummantelnden Story, als vielmehr einem Wirrwarr an einzelnen Sequenzen, aus denen sich der Zuschauer am Ende seinen eigenen Film zusammenstellen muss. Der Rhythmus des Films fehlt – und damit ist er für mich nicht wirklich gelungen.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 27. Februar 2020

Original Title: The Gentlemen
Length: 113 Min.
Rated: FSK 16