The Kitchen: Queens of Crime - Filmplakat
© 2019 Warner Bros. Ent.

Manchmal bewundere ich, wie es einige Verleihe doch immer wieder schaffen, in den Suburbs der Kinogeschichte zu verschwinden und trotzdem dabei eine Veröffentlichung auf dem Papier nachweisen zu können. Was ist los? Angst?

The Kitchen: Queens of Crime ist so ein wunderbares Beispiel dafür, dass es manchmal gar nicht so falsch wäre, aufrecht zu stehen für das, was man in den eigenen vier Wänden produziert hat.

Tatsächlich sind die Meinungen zu diesem Film kontrovers und auf Melissa McCarthy ist auch nicht jeder positiv zu sprechen. Hat sie in den vergangenen Jahren einige Blödelrollen angenommen? Ja. Heißt das, dass sie ausschließlich Unfug-Filme veranstalten und keine ernstzunehmenden Rollen verkörpern kann?

Auf keinen Fall! Can You Ever Forgive Me? war dieses Jahr bereits eines der großen Beispiele dafür, dass in ihr definitiv mehr steckt, als die “kleine dicke Lachnummer”, an deren Image sie jahrelang gefeilt hat.

Und an alle Sexismus-Connectierer: “The Kitchen” hat auch nix mit Frauen und Küche zu tun, sondern bezeichnet Hell’s Kitchen – das berühmt-berüchtigte Viertel in New York im Jahre 1978.

Modell für diesen Film hat ein Comic von DC gestanden, und dass die ”böse” eigentlich ganz gut können (bislang noch nur auf dem Papier), ist weithin bekannt. Dazu hat man einen exzellenten Cast herbeigerufen, der sich eigentlich für seine Leistungen feiern muss: Besagte Melissa McCarthy, Tiffany Haddish und Elisabeth Moss.

Würden diese drei nicht so unter den Mankos des Films leiden, hätte hieraus etwas wahrhaft großartiges werden können, was die Schauspielleistungen keinesfalls herabwürdigen soll. Ihnen “bei der Arbeit” zuzusehen – im wahrsten Sinne des Wortes – ist ein wahres Vergnügen.

Dazu kommt ein Setting im Film, das dem Flair der DC-Comics gerecht wird. Man fühlt sich als Liebhaber eines solch dreckigen film noir-Stoffes in dieser Umgebung einfach nur wohl und auf perverse Art und Weise geborgen.

Warum nun aber Mankos?

Andrea Berloff hat in diesem Film vergessen, eine Geschichte zu erzählen. Stattdessen konzentriert sich die Regisseurin vielmehr darauf, in ihrem Film die weiblichen Aspekte der Unterdrückung im Reich des bösen weißen Mannes zu inszenieren, was tatsächlich auch relativ glaubwürdig funktioniert. Zumindest habe ich diese Absichten diesmal viel mehr abgekauft, als bei I am Mother.

Darunter leidet aber der Flow einer Erzählung. Hätte man sich hier mehr auf die Wut und raserische Ausgelassenheit gequälter Seelen konzentriert und versucht, eine Geschichte zu erzählen, wären diese Aspekte genauso gepflegt worden – mit dem Unterschied, dass der Kinozuschauer dann vor Zufriedenheit gegrunzt hätte. Denn der Film strotzt nur so vor Potenzial und guten Rahmenbedingungen – was für mich dann auch Grund genug ist, ihm tatsächlich einen Abend meines Lebens zu schenken, denn als “vertane Zeit” fühlt sich das definitiv nicht an.

.kinoticket-Empfehlung: Großartiger Cast in einer DC-Comic-Verfilmung, die sich leider nicht aufs Geschichten-Erzählen konzentriert, sondern die Frauenrechte stärken will und dabei ein wenig vom Weg abkommt. Dennoch ein großartiges Setting, das diesen Film definitiv sehenswert macht. Nutzt die Chance auf dem big screen.

Nachspann: Ist picturegeschnibbelt – man darf also gemütlich aus dem Saal.

Kinostart: 19. September 2019

Original Title: The Kitchen
Length: 102 Min.
Rated: FSK 16