Februar 3, 2023

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The Menu

The Menu - Filmplakat
© 2022 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Hier treffen sich nun zwei Genres, in denen ich jeweils zu Hause bin: Cinema und Sterne-Gastronomie.

Mein Anreiz, in den Film zu gehen, war schon gegeben, als ich den Titel gelesen habe, der Trailer mit Ralph Fiennes und Nicholas Hoult hat mir den Rest gegeben und das Genre an sich besiegelt mein Schicksal nun endgültig.

Ja, The Menu trifft in jederlei Hinsicht voll ins Schwarze! Es ist unglaublich, mit welcher Präzision die Macher hier in beiden Genres den Vogel abgeschossen haben, sowohl in der Machart des Films (wie halte ich Kameras richtig, welche Perspektiven nutze ich, wie inszeniere ich eine gute Geschichte, wie lasse ich meine Darstellerriege richtig auftreten, wie präsentiere ich ästhetischen Augenschmaus) als auch in dem Wesen der Gastronomie und Küche.

Ich behaupte jetzt einfach mal, dass der Großteil der Menschheit den Kern einer Küche bzw. die Intentionen eines Kochs kaum versteht. Schon gar nicht in einer Gesellschaft, in der Essen zum allgegenwärtigen, permanenten Nebenprodukt im Alltag geworden ist und sich kaum mehr jemand Zeit dafür nimmt, das gesamte Ausmaß eines Gangs vollständig zu erfassen und zu genießen.

Das geht meist schon bei der Auswahl des Restaurants oder Hotels los, mündet im Präsentieren der Speisenkarte, endet in der vollkommenen Auswahl, begleitet durch dezente Hinweise des Personals und startet seinen Höhepunkt dann mit dem Aperitiv, der für den Gast gefühlt alles losgehen lässt (obwohl bis dahin schon unfassbar viele Sinne angesprochen und bedient wurden).

Man kann sich in so etwas verlieren. Ich habe in meinem Leben per Zufall den Weg ins Restaurant hinter den Tresen gefunden und bin seitdem nicht mehr aus diesem Berufszweig raus zu kriegen, obwohl es weiß Gott genügend Möglichkeiten dafür gegeben hätte. Einmal drin, immer drin heißt es so schön und mich hat es inzwischen in viele Bereiche gespreaded und ich möchte keinen davon mehr missen. Und nun zu erleben, wie diese Leidenschaft in nahezu göttlicher Perfektion auf der Leinwand bedient UND VERSTANDEN wird, ist für mich quasi fast wie ein Höhepunkt des Lebens selbst: Krass, wie sehr hier überall am Produkt gefeilt und der Film selbst als „Menü“ auf die Leinwand gestellt wurde… und man dann merkt, dass jeder Teilhaber seine Arbeit auf Sterne-Niveau abgeliefert hat: Wow!

So präsentiert sich The Menu seinen „Gästen“ als das, was er erzählt und liefert eine Form von Verständnis, für die man in diese Region eintauchen muss, um es völlig in sich aufzunehmen und alle Nuancen dieses Gerichts zu ergründen. Unterhaltet euch mal mit Sterne-Gastronomen darüber, welche Intentionen existieren, die aus der Küche zum Tisch oder vom Personal in den Raum getragen werden (jenseits von Tellern und Getränk-Gefäßen)… hier tun sich wahrliche Abgründe auf. Genau das mit einer Liebe zum Produkt und Leidenschaft und Hingabe zu meistern ist etwas, das den meisten in der Gastro-Branche arbeitenden Menschen inzwischen fehlt (weswegen dieser Berufszweig auch immer mehr verwahrlost).

Dann kommt Kino … die Räumlichkeiten, wo ästhetische Perfektion UHD-getreu auf die Leinwand gekritzelt und mit Liebe und Leidenschaft designt, mit Tönen, Nuancen, Elementen der Lichtsprache ausgestattet als Gourmet-Gang serviert wird… Ist euch schon mal aufgefallen, wie oft ich „gastronomische Begriffe“ in meinem Blog verwendet habe? „… serviert sich dieser Film als …“, „… präsentiert sich das auf dem Tableau …“

Nun ist er also da, der Streifen, der das in Perfektion hinnehmen würde und den ich nicht mit billigen Kiosk-Sprüchen verhunzen will. Hier wussten wieder viele, was sie tun möchten und haben ein Ganzes nach draußen geschickt, das sich wirklich sehen lassen und von den Kritikern auseinanderpflücken lassen kann – der Schichten zu Entdecken sind viele. Und der Abgang hat es durchaus in sich.

Perfektes Meisterkino mit nuancierten Klängen der Erzählsprache, bissigen Schärfen, intelligenten Wendungen, schmackhaften Kniffen und unzähligen Momenten liebevoller Perfektion – sowohl in Richtung Kino als auch in Richtung Gastronomie.

Danke aus tiefstem Herzen für dieses hervorragende Abendessen!

.kinoticket-Empfehlung: Sensationell! Hier hat jemand verstanden, was so ziemlich jeder Gastronom, der etwas auf sich hält, zum Ausdruck bringen möchte – und es perfekt mit den Offerten der Leinwandsprache vermischt: Raus kommt ein Film, der in beiden Klassen jeweils höchstes Niveau erreicht: Gastronomie und Kino! Fünf Sterne plus!

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hab schon gezahlt, jeder satt geworden? Dann… packmer’s oder?

Kinostart: 17. November 2022

Original Title: The Menu
Length: 107 Min.
Rated: FSK 16

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