März 28, 2023

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The Son

The Son - Filmplakat
© 2023 LEONINE Distribution GmbH

Nach The Father kommt jetzt The Son und demnächst dann and the Holy Spirit? Nein, mit dieser allseits bekannten, geistlichen Floskel hat der Film nichts zu tun.

Ich habe mir selbst momentan noch vorzuwerfen, dass ich The Father nicht gesehen habe, der – mit Anthony Hopkins in der Hauptrolle – ebenfalls themengleich und einigen Kritiken nach wesentlich besser gewesen sein soll.

Sei’s drum – dann nutzen wir die Chance eben und aktivieren eines der inzwischen hoch geschätzten Features von mir: Unbefangenheit. Bei Pressevorführungen merk ich immer wieder, welch ein Segen das ist, einen Film völlig ahnungslos und ohne Vorkenntnisse und (falsche) Erwartungen zu sehen: Man bekommt einfach ein ganz anderes Erlebnis geschenkt und kann sich hinterher eine völlig freie Meinung dazu bilden, die dann wieder vom Trailer und Vorwissen zerstört wird.

Deshalb ermutige ich auch so oft dazu, sich keine Trailer anzusehen oder Vorwissen darüber zu beschaffen, in dem gespoilert wird – und vermeide diese Art der Information hier im Blog. Lest Kritiken also immer erst, nachdem ihr den Film gesehen habt … oder nutzt spoilerfreie Kritiker vor und den Rest dann einfach nach dem Film.

Mit dieser Unbefangenheit war ich in The Son (eigentlich wegen Hugh Jackman und Zen McGrath, da die einen ganz vernünftigen und Timothée Chalamet-mäßigen Eindruck auf mich hinterlassen haben und es mit so viel Schauspielpower ja eigentlich nur gut werden kann).

The Son ist bedrückend. Er behandelt ein bedrückendes Thema und fängt in meinen Augen diese Gezwungenheit auch ganz ordentlich ein. Für den Zuschauer fühlt sich das stellenweise wirklich unbehaglich an – und man wird mit Emotionen und Gefühlen konfrontiert, die sich zum Teil in einem selbst bilden, die höchst unangenehm sind – und damit wird genau das wiedergespiegelt, was den Protagonisten widerfährt.

Das mag ungemütlich sein, bildet ein Stück weit aber auch die Tatsache ab, dass unsere Gesellschaft nicht bereit dafür ist, dass Männer Gefühle zeigen können und dürfen. In diesem Zusammenhang dann noch ein Thema zu inkludieren, das sowieso auf der Tabu-Liste steht, ist insofern wieder großartig, weil dadurch Fläche geschaffen wird, um darüber zu sprechen.

Und darüber zu sprechen ist meistens eine Lösung, oft sogar die Lösung schlechthin, die nur eben viel zu selten wahrgenommen wird. Hier öffnet der Film einige neue Chancen, räumt auf und zeigt an vielen Stellen, wie’s gehen kann.

Diejenigen, die davon betroffen sind, werden durch den Film „Gehör“ bekommen, diejenigen, die damit nichts anfangen können, werden sich vielleicht darüber bewusst, welche Sphären manch eine Seele neben ihnen durchgemacht hat oder vielleicht sogar gerade durch macht und kann dann manch einen Fehler vermeiden, weil „man’s in The Son schon gesehen hat, dass es so nicht geht“.

Ob das jetzt das gelungenste Kino schlechthin ist, mag ich auch nicht zu sagen … die Bedrückung und Eingeengtheit ist halt schon allgegenwärtig, der psychologische Wumms, den der Film dadurch aber verursacht, ist bei vorheriger Unbefangenheit aber ebenso riesig – und daher finde ich es gut, dass es Filme wie diesen gibt – und empfehle, ihn sich definitiv anzuschauen.

.kinoticket-Empfehlung: Die Bedrückung im Film ist allgegenwärtig und mag sich für manchen ungemütlich anfühlen – dadurch wird dem Zuschauer aber genau das Gefühl der Protagonisten vor Augen geführt und man kann sich besser in das Geschehen hineinversetzen – für manche vielleicht eine wirklich wichtige Erfahrung.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hier folgt nichts weiter, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 26. Januar 2023

Original Title: The Son
Length: 123 Min.
Rated: FSK 12

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