Oktober 7, 2022

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The Tragedy of MacBeth

The Tragedy of MacBeth - Filmplakat
© 2021 AppleTV+

Es gibt viel zu sagen. In letzter Zeit erobert ja so ein bisschen die Elite das Resort „Kino“ und holt sich immer mehr Fläche von den vormals so umkämpften Sälen, die in den Augen der Feuilleton-Klasse einst mit „Schund und solidem Schwachsinn“ gepflastert waren.

Damals gab es eine einfache Lösung: Die intellektuelle Fraktion zog sich ins Theater und die Oper zurück und überließ den Schwachmaten die billigen Plätze im Kino – und alle waren glücklich. Wir konnten unsren actionlastigen Blockbuster-Mist und die gedankenumspielten Independent-Movies besehen, während sie dich Haute Couture der Unterhaltung an den Abendgarderoben zusammenfand und in Ballkleidern die Werke von Shakespeare und Co. frönte.

In Zeiten der Pandemie (und geschlossenen Opern und Theater-Aufführungsstätten) ziehen sich die Blockbuster zurück aus Angst, nicht genug Geld zu verdienen – und die offenen Slots werden schlagartig von Kunst und pseudointellektuellem Schwachsinn geflutet – zum Unmut derer, die im Kino zu Hause sind.

Davon gab es in der Vergangenheit reichlich Beispiele.

Und nun? Ziehen wir das Pferd mal von links auf. AppleTV+ ist ein Portal, das an sich selbst einen ganz eigenen Anspruch erhebt und sich im aktuell immer wichtiger werdenden Streamingmarkt behaupten möchte. Die Inhalte waren bislang immer ein wenig fragwürdig, für meinen Teil etwas zu künstlich und zu sehr gegendert bzw. zu „politisch korrekt“, was nicht unbedingt einem guten Sinn von Entertainment entspricht, sondern eher den fordernden Fingerzeig aufwies, von dem sich aktuell immer noch so viele abgeschreckt fühlen.

Das nahm der Sache oftmals ein wenig den Spaß, galt aber auch irgendwo als eine Art „Markenzeichen“ und darf nunmal auch gerne so sein – immerhin gibt es deshalb ja vielfältige Orte, um mediale Inhalte zu konsumieren.

Und aus diesem Hause heraus wird nun ein Film releast, der erstmals von nur einem der Coen-Brothers dirigiert wird und gleichsam als moderne, düstere Interpretation des Werks von William Shakespeare gilt.

Die Kritiken dazu überschlagen sich nahezu ins Positive – und ich fange gleich mal mit einem Punkt an, den ich an dieser Stelle sehr löblich finde: Obwohl das Werk offensichtlich als Content-Pusher für AppleTV+ produziert wurde, gibt man es vorher an die Kinos und lässt es dort zumindest drei Wochen exklusiv laufen – eine Hommage an die Großen und Respektsbekundung an die Orte, durch die Filme in meinen Augen immer zuerst durchlaufen sollten. Disney, nimm dir daran gerne ein Beispiel.

On top gab es für die Presse sogar extra Pressevorführungen, so dass man auch die Chance hatte, das Werk auf der großen Leinwand zu sehen und nicht etwa nur auf dem iPhone, wo das, was MacBeth in meinen Augen groß macht, völlig untergeht.

Wer im Besitz eines größeren iPads ist, kann sich gerne einen Vorgeschmack in Form des Trailers holen, der bei der gestochen scharfen Optik schonmal vorab zeigt, was die Essenz dieses Werks ist: Nicht nur, dass man sich im Monty Python-Stil auf die halsbrecherischen Inhalte der historischen Schreiberlinge stürzt, sondern diese visuell und effektlastig zu einem Drama umfunktioniert, das völlig in schwarz-weiß gehalten den Fokus auf ganz bestimmte Dinge legt.

Wäre hier auch noch Farbe im Spiel, wäre der Zuschauer vermutlich völlig überfordert mit Eindrücken: Die ballern nämlich unglaublich gut auf einen hernieder und erzählen die so oft schon vorgetragene Geschichte einmal völlig neu und so, dass es auch Kritikern wie mir richtig Spaß macht. Der Film ist ein totaler Overload von hyperexzessiv-guten Kameraeinstellungen, Szenen, optischen Ergüssen und visueller Wucht. Ich will nicht wissen, was so manche Einstellung und kurze Sekunde in diesem Film für einen Aufwand vor sich herschob.

Auch die Darsteller sind allesamt mit dem Wörtchen Oscar verbunden: Frances McDormand und Denzel Washington liefern hier einfach ab, das es nicht nur mich als Kinoliebhaber erfreut, sondern auch die ganze Theater-Gruppe fröhlich im Vorgarten des Kinos vor sich hin gackert: Man hat etwas wahrlich gutes geleistet, das man sich im Kino sehr gerne unter dem Aspekt ansehen darf, dass das da für die elitäre Plattform von Apple produziert wurde und man es nur aus Respekt auf die Leinwand gebracht hat.

.kinoticket-Empfehlung: Ein visuelles Wunderwerk, das weniger von Dialogfreude und Entertaining-Qualitäten lebt, sondern vielmehr ein optischer Overload ist, der durch skurrile Kameraeinstellungen und grafische Exploitation ein Niveau erreicht, das dem Zuschauer immens Spaß macht und zu Recht hoch gelobt ist.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Hier folgen nur die Credits und keine weiteren Szenen – rausgehen bzw. abschalten erlaubt.

Kinostart: 25. Dezember 2021
Heimkinostart: 14. Januar 2022

Original Title: The Tragedy of MacBeth
Length: 105 Min.
Rated: FSK 12 (Trailer) – (Der Hauptfilm hat bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keine FSK-Freigabe in Deutschland erhalten)

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