Februar 5, 2023

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Three Thousand Years of Longing

Three Thousand Years of Longing - Filmplakat
© 2022 LEONINE Distribution GmbH

Feiertage gut verbracht? Geschenke gekriegt? Bei der Familie gewesen? Oder alleine gelitten? Hass auf all die Menschen gehabt, die nicht kapieren, dass Einsamkeit weh tut?

Mit der Freundin gemeinsam im Bett aufgewacht und schön gefrühstückt? Oder bei offenem Fenster eingeschlafen und festgestellt, dass es über Nacht reingeregnet hat und sich überlegt, was wohl all die scheiß Familien draußen machen werden, die gestern gemütlich am Baum saßen?

Weihnachten hat inzwischen so viele Gesichter und ist vom einen zum anderen immer weiter verkommen. Einst gab es mal die biblische Geschichte der Geburt Jesu Christi, die an Weihnachten auf dem ganzen Planeten gefeiert werden durfte. Man kam zusammen, sang Lieder und feierte quasi Geburtstag.

Irgendwann kam der Kapitalismus und hat diese Tage geclaimt, nun kaufen wir Geschenke und diskutieren darüber, wer was wieviel schenkt und gegen-schenkt und keiner weiß mehr so richtig, wieso weshalb warum.

Inzwischen sind (zumindest wir im Westen) so dermaßen gesättigt vom Kaufrausch-Überkonsum, dass es erste Stimmen gibt, die sich wieder auf andere Werte besinnen: Gemeinschaft, Familie, Zeit miteinander verbringen, Aufmerksamkeit schenken usw. – alles ist stets im Wandel (Yey, wir leben noch!).

Als ich jung war, gab’s mal den Term „Fest der Liebe“, in Anlehnung daran, dass Jesus als liebender Sohn in diese Welt geboren wurde, um uns Menschen als „Joker“ von unseren Sünden zu erlösen, indem er für uns stirbt und einmal den Weg durch das Menschsein hindurch geht, um am Ende wieder zum Vater zurückzukehren. Der verlorene Sohn kehrt heim und wird herzlich willkommen geheißen.

Yoah, alles gut und schön – nette Geschichte, bei den meisten inzwischen in Vergessenheit geraten. „Was ist Weihnachten?“ „Äh, keine Ahnung? Irgendwas mit Geschenke?“

Tatsächlich ist der Gedanke daran, dass es ein Fest gibt, dass sich der Liebe widmet, doch gar nicht so übel oder?

Aus dem Grund hab ich mich heut extrem verspätet für diese Filmperle hier entschieden: Drei Tausend Jahre Verlangen und Sehnsucht.

Was viele nicht wissen: Dieser Streifen (der in den Kinos übrigens sensationell floppte) wurde vom Mad Max-Regisseur George Miller ins Leben gerufen und in meinen Augen absolut zu unrecht abgestraft. Es ist einer der größten Filme aller Zeiten, den niemand gesehen hat.

Fun Fact am Rande: George Miller ist nicht nur der Regisseur des uns bekannten Mad Max: Fury Road (der aufgrund seiner epischen Bildgewalt ziemlich viele Oscars holte und dem man bis heute nachsagt, inhaltlich ziemlich grütze zu sein), sondern er ist ebenfalls der Urheber der „alten“ originalen Mad Max-Filme. Krass oder? Der Typ remaked sich selbst.

Fun Fact 2: Mad Max VI ist bereits in der Mache und soll aktuell 2025 das Licht der Welt erblicken – wir bleiben gespannt.

Doch zurück zu Three Thousand Years of Longing: Es ist die größte Geschichte, die ich je erzählt bekommen habe und von der ich niemals gedacht hätte, dass sie wirklich so wuchtig rüber kommt. Ja, ich hab ihn im Kino gesehen und ja, ich war tagelang danach immer noch ziemlich geflasht. Für mich war es DIE Antwort auf das, was unsere Welt aktuell immer noch braucht: Pure Liebe. Unfassbar, dass man einen Film über dieses milliardenfach ausgelutschte Thema machen und dabei etwas völlig neues erschaffen kann – aber es ist passiert. Three Thousand Years of Longing strotzt vor Geschichtenerzählen. Es ist eine Ode an Storytelling, die man so noch nicht gesehen hat – und damit genau das Gegenteil dessen, was man Mad Max: Fury Road vorwirft: Miller zeigt also, dass er auch das auf dem Kasten hat und die Welt straft ihn dafür ab.

Schade eigentlich, denn jetzt haben viele Millionen Menschen verpasst, was die einzige Chance ist, diese epische Erzählgewalt so zu erleben, wie sie erlebt gehört: Auf dem big screen. Eins kann ich euch nämlich versprechen: Das Wohnzimmer gibt das nicht so her, wie es der große Leinwand-Bildschirm tut, während es durch die brachiale OV-Stimme in deinem Magen brummelt. Und ja, es ist zum Teil auch mein Versagen, dass ich damals meine Stimme nicht erhoben und euch darauf hingewiesen habe, ich entschuldige mich an der Stelle dafür.

Alles aber kein Grund, jetzt nicht ins Heimkino (UHD 4K versteht sich, oder?) zu gehen und sich den Titel dennoch zu holen und ihn möglichst auf dem neuen Quad-TV-Screenwall-Fernsehkonvolut anzuschauen, das man sich hoffentlich inzwischen ins Wohnzimmer gebastelt hat.

Alternativ könnt ihr auch bei Dolby im Store anrufen und für ein paar Millionen deren Beamer organisieren, um das Bild an eure Hauswand zu projizieren und dort den Film im „Heimkino“ laufen zu lassen… Will heißen: Macht die Screens so groß wie möglich, ballert euch Basskopfhörer für über 500 Ocken auf die Ohren und versucht zumindest ansatzweise, diese Größe zu begreifen und visualisiert euch selbst, was man im Kino verpasst hat.

Hier geht’s um Geschichten erzählen. Hier geht’s um unfassbare Größe und unantastbare Stärke. Und: Es geht um Liebe. Um geliebt werden. Um die größte aller Macht, die es je gegeben hat und die es je geben wird – der sich sogar alle Religionen übergreifend unterwerfen. Es ist die größte Geschichte aller Zeiten – und jeden, den ich persönlich ins Kino geschickt habe und angefleht: Schau ihn dir an – kam hinterher wieder und hat gesagt: „Danke, der war wirklich toll“.

Seit 09. Dezember 2022 gibt’s ihn auf UHD 4K, Blu-ray und meinetwegen auch auf DVD.

Und wisst ihr, was ich auch immer noch großartig finde? Filme lassen dich nie im Stich. Wenn du also das Gefühl hast, zu den Einsamen zu zählen, von denen ich am Anfang sprach: Danach fühlst du dich definitiv anders. Filme lassen dich nie im Stich. Niemals. Vielleicht bin ich deshalb so kinovernarrt in meinem Leben, weil mich meine eigene Rasse enttäuscht, verletzt, bestraft, im Stich gelassen, gedemütigt und missbraucht hat – aber die Leinwand niemals.

Dieser Film quillt über vor Liebe, Sehnsucht und Verlangen. This one … is for you!

.kinoticket-Empfehlung: Eines der bildgewaltigsten und eindringlichsten Beispiele perfekten Storytellings – die Größe der Leinwand, der Sound im Original und die Bilder, die dazu im Kopf zusätzlich entstehen, während die Geschichten einen Aha-Moment nach dem anderen releasen – man ist geflasht und begreift, dass der Film das enthält, was unser Planet aktuell am dringendsten braucht.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Muss nicht mehr abgewartet werden, hier folgt dann nichts weiter.

Kinostart: 01. September 2022

Original Title: Three Thousand Years of Longing
Length: 111 Min.
Rated: FSK 12

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