Oktober 7, 2022

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Top Gun 2: Maverick

Top Gun: Maverick - Filmplakat
© 2022 Paramount Pictures Germany GmbH

Man wird alt. Auch Filme werden alt. Darsteller. Kultikonen. Maverick ist so eine Ikone, die so zahlreiche Anhänger hat, dass es zu einigen Rekorden reicht: Allein 612.500 Zuschauer schafften es in Deutschland am Startwochenende ins Kino, 6,34 Mio. Euro spielte der Film an diesem Wochenende ein und ist damit der drittbeste Start im Jahr 2022 und in den USA hat Top Gun: Maverick mit 134 Mio. Dollar Box Office in 4732 nordamerikanischen Kinos sogar einen neuen Rekord aufgestellt: Dieser Streifen ist Tom Cruise‚ bester Start seiner kompletten Karriere (und der Junge hat tatsächlich viele Meilensteine in seiner Vita stehen).

Man kann nun mit verschiedenen Ansätzen da ran gehen: „Es sind eben die alten Streifen, die noch so richtig gut waren, dass sogar das junge Publikum jetzt ins Kino rennt und es feiert, weil die damals noch verstanden haben, Filme zu machen“.

Oder: „Endlich noch mal was aus meiner Zeit, endlich nochmal ein Film, der meine Kindheit widerspiegelt, das wars dann, anschließend kommt wieder nur wochenlang irgendwelcher Neuschrott, für den man nicht mehr ins Kino braucht.“

Oder: „Inzwischen existieren so viele Menschen auf dem Planeten, dass logischerweise die Kinos immer voller werden und es keine großen Themen mehr braucht, um Menschen mit patriotischen Plakaten ins Kino zu locken.“

Oder … oder … oder… Man kann den Erfolg auf vielfältige Weise erklären wollen, man kann genausogut kritisch an den Film gehen und sagen: „Ich weiß nicht, ist mir schon wieder zu viel Tamtam um einen Film, der iiiiiirgendwann mal erfolgreich war und ich weiß nicht, ob das 80er Jahre-Flair-Aufleben lassen wirklich so grenzgenial ist, wie alle sagen und es sich tatsächlich lohnt, so viel Geld in die Hand zu nehmen um ins Kino zu gehen… immerhin könnte ich mit der gleichen Menge an Zaster inzwischen auch 16 Meter mit dem Auto fahren – ist doch auch schön.

Fakt ist: Der Film hat in meinen Augen ziemlich vieles richtig gemacht und donnert sich so richtig schön ins Herz eines Kinoliebhabers.

Fangen wir mal mit dem Soundtrack an. Ikonische Klänge, die man seit Jahrzehnten immer wieder im Ohr hat, treffen immer den Nerv und lassen den Puls der Zeit immer wieder neu aufleuchten: Das funktioniert mit Der Exorzist, das funktioniert mit Terminator und das funktioniert eben auch mit Top Gun. Nur dass hier eben ein paar ikonische Musiklegenden aufeinandertreffen und einen Score komponiert haben, der den Kult sanft streichelt und ihn massiv ins 21. Jahrhundert transportiert. Ja, die Musik ist zukunftsorientiert, verärgert aber mit keinem Ton die Nostalgie-Anhängerschaft dieses Kultfilms, sondern umschmeichelt mit sanften Klängen immer wieder ums Theme tänzelnd den Inhalt dessen, was man sich all die Jahre über dazu vor dem inneren Auge vorgestellt hat.

Sitzt man dazu noch im Dolby Cinema™ und wankt inmitten der 156 Ausgabekanäle, dann hört die Leinwand ganz schnell auf, eine zu sein und man befindet sich direkt von Anfang an einfach mittendrin.

Boum!

Mehr braucht es eigentlich gar nicht. Aber da wäre ja doch noch mehr. Das US-Militär ist ja bisweilen ziemlich angetan, wenn in Hollywood ein wenig Gratis-Werbung über die Screens flimmert und man sich selbst ein wenig feiern kann, um die Bevölkerung patriotisch auf die Dienstjahre vorzubereiten und sich selbst zelebrierend zu feiern. Dafür ist Top Gun das gefundene Fressen – jeder weiß das und darum braucht auch keiner heulen, wenn hier der „Thank you for your service“-Trief nur so die Leinwand runtersifft: Genau dafür sind wir ins Kino gekommen, um uns von dem proletenhaften Getue der Flieger-Elite beeindrucken zu lassen, laute Motoren, donnernde Atomgeräusche und viel Speed und gigantische Überwältigungen.

Und ja – das beschreibt so ziemlich genau bereits die allerersten Minuten des Films: Ein Geschenk an die US-Army, ein Geschenk an all die Erwartungen, die in jedem kleinen Herz mit ins Kino gekommen sind und die hier aufs Beste erfüllt werden.

Und wer jetzt glaubt, dass man sich nun hier Captain America-mäßig durch den Film männlichiert, liegt einfach falsch: Es gibt ganz viel Demut innerhalb dieser Proleten, ganz viel Nachdenklichkeit, sehr viel Ruhe, Zurücklehnen, Ausgeglichenheit und Sinnieren … und das tut dem Film inmitten des gigantischen Soundtracks so unfassbar gut.

Man spürt, wie alles in die Jahre gekommen ist, und statt zu verdammen oder mit „neuartigem Blödsinn“ zu übertrumpfen, führt man beide Welten gleichermaßen zusammen und nimmt den Zuschauer einfach mit auf die Veränderung, die unsere Erdkugel vorgenommen hat und man erlebt die Wandlungen gemeinsam – mit jeder Menge Spaß und verdammt guter Unterrhaltung.

Ist es der beste Film, den Tom Cruise je gemacht hat? Womöglich… es ist zumindest ein guter Abgang, um ihn nochmal im Kino zu erleben und all die ikonischen Darsteller und Darstellerinnen nochmal zu sehen: Ein Hello der alten Truppe – meiner Meinung nach ebenfalls ein Erfolgsgarant, denn die Originale überzeugen immer noch am besten.

.kinoticket-Empfehlung: Grandios gemacht, aber von mir auch mit einer wichtigen Ansage garniert: Dieser Film ist nichts für Leinwände, die sich außerhalb von mk6, Dolby Cinema™ oder Arri Lounge bewegen: Hierfür braucht man sensationelle Boxen, dröhnende Bässe und eine verdammt große Leinwand, die einen mitten ins Geschehen holt.

Nachspann: 🔘⚪️⚪️ | Anfangs darf man noch sitzen bleiben, danach kann man den Saal verlassen.

Kinostart: 26. Mai 2022

Original Title: Top Gun: Maverick
Length: 131 Min.
Rated: FSK 12

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