Und der Zukunft zugewandt - Filmplakat
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Ist das eigentlich jemand inzwischen aufgefallen? Die Öffnung der Grenzen innerhalb der Bundesrepublik Deutschlands feiert demnächst 30jähriges Jubiläum und im Zuge dessen kommen immer mehr Dokus und Filme auf die Leinwand, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen und die historisch einmaligen Ereignisse erneut dokumentieren.

Was ich von dieser geschichtlich immer wiedergekäuten Dauerbeschallung im Fernsehen halte, wisst ihr: Ich glaube, es ist noch kein Tag vergangen, an dem mal keine Hitler-Doku im Fernsehen ausgestrahlt wurde – und noch keine Stunde irgendeines Tages, an dem man sich nicht auf die ein oder andere Weise mit diesem Thema beschäftigt hätte.

Dass diese zumeist absolut schlecht gemacht sind und man als “cooler Jugendlicher” kaum Lust hat, sich so ernsthaft damit auseinanderzusetzen, versteht sich da fast schon von selbst.

Und jetzt kommt Und der Zukunft zugewandt – schon der Titel mit den richtigen Assoziationen: Vergangenheitsbewältung und -aufarbeiten im großartigen Stil, das eben nichts mit den historisch ausgelutschten Aussagen zu tun hat, sondern “neue” Vorfälle ans Licht bringt, die das Problem im Kern beleuchten: Ein System, dass damals als “perfekt” angepriesen wurde, unter dem eine Vielzahl an Menschen gelitten haben, was auch bis zum heutigen Tag immer noch nicht in Gänze von vielen verarbeitet wurde.

Und hier leistet das Werk Großartiges: Die Geschichte ist tatsächlich passiert und wurde im Rahmen einer Polizeiruf 112-Aufzeichnung dem jetzigen Regisseur zugetragen, der davon dann nicht abließ und die Story erzählen wollte.

Und glaubt mir: Es ist spannend und zeugt von Integrität menschlich-ethischen Verhaltens, die auch kein System brechen kann … und wenn es erst Jahrzehnte dauert, bis so etwas ans Tageslicht kommt.

Und noch ein spannender Fakt: Die Dame, die das alles betrifft, hat im Film sogar eine eigene Rolle bekommen, auch wenn sie sich nicht selbst spielen kann, da die Vorfälle ja ein paar Jahre zurückliegen.

So muss in meinen Augen historische und gesellschaftliche Aufarbeitung aussehen: Themen ans Tageslicht zu bringen, deren wahrer Kern unbestreitbar ist und die Aufklärung in die Runde werfen, die für alle verständlich und vor allem auch spannend inszeniert wird, damit auch die jüngeren Generationen, die diese Ära nicht miterlebt haben, Interesse daran haben, sich damit auseinanderzusetzen.

Das schafft Wissen, was wiederum dafür sorgen kann, dass derartige Aktionen nicht nochmal gestartet werden, auch wenn politisch gesehen derzeit alles danach aussieht.

Und da weder Schulen, noch einige Medien, noch Politiker oder andere öffentliche Personen großartiges Interesse daran haben, hier im großen Stil derartige Wissensbildung vorzunehmen, darf wieder einmal Kino als grandiose Plattform dafür herhalten, um flächendeckend dafür zu sorgen, dass auch neue Generationen über alte Fehler unterrichtet werden und die Zusammenhänge nun easy verstehen können.

Dann sind es auf einmal nicht mehr nur irgendwelche Satzfetzen, die jeder schonmal irgendwo gehört hat, deren Zusammenhang oder Tragweite aber keiner so richtig versteht, der sich nicht näher mit der Materie auseinandergesetzt hat. Dann sind es nicht mehr Mutmaßungen, die einfach da waren, weil jeder immer so reagiert bei dem Thema, ohne zu wissen, warum.

Dann ist es ein Vorfall, der überdeutlich schildert, was an der ganzen Sache dran – und gravierend falsch war, was auf einmal andere logische Konsequenzen im Kopf schafft und ein völlig neues Bild auf die deutsche Geschichte richtet.

Damit schafft man Fakenews aus der Welt, damit schafft man irrationale Behauptungen aus der Welt, damit sorgt man dafür, dass die Menschen ihren eigenen Kopf benutzen und anfangen, nachzudenken.

Damit hätten neuartige Geschwüre geistiger Umnachtung keine Chance mehr, in diesem Land so zu gedeihen, wie sie es derzeit tun.

Also: Geht bitte rein! Und nehmt so viele Leute mit, wie ihr finden könnt.

.kinoticket-Empfehlung: Pflicht! Dieser Film leistet Aufarbeitung historischer Wunden und erklärt ein missratenes System auf extrem spannende Weise, die auch heutigen Generationen völlig easy verdeutlicht, warum eine solche politische Hierarchie nie wieder entstehen darf! Großartig!

Nachspann: Braucht man nicht abwarten, es folgt nichts weiter.

Kinostart: 05. September 2019

Original Title: Und der Zukunft zugewandt
Length: 108 Min.
Rated: FSK 12