Mai 22, 2022

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Wunderschön

Wunderschön - Filmplakat
© 2022 Warner Bros. Ent.

Es gab jetzt inzwischen schon so einige Filme, die sich mit den Thematiken „Frau“, „Ungerechtigkeit“, „gestörte Selbstwahrnehmung“, „verzogenes Bild in der Gesellschaft“, „körperliche Schönheit“ etc. beschäftigt haben (und es werden ebenfalls noch einige kommen, aber dazu später mehr hier im Blog).

Ein u.a. extrem gutes Beispiel war Embrace Me – Du bist schön, der mit den Mythen rund um diese Problematik mal ordentlich aufgeräumt und offen gezeigt hat, wo wir Missstände haben.

Karoline Herfurth hat ebenfalls schon bewiesen, dass sie es als Regisseurin wirklich drauf hat – ihr letzter Film Sweethearts war nicht von schlechten Eltern und hat auch mich damals überzeugt.

Nun kommt aber ausgerechnet ein Herr, der sie beim Mittagessen darauf anspricht, dass sie sich diesem Thema filmisch mal annehmen soll und daraus was ausarbeiten – und genau das stößt mir irgendwie bitter auf.

Den ganzen Streifen über merkt man, dass hier nicht wirklich „ehrlich“ gearbeitet wird, sondern an so vielen Punkten wirkt es dermaßen unflüssig und seltsam, ohne dass man per Drehbuch drauf gestoßen wird, was hier falsch ist.

Die Idee an sich ist nicht schlecht – das Thema nun mal nicht als Dokumentation, sondern in Spielfilmform auf den Tisch zu stellen – und die Vermengung der verschiedenen Charaktere mit all ihren Verknüpfungen und tiefschichtigen Problemen ist durchaus recht ansehlich und „gut abgemischt“, aber irgendwie dolcht mir, dass das typische „Wir zeigen euch die Welt und erklären gleich noch, wie sie zu funktionieren hat“, das man aus den öffentlich-rechtlichen Gefilden so gut kennt, hier die Tagesordnung bestimmt – und das macht Herfurth dann nicht zu der unabhängigen und selbstbestimmten Frau, die wir alle gerne sehen wollen, sondern vielmehr zur Marionette des öffentlich-rechtlichen Gedankenguts, das uns aus den Muttersendern der GEZ-Fraktion so oft entgegenschlägt.

Und genau da entwickeln sich böse Gefühle im Inneren, denn man nimmt den ganzen Gestalten ihr Gebahren irgendwann einfach nicht mehr ab. Es wirkt fast wie eine böse Offenbarung der ganzen Scheinwelt, hinter der man sich im TV und der Presse so oft verkriecht und mit viel Liebe könnte man dies als Kapitulierungszusage werten, indem ein Charakter nach dem anderen preisgibt, mit dem ganzen aufgesetzten Getue nicht mehr klar zu kommen.

Hier wird dann eben aber nicht die Heuchelei als Grund hergenommen, sondern das pathetische „Ja, natürlich bist du schön, du musst nur an dich glauben, natürlich wollen wir alle solche Echsen wie dich sehen, egal, ob du an dir arbeitest oder nicht, wir sind doch integriert und gendern und alles und bla und gut und hach ja … jemand n Keks?“

Als ich klein war, gab es mal diesen wunderbaren Satz „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“. Und „Man sucht sich nicht aus, wen man liebt“. Dass diese ganze Branche inzwischen so dermaßen abgefuckt ist, wissen wir spätestens seit den ganzen weggeklickten Katastrophen von Germanys Next Top Model, die niemand hören und sehen will, weil wir ja dann auch keine „geilen Brüste und fickbare Weiber“ mehr zu sehen kriegen und „nicht alles so bleibt, wie es schon immer war“.

Dass genau das das Problem ist, zeigt auch der Film hier nicht auf, sondern tut so, als würde er ein Problem lösen, indem er einfach etwas anderes für die Umstände verantwortlich macht und uns dann allen erklärt: Wenn wir das andere jetzt anders machen, dann ist auf einmal wieder alles toll und alle liegen sich hinterher schunkelnd in den Armen und hören Florian Silbereisen.

Und so banal einfach ist unsere Welt halt nunmal leider nicht, sondern das ist die aufgesetzte Blase, in die sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen verkrochen hat, ohne zu merken, dass der Schuh bei den meisten eigentlich ganz woanders drückt.

Und für diese Menschen ist dieser Film dann ein Schlag in die Fresse, weil die ganze heuchlerische Welt, in der sich so manche Eliten rein verzogen haben, die auf Kosten dieser Armen lebt, nun auf einmal noch dazu offenbart, dass es diejenigen noch nicht mal glücklich macht, sondern quasi die Ausbeutung und seelische Unterdrückung auch noch für die Katz‘ war.

Na Prima. Dann mal her mit dem Abspann, nun ist mein Tag ja zumindest emotional gerettet, nicht wahr?

Und zum Schluss noch ein kleiner Fun Fact: Nora Tschirner wollte auch nicht, dass man nun denkt, dieses „Frauending“ sei nun ihr Thema und sie würde in Zukunft nur noch solche Filme machen… Kurze Frage: Warum machst du es dann? Warum drehst du nicht einfach was anderes?

.kinoticket-Empfehlung: Auch, wenn er von vielen abgefeiert wird, hat er für mich an den entscheidenden Stellen nicht wirklich Stellung bezogen, sondern versucht wieder, uns zu erklären, wie die Dinge zu funktionieren haben. Das Thema ist zwar nach wie vor wichtig und die Umsetzung ist auch ganz nice, allerdings hätte ich mir hier eine selbstbestimmte Regisseurin gewünscht und weniger das Gefühl, sie wäre von anderen als „Marionette“ missbraucht worden.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Braucht man nicht aussitzen, hier folgt nichts weiter.

Kinostart: 03. Februar 2022

Original Title: Wunderschön
Length: 132 Min.
Rated: FSK 6