Februar 3, 2023

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Zwischen uns

Zwischen uns - Filmplakat
© 2022 Wild Bunch Germany

„Komm, wir machen einen Film.“

„Ja, was hast du dir denn vorgestellt?“

„Worauf hättest du denn Lust?“

„Na, irgendwas, womit man die Leute ins Kino lockt und am besten auch Geld verdient.“

„Okay… mal sehen…“

So ungefähr hätte das ablaufen können, bevor sich die Macher von Zwischen uns final für ihr Projekt entschieden haben, denn irgendwie stehen alle Anzeichen auf grün, wenn ich mir den Dialog oben so vorstelle. (Ist nicht wirklich so abgelaufen, hab ich mir nur ausgedacht, aber hätte ja sein können).

Seit Til Schweiger ist es ja groß in Mode gekommen, Filme über Krankheiten zu publizieren, um „die Community“ anzusprechen und den Menschen etwas zu geben, was „dabei hilft, die Dinge besser zu verstehen und damit umzugehen“.

Gerade das „Yeah, akzeptiert es doch … das macht man jetzt so. #hypervorsichtig #bloßniemandenverletzen“ ist doch eh grad groß in Mode und „man darf ja eh nichts mehr sagen, weil sich immer gleich jemand angepisst fühlt“.

Aktuelle Vibes alle irgendwo aufgegriffen? Gut.

Ich verrate euch noch ein kleines Geheimnis: Wenn man Filmförderung will (= VIEEEEEEEEL GELD, was es überhaupt erst ermöglicht, dass viele Projekte überhaupt steigen), muss man Themen wählen, die den Herren und Damen der Filmförderung zusagen. Man biedert sich als Filmemacher quasi an, legt Dinge auf den Tisch, die die glauben, dass der Zuschauer sehen will und tritt damit quasi offene Türen ein.

Noch irgend ein paar Labels öffentlich-rechtlicher Sender dazu und fertig ist die Laube, man kann sein Ding durchziehen und darf brav immer schön das tun, was die Förderung will. Und sollte am Ende doch noch bissl was „aus der Reihe tanzen“, darf man sich nochmal ne Nacht im Schnittzimmer um die Ohren schlagen und danach ist der Einheitsbrei fertig, den die deutsche Feuilleton-Elite dann wieder abfeiert und mit Moët darauf anstößt, wie wichtig es ist, dass das endlich mal jemand gesagt hat.

Ich will jetzt hier auf keiner speziellen Community rumbashen, oder sagen, dass es nicht wichtig wäre, dass man Ungesehenes endlich auf eine Bühne bringt (was eignet sich dafür besser als Kino?), ich will nur meinen, dass man nicht per se jeden Versuch als gottgleich abfeiern muss, nur weil er thematisch an diese Riege grenzt.

Ja, es ist gut und richtig, solche Sachen endlich mal öffentlich zu diskutieren, es wäre aber eben auch extrem wichtig, ein gutes und liebevolles Projekt drumrum zu basteln, damit die Leute auch Bock drauf haben.

Oder erinnert ihr euch daran, dass im vergangenen Jahr eine Welle der Sympathie und des Mitgefühls für …-Krankheit entstanden ist, die jetzt überall mit Challenges und Veränderungsmotoren durch die sozialen Medien getrieben wird?

Seht ihr. Richtig. Dieser Film ist der Egalität zum Opfer gefallen, weil’s wieder nur so ne geschönte Öffentlich-Rechtlich-Selbstbeweihräucherung ist, in der alles so sein muss, wie sich die Herrschaften dort das Leben vorstellen.

Die woke Mama, das arme Kind, die böse Gesellschaft drumrum und alles ist irgendwie kacke. Am Ende noch irgendwas mit Liebe – fertig.

Nehmt diese „Filmschablone“ mal und legt sie über irgendeinen Film in der ARD oder im ZDF – passt meistens. Dann mal einen Schritt weiter zu denken und sein „super wichtiges Projekt“ nicht in so ein Meer an überfülltem Nonsense zu kippen wäre ein Punkt, der mir als Regisseur eines solchen Films wichtig wäre. Man müsste zwingend aus der Masse rausstechen und so provokativ oder auffallend sein, dass tatsächlich ein Aufschrei durch die Gesellschaft geht, der zu öffentlichem Diskurs führt oder überhaupt irgendwelche Konsequenzen nach sich zieht.

Das hier? Vergeht im TV-Zeitschriftchen in der Spalte irgendwo, irgendwann und wird einfach übersehen oder überlesen. Und selbst wenns läuft, denkt man: „Och nöö, eh nur so’n Schmarren, komm, schalt weiter.“

Der Film hat durchaus hier und da seine Momente, aber ich kann mir schwer vorstellen, dass jemand die Muße hat und sich tatsächlich darauf einlässt, sich bis dort hin durchzukämpfen, wenn man vorher schon weiß, dass es zahlreiche andere Projekte gibt, die um unsere Aufmerksamkeit feilschen.

.kinoticket-Empfehlung: Appell an die Öffentlich-Rechtlichen: Macht bei solchen Themen doch erstmal im Stillen eure Hausaufgaben, bevor ihr etwas derartiges auf die Menschheit loslasst – und dann kommt wieder und verblüfft uns mit einem Teil, dass ’ne Gesichtswatschn im positiven Sinne ist. Dann hat es auch einen Effekt – und dient der betroffenen Community wirklich.

Nachspann: ⚪️⚪️⚪️ | Beinhaltet keine weiteren Szenen, rausgehen erlaubt.

Kinostart: 16. Juni 2022

Original Title: Zwischen uns
Length: 86 Min.
Rated: FSK 12

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